Fehler gefunden?
Jetzt melden
Der mysteriösen Tod des 18-jährigen Teenagers Nolan Xavier Wells wirft viele Spekulationen auf.
Jackson County Sheriff's Department
Warum blieb Nolan Xavier Wells auf einer Insel zurück, während seine Freunde mit seinem Handy aufs Festland zurückfuhren? Wurde der schwarze Teenager getötet? Die Eltern wollen Antworten und trauen den Ermittlungen der Polizei nicht.
Am vergangenen Wochenende fuhr der 18-jährige Nolan Xavier Wells mit Freunden auf eine Insel vor der Golfküste des US-Bundesstaats Mississippi. Gemeinsam mit – weissen – Freunden wollte der schwarze Jugendliche dort den US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli feiern. Doch Wells kehrte nie zurück. Zwei Tage später wurde seine Leiche gefunden. Aber was genau passiert ist, liegt nach wie vor im Dunkeln.
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen.
Bei einer Pressekonferenz am Freitag in New York City forderten Christine und Elmore Wonsley eine gründliche und transparente Untersuchung des Todes ihres Sohnes. Dass Wells seine Freunde aufgefordert haben soll, die Insel ohne ihn zu verlassen, wollen sie nicht glauben. Auch Spekulationen, wonach ihr höchst sportlicher Sohn ertrunken sei, wiesen sie zurück.
Mehrere bekannte schwarze Bürgerrechtler standen der Familie zur Seite. Zu ihnen gehörten Anwalt Ben Crump und Reverend Al Sharpton, die an der Seite von Christine Wonsley standen, als sie sagte: «Wir wollen einfach nur wissen, was passiert ist und warum unser Kind nicht nach Hause gekommen ist.»
Wells' Leiche wurde am frühen Montagmorgen bei der Suche rund um Horn Island gefunden, einer unbewohnten Insel rund elf Kilometer vor der Küste Mississippis. Am 4. Juli hielten sich dort für die Feier etwa 200 Menschen auf, wie die Anwälte der Familie mitteilten. Und sie hoffen, dass irgendjemand etwas gesehen hat und es weitergibt.
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen.
Der Fall ist geprägt vom tiefen Misstrauen, das viele Schwarze im tiefen Süden der USA gegenüber der Polizei hegen. Die Familie beauftragte eine unabhängige Autopsie durch einen Gerichtsmediziner in der Hauptstadt Washington, der keine Verbindungen zu Ermittlern in Mississippi hat, um die Todesursache zu klären. Auch eine offizielle Obduktion wurde bereits durchgeführt. Bis das Ergebnis feststeht, dürfte es aber mehrere Wochen dauern. Ausserdem wollen Wells' Eltern Experten beauftragen, um Nachrichten wiederherzustellen, die offenbar vom Handy von Wells gelöscht wurden, wie Anwalt Crump sagte.
Ein im Internet veröffentlichtes Foto, das mutmasslich während der Bootsfahrt zur Insel aufgenommen wurde, zeigt Wells mit drei weissen männlichen Freunden. Sheriff John Ledbetter sagte, Wells' Freunde würden mit den Ermittlern kooperieren. Es gebe keinen Verdacht auf ein Verbrechen. Crumps eigene Ermittler konnten noch nicht mit ihnen sprechen.
Nicht nur Anwalt Crump und Prediger Sharpton, der die Trauerfeier leiten soll, standen den Eltern zur Seite. Der Schauspieler und Produzent Tyler Perry beteiligt sich an den Kosten für Wells' Beerdigung, der ehemalige NFL-Quarterback Colin Kaepernick unterstützt die Finanzierung der unabhängigen Autopsie, und der Filmemacher Spike Lee erschien bei der Pressekonferenz, um Wells' Familie seine Unterstützung zu bekunden. Im Internet kursierten zahlreiche Spekulationen darüber, was Wells widerfahren sein könnte.
«Die Geschichte von Mississippi ist etwas, worüber sie nicht nur in Büchern lesen», sagte Crump in der Zentrale von Sharptons Organisation National Action Network in Harlem. «Für viele schwarze Amerikaner ist es eine gelebte Erfahrung, dass oft, wenn unsere Kinder unter höchst fragwürdigen Umständen getötet werden, die Vorstellung vorherrscht: «Ach, da war nichts dabei, kein Verbrechen, kehren wir das einfach unter den Teppich.» Nun, wir weigern uns, das unter den Teppich zu kehren.»
Es ist der zweite Fall, den Crump in den vergangenen Monaten in Mississippi übernommen hat. Kürzlich wurde er auch von der Familie eines einjährigen Kindes beauftragt, das ums Leben kam, als die Polizei auf ein fahrendes Auto schoss.
Sheriff Ledbetter zufolge vermuten die Ermittler, dass Wells nicht mit seinen Freunden, sondern mit jemand anderem zurückfahren wollte und deshalb auf der Insel geblieben sei. Aber Wells hatte weder sein Handy noch seine Schlüssel dabei – die hatten seine Freunde auf dem Boot mit. «Welcher Teenager würde sein Handy liegen lassen, wenn er auf dieser Insel bleiben will?», sagte Crump. «Das passt überhaupt nicht zusammen.»
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen.
Crump sagte zudem, ein Video eines Augenzeugen von der Insel zeige eine Person, die mit jemandem streite und ein Handy zurückfordere. Laut dem Anwalt handelte es sich dabei um Wells.
Nachdem die Freunde alleine zurückgekehrt waren und auch Wells' Handy dabei hatten, machte sich seine Mutter Christine Wonsley grösste Sorgen und meldete ihn als vermisst. Der Vater Elmore Wonsley fuhr am nächsten Morgen, dem Sonntag, mit einem Boot hinaus nach Horn Island, um dort nach seinem Sohn zu suchen. Erst am frühen Montagmorgen wurde die Leiche bei einer grossangelegten Suchaktion gefunden. «Wenn er ertrinkt, sieht ihn niemand ertrinken? Bietet niemand Hilfe an? Versucht niemand zu helfen? Ich meine, offensichtlich fällt er auf», sagte Anwalt Crump. «Ich glaube, er ist der einzige Schwarze, den ich gesehen habe, als ich mir die Videos (von der Insel, Anm.) angesehen habe.»
Wells, der im August 19 Jahre alt geworden wäre, spielte als Wide Receiver in der Footballmannschaft des Southwest Mississippi Community College in der Stadt Summit. Sein Trainer Les George sagte dem Sender WAPT, Wells sei «ein Typ gewesen, der nie einen schlechten Tag hatte. Niemals.» «Er war zu jedem sehr umgänglich, für ihn gab es keine Fremden», sagte George.
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen.
Wells' Eltern sagten, sie hätten ihn zuletzt am Abend vor dem Bootsausflug gesehen. Er kam zu ihnen nach Hause, bereitete ihnen Lachs zum Abendessen zu und umarmte seine Mutter zum Abschied. In allen Konflikten sei er stets ein Friedensstifter gewesen.
Angesichts von Protesten nach seinem Tod forderte Christine Wonsley die Demonstranten auf, seinem Beispiel zu folgen. «Bitte bleibt friedlich», sagte sie. «Nolan war niemand, der Streit mochte.»