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«Starkes Erdbeben ist wahrscheinlicher als Vulkanausbruch»
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Geophysiker zu Santorini

«Starkes Erdbeben ist wahrscheinlicher als Vulkanausbruch»

00:35

Unaufhörliche Erdbeben: Auf Santorini wächst Angst vor Vulkan

Unaufhörliche Erdbeben: Auf Santorini wächst Angst vor Vulkan

Vulkanforscher Christian Hübscher beobachtet die Entwicklung auf Santorini genau. Neben Zahlen, Daten und Fakten ist für ihn vor allem die Angst der Inselbewohner ein Hinweis auf den Ernst der Lage.

Redaktion blue News
DPA

Redaktion blue News, DPA

06.02.2025, 06:31•06.02.2025, 06:47

Keine Zeit? blue News fasst für sich zusammen

  • Hunderte Erdbeben mit einer Stärke zwischen 3 und 4,7 auf der Richter-Skala haben in den vergangenen Tagen die griechische Insel Santorini erschüttert.
  • International beraten Wissenschaftler über die Ursachen und mögliche weitere Entwicklung der Erdbebenserie.
  • Die meisten Experten sind sich einig, dass die Frequenzen eher durch tektonische Aktivität gesteuert werden.
  • Insofern ist ein starkes Hauptbeben – wenn überhaupt – wahrscheinlicher als ein Vulkanausbruch.

International beraten Wissenschaftler über die Ursachen und mögliche weitere Entwicklung der Erdbebenserie auf der griechischen Insel Santorini. Geophysiker Christian Hübscher diskutiert mit – und kann bei seinem Job auch eine philosophische Seite erkennen: «Mit Vulkanen und Erdbeben ist es wie mit dem Leben: Man muss es vorwärts leben, kann es aber nur rückwärts verstehen», sagt er in Anlehnung an Søren Kierkegaard. Hübscher leitet den Bereich Marine Geophysik an der Universität Hamburg und erforscht seit fast 20 Jahren in enger Zusammenarbeit mit griechischen Kolleg*innen die Vulkane von Santorini.

Bewohner und Besucher fliehen wegen der Erdbebenserie auf Santorini in ihren Autos zum Hafen in Athinios. (3. Februar 2025)

Bewohner und Besucher fliehen wegen der Erdbebenserie auf Santorini in ihren Autos zum Hafen in Athinios. (3. Februar 2025)

Bild: Keystone/EPA/Christos Yantsis

Die unheimliche Erdbebenserie, von der die Inseln Santorini, Amorgos, Ios und Anafi derzeit erschüttert werden, verfolgt der Fachmann genau. «Sie ist sehr intensiv und bereitet zu Recht Sorge», sagt er. Dass die beiden Vulkane der Region – Santorini selbst und der rund sieben Kilometer nordöstlich gelegene Unterwasservulkan Kolumbo – dafür verantwortlich sind, glaubt er jedoch nicht. «Die meisten Experten sind sich einig, dass die Frequenzen eher durch tektonische Aktivität gesteuert werden.» Insofern sei ein starkes Hauptbeben – wenn überhaupt – wahrscheinlicher als ein Vulkanausbruch.

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Einer der Vulkane ist «leicht aktiv»

Griechische Wissenschaftler haben im Rahmen der Analyse der aktuellen Erdbebenserie am Mittwoch eine «leichte Aktivität» des Vulkans von Santorini festgestellt. Den Menschen in der Region bereitet das Sorge – könnten die Erdbeben einen Vulkanausbruch verursachen? «Es kann Rückkopplungsmechanismen zwischen den Erdbeben und den Vulkanen geben», bestätigt Hübscher. «Aber die Hypozentren der Beben liegen nicht dort, wo die Magmakammern sind, sondern unter der kleinen Insel Anydros rund 170 Kilometer weiter nordöstlich. Das ist erstmal ganz gut.»

Die Angst der Menschen kommt nicht von ungefähr. Als der Vulkan von Santorini zuletzt ausbrach, im Jahr 1950, war es zwar eine nur eine kleine Eruption. Beim bislang letzten Ausbruch des Kolumbo um das Jahr 1650 hingegen kamen 70 Menschen ums Leben, es gab einen Tsunami und eine ebenso gewaltige wie giftige Gaswolke.

Fünf Eruptionen bislang

«Den Kolumbo haben wir intensiv untersucht. Er ist in seiner geologischen Geschichte fünf Mal ausgebrochen, dazwischen lagen jeweils einige Zehntausend Jahre», sagt Hübscher. Da der letzte Ausbruch noch keine 400 Jahre zurückliege, sei das Risiko also statistisch eher gering.

Dafür könnte es zu einem schweren Erdbeben kommen – wissen kann das aber niemand. «Es gibt immer mal wieder extreme Prognosen von einzelnen Experten, aber das ist Kaffeesatzleserei», sagt Hübscher. Sorge bereitet ihm allerdings, dass die Santoriner ihre Insel verlassen – gut zwei Drittel der rund 16'000 Einwohner sind wegen der Beben aufs Festland geflohen. «Die Einheimischen sind erdbebenerprobt und haben ein gutes Gespür für ihre Insel. Wenn sie die verlassen, dann deshalb, weil die Situation extrem ist.»

  • Menschen steigen im Hafen von Piräus von einer Fähre, mit der sie Santorini verlassen haben.
  • Menschen steigen im Hafen von Piräus von einer Fähre, mit der sie die Insel Santorini verlassen haben.
  • Blick auf das Häusermeer der griechischen Insel Santorini.

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Menschen steigen im Hafen von Piräus von einer Fähre, mit der sie Santorini verlassen haben.

Bild: dpa

Expedition ins Gebiet des Erdbebenschwarms

Hübscher selbst hält es mit Kierkegaard: Im Rahmen einer Expedition will er bereits im März erneut in der Region forschen und dabei zumindest rückblickend Erkenntnisse über die aktuelle Erdbebenserie gewinnen. An Bord des Forschungsschiffs Maria S. Merian wird ein interdisziplinäres Team nach bislang unbekannten Unterwasservulkanen suchen – und überprüfen, ob der jetzige Erdbebenschwarm den Meeresboden durch Hangrutsche und Verwerfungen oder den Austritt von Flüssigkeit und Gas verändert hat.

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