Unheimliches Zeugnis 1 Jahr Trump in 5 Punkten

Philipp Dahm

20.1.2026

Trump zu seiner dritten Amtszeit

Trump zu seiner dritten Amtszeit

Donald Trump denkt laut über eine dritte Amtszeit nach – und das mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit. Verfassungsrechtler schlagen Alarm, politische Gegner sprechen von einem autoritären Angriff auf die US-Demokratie. Selbst im konservativen Lager he

01.04.2025

Eine Sache kann man Donald Trump nicht absprechen: Er verändert Dinge. Wer auf sein aktuelles erstes Amtsjahr zurückschaut, bemerkt grosse Unterschiede zu seiner ersten Amtszeit zwischen 2017 und 2021: Der New Yorker macht keine Kompromisse mehr.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Rückblick auf Donald Trumps erstes Amtsjahr: 4 Punkte fallen auf – und ein Blick geht in die Zukunft.
  • Gezielter Umbau des Staates: Trump setzt auf Gehorsam, nutzt die Institutionen für sich und macht keine Kompromisse mehr.
  • Wirtschaft als Waffe: Wie Trump DOGE und den Zoll-Hammer für seine Zwecke einsetzt – aber ein Problem nicht in den Griff kriegt.
  • Die Welt nach Donroe: JD Vances Rede in München, das Selenskyj-Treffen im Weissen Haus und die Neue Sicherheitsstrategie 2025 zeigen: Westliche Hemisphäre? There's a new sheriff in town.
  • Ausweitung der Kampfzone: Wie Trump Macht kumuliert, Grenzen aufbricht, Medien schikaniert und wild begnadigt, während seine Familie Milliarden macht und der Personenkult um ihn ausartet.
  • Wie weiter? Hat Amerika eine Wahl? So könnte Trump im Herbst die Zwischenwahlen vereiteln.

Donald Trump ist am 20. Januar 2025 als 47. US-Präsident vereidigt worden. In einem Jahr ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Ein Blick zurück auf ein rasantes Jahr in 4 Punkten – und ein Ausblick in die Zukunft.

Schneller, gezielter Umbau des Staates

In seiner ersten Amtszeit hat Donald Trump in Punkto Politik und Personal noch gewisse Kompromisse gemacht.

Man nehme nur seinen Vizepräsidenten: Mike Pence ist ein Zugeständnis an die konservativen Christen unter den Republikanern. Aus Trumps Sicht ein Fehler: Pence bestätigt gegen den Willen seines Chefs die Wahl von Joe Biden. «Du wirst als Schwächling in die Geschichte eingehen», soll Trump seinem Vize laut britischem «Guardian» damals gesagt haben.

In seiner zweiten Arbeitszeit muss der 79-Jährige auf seine Partei keine Rücksicht mehr nehmen: Sie hat keine Flügel mehr, die seine Regierung stutzen. Seine Minister sucht er offensichtlich nicht einzig nach Eignung aus, sondern vielmehr nach Gehorsam. Alles auf Linie – das zeigt sich am deutlichsten beim Justizministerium, das Trumps Privat-Fehden ausfechtet.

Zwischen diesen Diplomaten , die sich am 2. Dezember 2025 in Moskau treffen, liegen Welten: Links steht Juri Uschakow. Der Russe ist seit 14 Jahren aussenpolitischer Berater, war Botschafter in den USA, arbeitet seit 40 Jahren für das Aussenministerium und hält den höchsten zivilen Dienstgrad Wirklicher Staatsrat 1. Klasse. Für die USA verhandeln Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (Mitte) und der Sondergesandte Steve Witkoff, ein Immobilien-Magnat (rechts).
Zwischen diesen Diplomaten , die sich am 2. Dezember 2025 in Moskau treffen, liegen Welten: Links steht Juri Uschakow. Der Russe ist seit 14 Jahren aussenpolitischer Berater, war Botschafter in den USA, arbeitet seit 40 Jahren für das Aussenministerium und hält den höchsten zivilen Dienstgrad Wirklicher Staatsrat 1. Klasse. Für die USA verhandeln Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (Mitte) und der Sondergesandte Steve Witkoff, ein Immobilien-Magnat (rechts).
KEYSTONE

Die Administration setzt Trumps Umbau auf den unteren Ebenen fort – etwa wenn «Kriegsminister» Pete Hegseth im September die versammelte Admiralität und die Generäle darauf einschwört, in den Streitkräften sei es nun vorbei mit «woke». Oder in Form von Stephen Miller, der als Hardliner und einflussreicher Berater den nationalistischen Kulturkampf vorantreibt.

Stephen Miller is upset about Star Trek, one of the most socially progressive franchises in TV history

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— Drew Harwell (@drewharwell.com) 16. Januar 2026 um 05:10

Dass auch in der Verwaltung Trumps Leute zum Zuge kommen, garantiert Russell Vought, der schon beim Project 2025 mitgewirkt hat – und diesen ultrakonservativen Regierungsfahrplan im Office of Management and Budget nun in die Tat umsetzt. Das Büro koordiniert die Bundesbehörden – und achtet neu auch bei unpolitischen Posten wie etwa beim Wetterdienst auf das entsprechende Mindset.

