Überlebende von Zug-Unglück berichten«Irgendwann merkt man, dass man nichts mehr tun kann»
Sven Ziegler
19.1.2026
Viele Tote bei Zugunglück in Spanien
Bei einem Zugunglück in Spanien sind über 30 Menschen gestorben. Videos zeigen das Ausmass der Tragödie.
19.01.2026
Nach dem schweren Zugunglück im südspanischen Adamuz kämpfen Überlebende und Angehörige mit Schock, Angst und Ungewissheit. Augenzeugen berichten von Dunkelheit, Schreien und dem verzweifelten Versuch, Eingeklemmte zu befreien.
Als der Zug abrupt abbremst, denkt Santiago zunächst an eine technische Störung. Sekunden später wird der Wagen hin- und hergerissen. «Es fühlte sich an wie ein Erdbeben», sagt der 44-Jährige aus Huelva gegenüber der Zeitung «El Mundo».
Als er aussteigt, sieht er einen leblosen Körper. «Der vordere Wagen war nur noch ein Haufen Metall. Die Leute schrien um Hilfe, aber wir kamen kaum durch.»
Auch Bianca Birleanu, 23, erinnert sich an völlige Dunkelheit. Gepäck sei von den Ablagen gefallen, Teile der Decke hätten sich gelöst. «Jemand hat eine Tür aufgebrochen. Erst draussen haben wir verstanden, wie schlimm es wirklich war.»
Auch Ramon Monton sucht seit Stunden seine Frau, die im verunglückten Zug sass, berichtet «El Mundo» weiter. «Ich bin drei Stunden gefahren. Ich habe sie kurz vor dem Unfall noch angerufen», sagt er mit zittriger Stimme. Von den Helfern wird er schliesslich weitergeschickt – seine Frau befindet sich nicht unter den dort Versorgten.
Freiwillige aus dem Dorf helfen bei der Suche nach Vermissten. «Immer wieder kommen Menschen mit Namen und Fotos», sagt eine Helferin. «Wir versuchen zu beruhigen, aber viele sind völlig aufgelöst.»
«Wir haben versucht, Menschen herauszuziehen»
Mehrere Augenzeugen berichten gegenüber «El Pais», dass sie Verletzte selbst aus den Waggons befreiten, noch bevor professionelle Hilfe eintraf. «Man hat nicht überlegt, man hat einfach gezogen», sagt ein junger Mann, der ebenfalls im Zug sass. «Aber irgendwann merkt man, dass man nichts mehr tun kann.»
Rettungskräfte nach dem Zugunglück vor Ort.
EPA
Andere schildern, dass sie bis zu 40 Minuten im Wagen ausharren mussten. «Es war still, dann wieder Schreie», sagt eine Passagierin. «Ich habe meinen Sohn gesucht. Erst als ich ihn gehört habe, konnte ich wieder atmen.»
Sanitäter und Einsatzkräfte, darunter die Guardia Civil, versorgen Verletzte zunächst vor Ort. Viele werden in Turnhallen und provisorischen Sammelstellen betreut, bevor sie in Spitäler gebracht werden. Für Angehörige beginnt in dieser Zeit ein quälendes Warten.
«Zweites Leben geschenkt»
Ein junges Paar sagt später: «Wir werden erst morgen begreifen, was passiert ist. Heute fühlen wir uns einfach nur leer.» Beide sind unverletzt, sprechen aber von Schuldgefühlen. «Andere hatten weniger Glück.»
Viele Betroffene sagen, sie hätten «ein zweites Leben geschenkt bekommen». Gleichzeitig berichten sie von Bildern, die sie nicht loslassen. «Ich habe Dinge gesehen, die man nicht vergessen kann», sagt ein Überlebender.