21.04.2017 - 10:25, Christian Böhmer, dpa

Panik auf Pariser Touristenmeile Champs-Élysées nach dem Anschlag

 

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Nach dem blutigen Anschlag auf Polizisten herrscht im Westen von Paris ein riesiges Durcheinander. Touristen kommen nicht in ihre Hotels, Menschen sind in Restaurants und Büros eingeschlossen.

«Bougez-vous!» (Bewegen Sie sich!) - der schwerbewaffnete Polizist drängt Passanten zurück, die auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées gelangen wollen. Die Rue de Berri im schicken achten Pariser Stadtbezirk ist nicht abgesperrt. Doch Einheimische und Touristen folgen den Anweisungen des Ordnungshüters, der keinen Widerspruch duldet. Über dem Areal kreist ein Hubschrauber, Polizeisirenen heulen. 

Einige Strassenblöcke weiter, dieselbe gespenstische Atmosphäre. In der Rue de Balzac werden Angestellte von Sicherheitskräften aus ihren Büros begleitet. «Wir haben die Polizei vor der Tür gesehen, wir konnten nicht raus», erzählt Céline, eine Anwältin.

Ein Mann, der seinen Namen nicht nennen will, erzählt, er habe im Restaurant «Bistrot Romain» auf den Champs-Élysées gegen 21.00 Uhr Schüsse gehört. «Viele sind in die erste Etage gelaufen», erzählt er. «Einige gerieten in Panik.» Ein anderer Mann ergänzt, der Angreifer habe ganz bewusst die Ordnungshüter attackiert.

Terrormiliz IS reklamiert den Angriff für sich

Am Rande des Tatorts in der Nähe des Triumphbogens kursieren Gerüchte. Ein Passant erzählt, es gebe einen flüchtigen Komplizen des Terrorverdächtigen, der von der Polizei erschossen wurde. Offiziell wird das aber nicht bestätigt. Der Sprecher des Innennministeriums sagte, es gebe nur einen Angreifer.

Der Mann hatte das Feuer in der Höhe eines Geschäfts der britischen Einzelhandelskette Marks & Spencer auf Polizisten eröffnet, tötete einen von ihnen und verletzte zwei schwer. Später nimmt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Attacke für sich in Anspruch.

Die meisten Menschen in dem abgeriegelten Stadtviertel kennen die Details der Bluttat nicht. Touristen wollen nur eins - in ihr Hotel zurückkommen. «Das sollten Ferien sein», bemerkt John aus San Francisco im US-Staat Kalifornien resigniert. In der Gegend gibt es zahlreiche Hotels, die Champs-Élysées mit vielen Geschäften und Restaurants sind bei den Paris-Gästen besonders beliebt.

Anschlag überschattet Präsidentenwahl

Der obere Teil der Prachtstrasse in der Nähe des Triumphbogens ist komplett von Sicherheitskräften abgesperrt. Geschäfte haben Rolläden heruntergelassen, mehrere U-Bahn-Stationen sind aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Seit den Terroranschlägen von Paris vom November 2015 gilt der Ausnahmezustand im Land. Attacken auf Sicherheitskräfte gab es bereits, vor einem Monat wurden Soldaten auf dem Pariser Flughafen Orly attackiert, der Angreifer wurde erschossen. Erst Anfang der Woche hatten Ermittler im südfranzösischen Marseille zwei mutmassliche Dschihadisten festgenommen, die vor der Wahl einen Anschlag verüben wollten.

Der Anschlag überschattet die Präsidentenwahl, die unmittelbar bevorsteht. «Wie sollen wir wählen, angesichts dieser Bedrohung?», fragt sich eine Frau, die hektisch an einer Zigarette zieht. Frankreich wird seit gut zwei Jahren von einer beispiellosen Terrorserie erschüttert, die über 230 Menschen aus dem Leben riss.

Höhere Mobilisierung der Wähler erwartet

Der jüngste Anschlag wird Auswirkungen auf die Wahl am kommenden Sonntag haben, wie der Frankreich-Korrespondent von Radio SRF Charles Liebherr meint. Er hält eine stärkere Mobilisierung der Wähler und damit eine höhere Wahlbeteiligung als bisher angenommen für wahrscheinlich.

Liebherr geht nicht davon aus, dass von der blutigen Attacke bestimmte Kandidaten profitieren. Angriffe auf Sicherheitskräfte Frankreich waren in den letzten Wochen und Monaten nichts Aussergewöhnliches mehr, sondern «triste Realität». Alle Kandidaten zeigen sich weitgehend einig darin, dass für die Bekämpfung des Terrorismus mehr Mittel und zusätzliche Kompetenzen für die Sicherheitsbehörden nötig sind.

Der Vorfall muss der rechtsnationalistischen Marine Le Pen nicht unbedingt Aufwind geben. Die für heute angesetzten Wahlkampfveranstaltungen wurden von allen Kandidaten abgesagt. Somit geht die Kampagne einen Tag früher als geplant zu Ende, was Prognosen über etwaige Auswirkungen auf den Wahlausgang schwierig macht.

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