Wirtschaft als Waffe

Mit grossem Getöse elektrisiert Tesla-Boss Elon Musk nach Trumps Amtsantritt das politische Washington – und rasiert zunächst diejenigen Behörden-Teile, die seinem Boss ohnehin ein Dorn im Auge sind. Betrug und Verschwendung will die Abteilung für Regierungseffizienz alias DOGE bekämpfen, doch sie scheitert spektakulär.

Elon Musk dreht auf Bühne durch

Elon Musk dreht auf Bühne durch

Tech-Milliardär Elon Musk ist mit einer Kettensäge auf der Bühne aufgetreten. Danach tanzt er mit ebendieser und schreit in den Saal.

21.02.2025

Als das Amt im November aufgelöst wird, türmt sich der Schuldenberg so hoch wie nie. Die USA stehen mit 38,6 Billionen Dollar in der Kreide, was gut 124 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Noch beschleunigt wird der Vorgang durch Trumps sogenannte Big Beautiful Bill.

Statistik: USA: Staatsverschuldung von 2001 bis 2024 und Prognosen bis 2030 (in Milliarden US-Dollar) | Statista
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Es setzt auf wirtschaftlichen Aufschwung und steigende Zahlen, bei denen fraglich ist, ob sie eintreffen. Die ökonomischen Massnahmen haben im Portemonnaie der Konsumierenden jedenfalls keinen Effekt, wie die anhaltende Diskussion um bezahlbare Preise zeigt. It's the economy, stupid: Das Thema ist eine der Achillesfersen des Präsidenten.

Trump takes umbrage at his own teleprompter: "In the coming weeks I will be laying out even more plans to help bring back affordability -- and again, remember that's a fake word by Democrats."

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 13. Januar 2026 um 20:40

Die grössten Erschütterungen hat in der Wirtschaft natürlich Trumps Zoll-Hammer besorgt. Billionen will der Präsident damit in die Staatskasse gespült haben, was einen zwischenzeitlichen Shutdown der Regierung nicht verhindern kann. Wo dieses Geld ist, weiss niemand, während jeder sieht, dass Trump seine Zölle als ein aussenpolitisches Druckmittel versteht.

Und wenige Stunden nach dem Verfassen dieser Zeilen erlässt Donald Trump Strafzölle für jene europäischen Länder, die sich auf die Seite Dänemarks und Grönlands stellen.

Die Welt nach Donroe

Dass auch mit Blick auf die internationalen Beziehungen ein neuer Wind weht, macht der Sturm deutlich, den Vizepräsident JD Vance am 14. Februar mit einer Rede entfacht. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz erzählt er den verdutzten Europäern, dass nicht Russland oder China, sondern die Unterdrückung der Populisten ihr grösstes Problem sei.

Vance ist es auch, der genau zwei Wochen später im Weissen Haus mit dafür sorgt, dass der Besuch des ukrainischen Präsidenten medienwirksam eskaliert: Gemeinsam mit Trump macht er Wolodymyr Selenskyj vor laufenden Kameras zur Schnecke, um ein Zeichen zu setzen. Seht her: There's a new sheriff in town. 

«This is going to be great television.»

Trump am Ende der legendären Pressekonferenz mit Selenskyj

Die Aussenpolitik macht nach Trumps Amtsantritt scheinbar keinen Sinn: Er droht Nato-Verbündeten wie Kanada oder Grönland mit Dänemark mit Annexion, kokettiert mit einer Übernahme des Panamakanals und verlangt von Brasilien, den verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro freizulassen.

Anfang Dezember jedoch präsentiert das Weisse Haus der Welt schwarz auf weiss, wie der Hase jetzt läuft: Die Nationale Sicherheitsstrategie 2025 zementiert das, was Vance schon im Januar angetönt hat. Sie teilt die Welt in drei Einflusssphären ein. Die westliche Hemisphäre ist amerikanisch – und da funkt Washington gefälligst niemand rein.

Rep. Randy Fine on his bill to make Greenland the 51st state: "We need to make sure we assert our dominance over the Western Hemisphere ... the last thing we need is Greenland to become another Venezuela where we have huge problems we have to deal with in the future."

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 13. Januar 2026 um 13:56

Von der Monroe-Doktrin zur Donroe-Doktrin: Kaum hat Trump nach dem Jahreswechsel seinen Coup in Venezuela gelandet, droht er Mexiko, Kuba und Kolumbien mit Konsequenzen. Diese Politik sorgt weltweit für Unsicherheit, fördert Aufrüstung, schadet der nuklearen Nichtverbreitung und ermutigt andere, das Völkerrecht ebenfalls links liegen zu lassen.

Ausweitung der Kampfzone

Was auffällt: Donald Trump kulminiert Macht in seinem Amt. Zölle und Budget? Der Präsident macht hier die Ansage – das Repräsentantenhaus nickt unter Führung von Sprecher Mike Johnson ab, was die Exekutive der Legislative vorgibt. Und die Judikative? Noch gibt es Richterinnen und Richter, die widersprechen. Stephen Miller gefällt das nicht.

