Gleiche Handschrift wie auf früherem Zettel Experten erklärten geheime Notizen vor Epstein-Tod für echt

dpa

9.5.2026 - 19:29

Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein soll die Notizen kurz vor seinem Tod verfasst haben.
Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein soll die Notizen kurz vor seinem Tod verfasst haben.
Bild: United States District Judge Southern District of New York

Ein Richter gab den von einem Zellengenossen entdeckten Zettel nach einem Antrag der «New York Times» zur Veröffentlichung frei. Wer die Texte tatsächlich schrieb, ist nicht abschliessend geklärt, die Experten halten jedoch einen gemeinsamen Verfasser für sehr wahrscheinlich.

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DPA, Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein US-Gericht hat angebliche Notize des 2019 verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht.
  • Epsteins Zellengenosse erzählte der «New York Times», er habe das Schreiben zwischen den Seiten eines Comicbuches gefunden.
  • Drei Handschriftenexperten ordenen die Schrift eindeutig dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu.

Der amerikanische Sexualstraftäter Jeffrey Epstein soll wenige Wochen vor seinem Tod einen Abschiedsbrief verfasst haben. Ein damaliger Zellengenosse will einen solchen Zettel entdeckt haben, den ein Richter am Mittwoch zur Veröffentlichung freigegeben hatte. Die Nachrichtenagentur AP beauftragte Forensikexperten, die zu dem Schluss kamen, dass der Zettel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von derselben Person verfasst wurde wie eine Notiz, die die Behörden nach Epsteins Tod in dessen Zelle fanden.

Drei Handschriftexperten erklärten, gemeinsame Merkmale wie identische Wortabstände, Buchstabenformen, die Verwendung von Grossbuchstaben sowie eine eigentümliche Zeichensetzung belegten, dass beide Aufzeichnungen höchstwahrscheinlich vom selben Verfasser stammten. Ein Richter hatte die Freigabe der älteren Notiz am Mittwoch angeordnet, nachdem die «New York Times» zuvor beantragt hatte, den mutmasslichen Abschiedsbrief und weitere Dokumente in einem Verfahren im Zusammenhang mit Epsteins Zellengenossen Nicholas Tartaglione einzusehen.

In der ersten Notiz, die diese Woche öffentlich gemacht wurde, schreibt der Verfasser: «Sie haben mich monatelang durchleuchtet – und nichts gefunden!!!». Zudem spricht er davon, den «Zeitpunkt für den Abschied» selbst wählen zu können. Die andere Notiz, die bereits seit Jahren öffentlich bekannt ist, enthält eine Liste von Beschwerden über die Zustände im Gefängnis – darunter die Duschen, das Essen und «riesige Insekten». Die Texte enthalten Formulierungen, die Epstein bereits in der Vergangenheit verwendet hatte.

«NO FUN» und Ausrufezeichen

Beide Aufzeichnungen, die mit Kugelschreiber auf Notizblockpapier verfasst wurden, enthalten die unterstrichene Phrase «NO FUN» und enden jeweils mit zwei Ausrufezeichen, wobei das erste der beiden Zeichen stets leicht nach innen gewölbt ist und eine ähnliche Krümmung aufweist. Die ersten Worte jeder Notiz sind grösser geschrieben als der übrige Text, und jede nachfolgende Zeile weicht zunehmend vom linken Rand ab.

«Das sind genau jene Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass wir es mit demselben Verfasser zu tun haben», sagte Thomas Vastrick, der Präsident der American Society of Questioned Document Examiners.

«Sie wurden von derselben Person verfasst», erklärte Bart Baggett, der das forensische Analyseunternehmen Handwriting Experts Inc. gründete und bereits mehr als 130-mal als Sachverständiger vor Gericht ausgesagt hat. Grace Warmbier, die ein Jahrzehnt lang bei der New Yorker Polizei Dokumentenprüfungen und Handschriftenanalysen durchführte, stimmte zu. «Beide Dokumente stammen von demselben Verfasser», sagte sie.

Kaum Beispiele für Epsteins Schrift

Keiner der Experten konnte mit Gewissheit sagen, dass Epstein die Notizen verfasste – zum Teil, weil sich unter den Millionen Seiten an Akten, die das US-Justizministerium kürzlich über den verstorbenen Finanzier veröffentlichte, kaum gesicherte Beispiele seiner Handschrift finden.

Neben den beiden Notizen aus dem Gefängnis untersuchten Warmbier und Vastrick auch Schriftproben von Epsteins Zellengenossen Tartaglione. Warmbier schloss Tartaglione als Verfasser aus, da er signifikante Unterschiede zwischen dessen Handschrift und der Handschrift in den Notizen feststellte.

Vastrick sagte, Tartagliones Schriftproben wiesen eine grosse Bandbreite an Variationen auf. Es gebe zumindest einige Ähnlichkeiten, die einer weiteren Untersuchung bedürften.

«Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich ihn sicherlich nicht als möglichen Verfasser ausschliessen», sagte Vastrick. «Gleichzeitig möchte ich jedoch nicht andeuten, dass er der Verfasser ist.»

Podcast führte auf die Spur des Zettels

Jahrelang wussten nur wenige Menschen von der Notiz, die Tartaglione nach eigenen Angaben gefunden hatte. Im vergangenen Sommer erwähnte er sie in einem Podcast, was das Interesse von Reportern der «New York Times» weckte, die Gericht die Freigabe erreichten.

Tartaglione ist ein ehemaliger Polizist und verbüsst wegen der Tötung von vier Menschen eine lebenslange Haftstrafe. Er sagte aus, er habe die Notiz in einem Buch in seiner Zelle entdeckt, nachdem Epstein am 23. Juli 2019 auf dem Boden liegend mit einem Stück Bettlaken um den Hals gefunden worden war. Epstein wurde daraufhin unter Beobachtung gestellt und in eine andere Zelle verlegt. Er hatte keinen Zellengenossen, als er am 10. August 2019 tot aufgefunden wurde.

Einer Chronologie in den Akten des Justizministeriums zufolge informierte Tartaglione seinen Anwalt vier Tage nach dem mutmasslichen Vorfall vom 23. Juli über die Notiz. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Gefängnisleitung oder Epsteins Vertreter verständigt wurden.

Filmzitat von 1931

Neben der Handschriftenanalyse könnten auch Formulierungen in den Notizen Hinweise auf deren Urheberschaft liefern. Die Notiz, die Tartaglione nach eigenen Angaben fand, enthält die Zeile: «Was soll ich denn machen – in Tränen ausbrechen!!» («Watcha want me to do – Bust out cryin!!»). Epstein hatte diese Zeile aus dem Film «Die kleinen Strolche» von 1931 in drei E-Mails zitiert, die sich in den Akten des Justizministeriums befanden. Eine dieser E-Mails hatte er vier Monate vor seinem Haftantritt an seinen Bruder geschickt.

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