«Die Impfung ist keine religiöse, sondern eine medizinische Frage»

Von Lia Pescatore und Christian Thumshirn

12.11.2021

«Die Impfung ist keine religiöse, sondern eine medizinische Frage»

«Die Impfung ist keine religiöse, sondern eine medizinische Frage»

Zum Freitagsgebet noch die Impfung: Diese Möglichkeit bietet eine Zürcher Moschee heute an. Die Hürden für die ungeimpften Muslim*innen sollen möglichst tief sein, darum werden Frauen und Männer getrennt eingeladen.

12.11.2021

Zum Freitagsgebet noch die Impfung: Diese Möglichkeit bietet eine Zürcher Moschee heute an. Die Hürden für die ungeimpften Muslim*innen sollen möglichst tief sein, darum werden Frauen und Männer getrennt eingeladen.

Von Lia Pescatore und Christian Thumshirn

12.11.2021

«Und wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet!»: Mit diesem Koranvers ruft die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (Vioz) zu ihren Impfaktionen in Moscheen auf.

Die Frage «Impfung Ja oder Nein» sei aber grundsätzlich keine religiöse, sondern eine medizinische, sagt Vioz-Präsident Abduselam Halilovic. «Die Medizin ist sich in dieser Frage einig, da kann man nicht religiös dagegen argumentieren.»

Der Verband will sich trotzdem für die Impfung engagieren. «Wir sind alle von der Pandemie betroffen, darum wollen wir einen Beitrag leisten». Schon vor der Impfwoche sei die Idee im Verband kursiert, anlässlich der Impfwoche wurde sie umgesetzt.

Frauen und Männer können sich getrennt impfen lassen

Wir treffen Halilovic kurz vor der ersten Impf-Aktion in einer Zürcher türkisch-islamischen Moschee. Am Impftermin selbst sind die Medien nicht erwünscht, dies sei so mit der Zürcher Gesundheitsdirektion abgesprochen – aus Datenschutzgründen der anwesenden Personen heisst es.

Noch ist die Moschee leer, einzig die von der Gesundheitsdirektion organisierte Impf-Truppe ist in den Räumlichkeiten unterwegs. Stühle werden aufgestellt für die Wartenden, Tische zu Raumtrennern umfunktioniert. Es ist Freitag, um die Mittagszeit werden die Männer zum wichtigsten Gebet der Woche eintreffen – und sich dabei noch impfen lassen, so die Hoffnung von Halilovic.

Man wolle für alle offen stehen, trotzdem sind die Termine geschlechtlich getrennt.  Im Verband sei man sich bewusst, dass dieser Entscheid auch auf Kritik stossen könnte. «Aber wir wollten die Hürde für die Impfung möglichst tief halten», sagt er.

Es sei eine Realität, dass die Impfung von Teilen der muslimischen Gemeinschaft als intimer Eingriff angesehen werde. Mit der Geschlechtertrennung wolle man auch diesen ermöglichen, sich impfen zu lassen.

«Der Aufruf wurde fleissig gestreut»

Der Erfolg der Aktion sei dennoch schwierig abschätzbar, sagt Halilovic. Im Vorfeld habe man «diverse» Reaktionen erhalten. Gerade über die sozialen Medien seien auch kritische eingegangen, aber die Gemeinschaft habe grösstenteils positiv reagiert. «Unser Aufruf ist fleissig online geteilt und gestreut worden innerhalb der muslimischen Community», erzählt Halilovic.

Im persönlichen Gespräch habe er auch schon von einzelnen Personen gehört, die sich an einem der vier Anlässe impfen lassen wollen, die an zwei Moscheen angeboten werden. Schlussendlich ginge es aber auch um das symbolische Signal, in der muslimischen Gemeinschaft, wie auch in der Gesamt-Gesellschaft.

Stösst die Aktion auf genügend Resonanz, wird sie auch über die Impfwoche hinaus eine Wirkung haben: Der Kanton Zürich prüft, weitere Termine in anderen Moscheen durchzuführen.