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Gustave Eiffel konnte viel mehr als Türme bauen
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Spuren auch in der Schweiz

Gustave Eiffel konnte viel mehr als Türme bauen

Heute vor 100 Jahren ist Gustave Eiffel gestorben. Der Ingenieur und Architekt hat auf der ganzen Welt Stahlbauten realisiert, war damit aber nicht nur erfolgreich. Auch in der Schweiz hat er Spuren hinterlassen.

Redaktion blue News

Redaktion blue News

21.12.2023, 18:40

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Heute vor 100 Jahren ist Gustave Eiffel gestorben.
  • Sein berühmtestes Bauwerk ist der nach ihm benannte Turm in Frankreich.
  • Er realisierte aber auch in Amerika, Afrika und Asien Bauten in der von ihm geprägten Stahl-Konstruktion.
  • In der Schweiz ist er jedoch für eines der grössten Unglücke des Landes mitverantwortlich.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Sein Name wird dank des Wahrzeichens von Paris noch sehr lange allen geläufig sein. Dabei hiess Gustave Eiffel eigentlich Bonickhausen genannt Eiffel. So steht es gemäss Wikipedia im Geburtsregister von Dijon, wo er 1832 zur Welt kam. 

Doch weil der noch deutscher klingende Teil seines Namens nach dem Deutsch-Französischen Krieg zum Nachteil wurde für den Franzosen, legte ihr ihn ab und hiess fortan nur noch Eiffel.

Der Eiffelturm ist sein bekanntestes Bauwerk, jedoch bei weitem nicht das Einzige. Hunderte Bauten, von der Brücke bis zum Bahnhof hat der zu seiner Zeit revolutionäre Ingenieur geschaffen und das verteilt über die ganze Welt. Auch als Wissenschaftler und experimenteller Physiker hinterliess er der Nachwelt Errungenschaften, die ihr bis heute Nutzen bringen.

Die Karriere des Ingenieur-Architekten-Forschers war zudem reich an Hochs und Tiefs – nicht untypisch für die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, als sich die Industriestaaten in rasendem Tempo entwickelten und der Fortschritt den einen oder anderen Kollateralschaden hinterliess.   

Ohne Eiffel keine Freiheitsstatue

Eiffels Karriere hätte auch ganz anders verlaufen können, hätte er nicht die mündliche Prüfung am Polytechnikum vergeigt und sich als ausgebildeter Chemiker wegen Streitigkeiten mit seiner Familie der Konstruktion von Bauwerken aus Metall zugewendet.

Er experimentierte in seiner Werkstatt in Levallois-Perret in der Nähe von Paris mit Metallkonstruktionen mit Nieten und der Montage von Auskragungen und setzt seine Entwürfe, die zugleich technisch innovativ und ästhetisch reizvoll waren, schliesslich in die Tat um.

Auch bei der weltberühmten Freiheitsstatue in New York hatte Eiffel die Hände mit im Spiel: Er entwarf das innere Stützgerüst der riesigen Statue, durch die der Entwurf von seinem Landsmann Frédéric-Auguste Bartholdi technisch umsetzbar wurde.

Ein Postamt in Saigon, Leuchttürme in Madagaskar

In Budapest, baute Eiffel den West-Bahnhof. Es war der Erste, dessen Fassade in einer sichtbaren Metallkonstruktion bestand. Mit diesem Bauwerk begründete Eiffel seinen Ruf als innovativer Konstrukteur. Das Stahlgerüst wurde gebaut, während der Bahnverkehr im alten Bahnhofsgebäude darunter weiterlief. Nach der Fertigstellung des neuen Bahnhofs wurde der alte abgetragen.

Auch in allen anderen Erdteilen war er an Bauwerken beteiligt, etwa beim Tragwerk der Post in Saigon, bei einer Kathedrale in Peru oder Leuchttürmen im afrikanischen Inselstaat Madagaskar. Bekannter sind seine Brücke über den Douro in Porto oder der Garabit-Viadukt in Südfrankreich.

