Trumps Parteifreunde rebellierenTop-Republikaner kritisieren US-Truppenabzug aus Deutschland
dpa
3.5.2026 - 19:41
Der republikanische US-Senator Roger Wicker warnt vor einem Abzug von US-Truppen aus Deutschland.
Archivbild: IMAGO/Newscom / AdMedia
Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, 5000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen, stösst unter führenden Republikanern auf Kritik. Der Standort ist auch für die USA selbst von Bedeutung – Kongressmitglieder sehen die Abschreckungsfähigkeit der USA in Gefahr.
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DPA, Redaktion blue News
03.05.2026, 19:41
dpa
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Die US-Regierung will mindestens 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen, obwohl der Standort auch für sie selbst von Bedeutung ist.
In den Reihen der Republikaner regt sich Widerstand.
In einer gemeinsamen Erklärung erklärten die Republikaner Roger Wicker und Mike Rogers: «Wir sind sehr besorgt über die Pläne, eine US-Brigade aus Deutschland abzuziehen.»
Einflussreiche Republikaner aus beiden Kammern des Kongresses haben mit Skepsis auf den geplanten Teilabzug von US-Truppen aus Deutschland reagiert. «Wir sind sehr besorgt über die Entscheidung, eine US-Brigade aus Deutschland abzuziehen», teilten Senator Roger Wicker und der Abgeordnete Mike Rogers in einer gemeinsamen Erklärung mit. Rogers sitzt dem für die Streitkräfte zuständigen Ausschuss im Repräsentantenhaus vor, Wicker dem im Senat.
NEW: Senate Armed Services Chairman Roger Wicker and House Armed Services Chairman Mike Rogers, both Republicans, release statement on Trump’s decision to withdraw US troops from Germany:
“We are very concerned by the decision to withdraw a U.S. brigade from Germany. Germany has… pic.twitter.com/azgTbXtRLf
— Republicans against Trump (@RpsAgainstTrump) May 2, 2026
Deutschland habe auf die Forderungen von Präsident Donald Trump reagiert und seine Verteidigungsausgaben deutlich erhöht. Zudem habe sich Deutschland im Iran-Krieg sehr kooperativ gezeigt, etwa mit Blick auf Überflugrechte, hiess es in der Erklärung weiter.
Auch der republikanische Abgeordnete Don Bacon reagierte empört auf den Truppenabzug. Auf der Plattform X schrieb er: «Wir verhalten uns wie bockige Kinder. Wir sollten langfristig und strategisch denken. Reflexartige Reaktionen und Kleinkariertheit dienen nicht unseren nationalen Sicherheitsinteressen.»
We act like petulant kids. We should think long term and strategic. Knee-jerk reactions and pettiness does not serve our national security interests. And… Russia loves it. https://t.co/ASAN0IBJMu
— Rep. Don Bacon 🇺🇸✈️🏍️⭐️🎖️ (@RepDonBacon) May 1, 2026
Falsches Signal an Putin
Die Alliierten gäben bereits mehr Geld aus – bis daraus eine effektive Abschreckung entstehe, sollten die USA aber vor Ort präsent bleiben, so Rogers und Wicker. Eine voreilige Reduzierung berge die Gefahr, die Abschreckung zu schwächen und ein falsches Signal an Kremlchef Wladimir Putin zu senden. «Anstatt die Truppen vollständig vom Kontinent abzuziehen, liegt es im Interesse der USA, durch die Verlegung dieser 5000 US-Soldaten nach Osten eine starke Abschreckungspräsenz in Europa aufrechtzuerhalten», schlagen sie vor.
Die beiden Kongressmitglieder sprechen auch davon, dass das Pentagon anders als geplant kein Bataillon für den Einsatz weitreichender Waffen nach Deutschland entsenden werde. Dazu gibt es bislang keine offiziellen Angaben der US-Regierung. Trumps Vorgänger Joe Biden hatte beim Nato-Gipfel 2024 versprochen, Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen in Deutschland zu stationieren.