Trump pfeift auf politische Grenzen und Normen, zeigt sich in seinem Angriff auf den Chef der US-Notenbank oder seinen Eingriff in die Medien: Das Weisse Haus nutzt die Medienaufsicht FCC, um Druck auf die Sender auszuüben, ihre Berichterstattung über die Regierung zu ändern.

Und dann die vielen Begnadigungen, die der 79-Jährige ausspricht – von Menschen, die beim Sturm aufs Kapitol Polizisten angegriffen haben, über Honduras' Ex-Präsident, der 400 Tonnen Kokain in die USA geschmuggelt hat bis zu reichen Pflegedienst-Betrügern. Gleichzeitig verdienen er und seine Familie Milliarden mit Merchandise und Krypto-Investments.

Die Einwanderungsbehörde ICE nutzt er wie ein persönliches Paramilitär. Gibt es überhaupt eine Einschränkung von Trumps Macht? «Sie ist durch meine Moral begrenzt», meint er selbst, «und ich habe eine sehr hohe Moral, also ist sie begrenzt.» Der CBS-Reporter hakt nach: Und was ist mit der Verfassung oder Gerichten? «Nun, [das] versteht sich von selbst.»

DOKOUPIL: Is there anything here in the US that limits your power other than your own morality? TRUMP: It's limited by my morality and I have a very high grade of morality, so therefore it's limited DOKOUPIL: Not the Constitution or courts? TRUMP: Well, that goes without saying

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 14. Januar 2026 um 00:48

Dazu passt: der Personenkult. Trump will sich ins nationale Gedächtnis einbrennen. Seine Leute fordern sein Bild auf Mount Rushmore, Münzen und Banknoten. Er plant einen enormen Ballsaal am Weissen Haus, einen Triumphbogen und eine riesige präsidiale Bibliothek. Der jüngste Vorstoss: Trumps Geburtstag soll zum nationalen Feiertag werden.

Wie weiter? Hat Amerika eine Wahl?

Trumps zweites Amtsjahr verspricht, spannend zu werden. Das Jahr 2026 startet ja schon mit Pauken und Trompeten: Epstein-Skandal, Venezuela-Einsatz, erneute Grönland-Gelüste und die ICE-Operation in Minnesota und anderen Bundesstaaten halten das Land in Atem.

Ein undatiertes Bild von Donald Trump und Jeffrey Epstein: Der Skandal ist trotz Trumps aussenpolitischem Feuerwerk noch lange nicht ausgestanden.
Ein undatiertes Bild von Donald Trump und Jeffrey Epstein: Der Skandal ist trotz Trumps aussenpolitischem Feuerwerk noch lange nicht ausgestanden.
Archivbild: House Oversight Committee

Trumps Problem: Seine Umfragewerte rauschen in den Keller, während die Demokraten bei den bisherigen Nachwahlen überall besser abschneiden als noch beim Urnengang im November 2024. Wenn sich das nicht ändert, verlieren die Republikaner bei den Zwischenwahlen nicht nur das Repräsentantenhaus, sondern womöglich auch den Senat.

Der Präsident setzt nun offenbar auf Konfrontation. Zum einen sprachlich, wenn er seine Gegner verteufelt. Er schreibt über sanctuary cities, also Einwanderer-freundliche Städte: «Alles, was sie tun, ist Kriminalität und Gewalt auszubrüten.» Und klagt: «Die Fake News wollen einfach nicht die Wahrheit berichten.» Und er droht.

Wenn die «korrupten Politiker» in Minnesota nicht dafür sorgten, dass die ICE-Agenten in dem Bundesstaat weiter attackiert würden, werde er das als Aufstand werten – und mit dem Militär antworten. Dabei befeuert er die Lage, indem er weiter Mitglieder der Nationalgarde dorthin entsendet.

In an interview, President Donald Trump said there was no need for midterm elections because his presidency has been such a success. The remark underscored how nervous he is about the results of those elections.

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— New York Magazine (@nymag.com) 15. Januar 2026 um 21:25

Ist das ein Rezept für den Herbst? Was, wenn das Weisse Haus vor den Zwischenwahlen mit derlei Aktionen selbst Feuer an die Lunte legt – und das explodierende Pulverfass zum Vorwand nimmt, die Abstimmung zu verschieben? Eigentlich sind diese Wahlen ja eh unnötig, weil seine Regierung so erfolgreich sei, meint er laut «New York Magazin».

#02: Trump – das ist nicht neutral: Wie sich die US-Demokraten als Opposition blamieren

#02: Trump – das ist nicht neutral: Wie sich die US-Demokraten als Opposition blamieren

Donald Trump hat in den ersten beiden Monaten seiner neuen Amtszeit viel Staub aufgewirbelt. Aber was macht eigentlich die Opposition? Die Demokraten müssten Kontra geben, doch das klappt so gar nicht.

17.03.2025