Sein Meisterwerk ist und bleibt aber der Eiffelturm. Die schlanke Konstruktion aus 18'038 Metallteilen wurde von 1887 bis 1889 in der Rekordzeit von zwei Jahren, zwei Monaten und fünf Tagen errichtet - und sollte ursprünglich nach der Weltausstellung in Paris wieder abgebaut werden. Der Eiffelturm war damals mit mehr als 300 Metern Höhe das höchste Bauwerk der Welt und hielt diesen Rekord vier Jahrzehnte lang.

Das schwerste Eisenbahn-Unglück der Schweiz

In der Schweiz hinterliess Eiffel ebenfalls einige Spuren. In Vevey kaufte er sich eine Villa, in der regelmässig mit seiner Familie Zeit verbrachte. Zu seinen Hinterlassenschaften gehört auch ein Gerücht: Nämlich dass Eiffel den Berner Mattelift konstruiert habe, den Aufzug, der Menschen vom Mattequartier auf die Bundesterasse befördert. Das stimmt nicht, wie diverse Medien überprüft haben.

Eiffels Name ist jedoch auch mit einer Tragödie verbunden: dem bis heute schwersten Eisenbahn-Unglück der Schweizer Geschichte. Die von ihm konstruierte Brücke in Münchenstein über die Birs brach unter der Last eines voll besetzten Zugs ein. 

Wegen des grossen Andrangs hatte die Jura-Simplon-Bahn im Frühsommer 1891 den Zug um mehrere Wagen verlängert und eine zusätzliche Lokomotive vorgespannt. Diesem Gewicht war die 1875 erbaute Brücke nicht gewachsen. 73 Menschen starben.

Eine vom Bundesrat in Auftrag gegebene Untersuchung der ETH bezeichnet die Konstruktion in Teilen als zu schwach. Klagen von Betroffenen gegen die Verantwortlichen sind letztlich aber erfolglos. Gegen Eiffels Unternehmen wird nicht geklagt. Eiffel selber hat in jenen Jahren noch andere Sorgen, wie weiter unten zu lesen sein wird.

Vordenker des Eurotunnels

Nach dem Bau des Eiffelturm stürzte sich der Konstrukteur 1890 in das nächste Riesen-Projekt: Eiffel wollte eine Passage unter dem Ärmelkanal errichten. Er hatte ein Patent für eine Unter-Wasser-Röhrenbrücke aus Metallwänden mit Beton-Auskleidung, die auf Stützpfeilern im Meeresgrund ruht. Damit war Eiffel seiner Zeit offenbar zu weit voraus: Das Bauvorhaben scheiterte sowohl aus technischen als auch politischen Gründen.

Eiffel kann damit aber zu Recht als Vordenker für den Eurotunnel gelten, der 104 Jahre später unter dem Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien gebohrt wurde.

Skandal am Panama-Kanal

1887 nahm Eiffel seinen folgenschwersten Auftrag an: Er sollte die riesigen Schleusen für den neuen Panama-Kanal bauen. Dieses schlecht gemanagte Grossprojekt endete jedoch mit dem grössten Finanzskandal jener Zeit. Neben dem Oberaufseher des Bauvorhabens wurde auch Eiffel wegen Betrugs verurteilt. Zutiefst in seiner Ehre verletzt zog sich Eiffel daraufhin aus dem Baugeschäft zurück.

Später sprach ihn das Oberste Berufungsgericht von allen Vorwürfen frei. Da hatte sich Eiffel allerdings bereits in die wissenschaftliche und experimentelle Forschung zurückgezogen, insbesondere in den Fachbereichen Meteorologie und Aerodynamik. Er richtete sich an der Spitze des Eiffelturms ein meteorologisches Observatorium ein und einen drahtlosen Telegrafen.

Auch einen Windkanal baute Eiffel. Dieser ist bis heute in Betrieb und wurde überall in der Welt nachgebaut, um Tests für verschiedenste Anwendungsgebiete wie Aeronautik, Automobil- und Schiffsbau und den Bau von Wärmekraftwerken oder Brücken vorzunehmen.

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