Trump will «weit mehr» als 5000 Soldaten abziehen
Inzwischen hat Donald Trump den Abzug von US-Soldaten aus Deutschland nochmals bekräftigt. «Wir werden stark reduzieren, und zwar um weit mehr als 5000 (Soldaten)», sagte er auf dem Flughafen in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida auf eine Reporterfrage. Am Freitag hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Abzug von 5000 US-Soldaten aus Deutschland angeordnet. Er solle in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein.
When asked about the reasons for withdrawing US troops from Germany, Trump did not answer but said their number would be reduced by far more than 5,000. pic.twitter.com/kDt1EqSf6H
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April 86’000 Soldaten in Europa stationiert – davon 39’000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmässig, auch wegen Rotationen und Übungen. Die Zahl von 5000 Soldaten gilt daher nicht als besonders gravierend. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und Trump pflegten monatelang ein recht gutes Verhältnis. Mit Blick auf den Iran-Krieg schlug der Kanzler aber öffentlich zusehends kritische Töne an.
Bis vor Kurzem hatten Trump und der deutsche Kanzler Merz ein gutes Verhältnis.
Archivbild: Guido Bergmann/Presse- und Informationsamt der/dpa
Bei einer Diskussion mit Schülern sagte er kürzlich, die USA könnten den Krieg nicht schnell beenden, «weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben». Trump attackierte Merz danach persönlich: «Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!», schrieb er auf der Plattform Truth Social.
President Trump on Truth Social: The Chancellor of Germany, Friedrich Merz, thinks it’s OK for Iran to have a Nuclear Weapon.
He doesn’t know what he’s talking about! If Iran had a Nuclear Weapon, the whole World would be held hostage. I am doing something with Iran, right now,… pic.twitter.com/6T5qHR8hYN
— Donald J Trump Posts TruthSocial (@TruthTrumpPost) April 28, 2026
Dutzende US-Militärstützpunkte in Europa
In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende grosse US-Militärstützpunkte. Bei Einsätzen der Amerikaner etwa im Nahen Osten sind sie von grosser Bedeutung. In Deutschland gehören dazu zum Beispiel das US-Oberkommando für Europa in Stuttgart und als Drehkreuz der US-Luftwaffe der Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz.
«Kein Grund zur Panik, aber weiterer Weckruf»
In Deutschland fielen die Reaktionen auf die US-Ankündigung gemischt aus. In Rheinland-Pfalz dominierte die Sorge. «Es geht ja nicht nur um das Miteinander im sicherheitspolitischen Fragenbereich», sagte Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD). «Es ist auch eine wirtschaftspolitische Frage, dass die Stationierungsstreitkräfte hier sind.»
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sagte der «Rheinischen Post», ein möglicher Truppenabzug in der Grössenordnung sei «kein Grund zur Panik, aber ein weiterer Weckruf».
SPD-Fraktionsvize Siemtje Möller sagte der «Welt am Sonntag», die Ankündigung des Teilabzugs sei «strategielos», weil die USA erheblich von der Truppenpräsenz in Deutschland profitierten. Grünen-Chefin Franziska Brantner sagte dem Nachrichtenportal «t-online», die Ankündigung zeige, «wie gefährlich es ist, sich in Verteidigungsfragen auf Trump zu verlassen».
Linke-Fraktionschef Sören Pellmann sagte der «Welt am Sonntag»: «Von deutschem Boden aus werden Militäreinsätze geführt, die mit dem Friedensgebot des Grundgesetzes nicht vereinbar sind. Jeder Soldat, der Deutschland verlässt, ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung.» Der AfD-Verteidigungspolitiker Jan Nolte sprach von einem eher symbolischen Schritt, «der nichts an der Abschreckungsfähigkeit der Nato in Europa ändert».
Trump kritisiert Nato im Iran-Krieg: «Das war ein Test»
Trump ist sauer auf Nato-Verbündete, weil sie ihm nicht bei der Sicherung der Strasse von Hormus im Iran-Krieg helfen. «Das war ein Test für die Nato.», sagt er. Er sei sehr enttäuscht – man werde sich daran erinnern und «niemals vergessen».