15.08.2015 - 00:00, SDA/AWP Multimedia

Matthias Aebischer, SP

 

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Vom Bildschirm direkt ins Bundeshaus: Dieser Sprung gelang Matthias Aebischer bei den Wahlen vor vier Jahren. «Die Vereidigung hat mich sehr berührt», sagt der Ex-TV-Mann, der mit seiner Frau Patricia und vier Töchtern in Bern wohnt.

In drei Worten

Bluewin: Wofür stehen Sie?

Matthias Aebischer: Gerechtigkeit und Freiheit, aber das sagen andere wohl auch.

Was zeichnet Ihre Schweiz aus?

Multikulturalität, Toleranz, Fleiss … und noch einiges mehr. Aber das sind die wichtigsten drei Punkte.

Volksnähe

Welches Thema brennt der Bevölkerung unter den Nägeln?

Ich glaube, dass viele Themen mit Verunsicherung zu tun haben. Verunsicherung im Bereich Job, Altersvorsorge oder auch Heimatverlust. Es ist an uns Politikern die richtigen Massnahmen zu treffen, damit all diese Bereiche stabil bleiben. Es gibt Politiker, die diese Verunsicherungen und Ängste schüren. Das lehne ich ab.

Dafür setze ich mich ein ...

Welches ist die grösste Herausforderung für die Schweiz; und wie sieht Ihre Lösung aus?

Die grösste Herausforderung für die Schweiz ist die Öffnung gegenüber Neuem, ohne die eigene Identität zu verlieren. Diesen Kampf, auch mit uns selbst, führen wir seit Jahrhunderten. Bis jetzt, so finde ich, mit Erfolg.

 

Zauberformel

Wie ist der Bundesrat nach den Wahlen parteipolitisch zusammengesetzt?

Das entscheidet sich nach den Wahlen.  

Die Schweiz und die EU

Verhältnis Schweiz und EU: Bilaterale, Beitritt oder Alleingang? Wofür setzen Sie sich ein?

Der Alleingang wäre aus wirtschaftlicher aber auch sozialpolitischer Sicht fatal. Die bilateralen Verträge markieren den goldenen Mittelweg. Sie sind jedoch in Gefahr. Es gilt alles daran zu setzen, diese zu erhalten. Ein sofortiger EU-Beitritt ist zurzeit kein Thema.

Wirtschaft

Was braucht es für eine starke nachhaltige Schweizer Wirtschaft?

Wer nachhaltig wirtschaften will, braucht Planungssicherheit. Die Regeln dürfen nicht ständig ändern. Das Ziel, einen möglichst hohen Beschäftigungsgrad zu erreichen, gehört ebenso dazu, wie eine verlässliche Preis- und Währungspolitik.

Energiewende

Aus welchen Quellen soll die Schweiz Ihren Strom in 20 Jahren beziehen?

Zwei Drittel Wasserkraft, ein Drittel Solarenergie. Ich bin überzeugt, dass wir mit den richtigen Massnahmen unseren Stromverbrauch reduzieren können. Denn ohne diese Reduktion, schaffen wir es nicht. 

Gesundheitswesen

Was ist nötig, um die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu stoppen?

Die Konkurrenz unter den Krankenkassen verursacht unnötige Kosten. Eine Einheitskasse würde die Kosten drastisch senken. Leider hat das Stimmvolk zu dieser Idee «Nein» gesagt. Ich bin seit jeher ein Befürworter von Managed-care-Modellen. Mit diesen werden auf freiwilliger Basis die freie Arztwahl oder auch die Abläufe einer Arztkonsultation eingeschränkt. Ich persönlich wäre auch bereit zu einer moderaten Erhöhung.

Altersvorsorge

Unterstützen Sie die Rentenreform 2020?

Die Rentenreform 2020 unterstütze ich voll und ganz, weil sie klar zum Ziel hat, das Niveau der Renten zu erhalten. Alle müssen Federn lassen. Aber es ist höchste Zeit, dass wir nun vorwärts machen. 

Verkehr/Mobilität

Was ist nötig, damit der Verkehr auf Schiene und Strasse flüssig rollt?

Wir werden wohl über kurz oder lang nicht darum herum kommen, den Verkehr mit Massnahmen wie Road-Pricing oder zeitabhängigen Tarifen beim öffentlichen Verkehr zu kanalisieren. Hier liegt noch viel Optimierungspotenzial.

Zur Person

Ihr grösster Erfolg?

Der grösste Erfolg allgemeiner Art war das «Nein» zu den Gripen-Kampfjets. An einem Sonntag haben wir 3,1 Milliarden Franken eingespart. Auf persönlicher Ebene war es ein Vorstoss zur Überprüfung aller 45‘000 Fussgängerstreifen in der Schweiz. Rund die Hälfte genügt den Sicherheitsvorschriften nicht.

Ihr grösster Frust?

Das war klar die Niederlage bei der Pauschalbesteuerungs-Abstimmung. Die Leute akzeptieren Ungerechtigkeiten, um unserem Land Vorteile zu verschaffen. Ich habe Mühe, das zu verdauen.

Ihr schönster Moment?

Die Vereidigung im Nationalrat hat mich sehr berührt.

Wen möchten Sie mal persönlich treffen?

Als Journalist durfte ich sehr viele bekannte und spannende Leute treffen. Das reicht mir vollends.

Ihr liebster Film?

«Lost in Translation» von Sofia Coppola.

Ihre schönste Reise?

Eine längere Reise nach Mittel und Südamerika. Eine Saison lang war ich Bademeister in Puerto Rico.

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