Kuba vor schwerer Zukunft «2026 wird hart, sehr hart»

SDA

12.1.2026 - 22:49

Tropenkrankheiten in Kuba nehmen stark zu

Tropenkrankheiten in Kuba nehmen stark zu

STORY: Der Karibikstaat Kuba erlebt derzeit eine schwere Epidemie von durch Mücken übertragene Krankheiten. Wie die Regierung am Montag bestätigte, sind in den vergangenen Monaten mindestens 33 Menschen daran gestorben. Offiziellen Angaben zufolge ist mindestens ein Drittel der Bevölkerung betroffen. Darilys Ferrer, Anwohnerin: «Ich habe seit fast zwei Monaten ein Virus. Und das macht mir Sorgen, dass es schlimmer werden könnte.» Raul Echenique, Anwohner: «Man sieht jeden Tag Leute, die krank werden, und es werden immer mehr. Und der Staat kommt mit Medizin und Mückenbekämpfung nicht hinterher. Ich denke, sie müssen da ein bisschen mehr tun. Denn das ist das einzige, was sie derzeit tun.» Nach Angaben der stellvertretenden Gesundheitsministerin starben 12 Menschen an Dengue-Fieber und 21 an Chikungunya. Besonders tragisch: Mindestens 21 der Verstorbenen waren unter 18 Jahre alt. Einen genauen Zeitraum für die Todesfälle nannte die Ministerin nicht. Die anhaltende Epidemie trifft Kuba inmitten einer schweren Wirtschaftskrise. Das Gesundheitssystem steht unter massivem Druck, während im Land Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente knapp sind. Dengue-Fieber ist auf der Insel seit Langem verbreitet, hat sich aber verschärft, weil es an Geld und Treibstoff fehlt, um zu grossflächig Insektenmittel zu versprühen, Müll zu beseitigen und marode Wasserleitungen zu reparieren. Chikungunya, früher selten auf Kuba, breitet sich inzwischen schnell aus. Eine spezifische Behandlung gegen das Virus gibt es nicht. Allein in der vergangenen Woche wurden über 5.700 neue Chikungunya-Fälle registriert – doch die Behörden gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, da viele Erkrankte nicht im Krankenhaus behandelt werden.

02.12.2025

Seit Jahrzehnten lebt die kubanische Bevölkerung unter einem US-Wirtschaftsembargo. Auch durch den Wegfall von Erdöl aus Venezuela rechnen Kubaner*innen für 2026 mit dem Schlimmsten.

Keystone-SDA

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Kubanerinnen und Kubaner fürchten nach dem US-Einsatz in Venezuela noch schwierigere Zeiten.
  • Durch den Wegfall der Lieferung von 30'000 bis 35'000 Barrel Öl täglich kommt Kubas Wirtschaft ins Straucheln.
  • Die sich abzeichnende Krise trifft ein geschwächtes Land: In den vergangenen 5 Jahren ist das BIP um 11 Prozent eingebrochen.

Nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA rechnen viele Kubanerinnen und Kubaner mit einer weiteren Verschärfung der ohnehin schweren Wirtschaftskrise. Venezuela ist ein enger Verbündeter Havannas und der wichtigste Erdöllieferant der Insel.

Da Venezuela der wichtigste Erdöllieferant Kubas ist, dürfte sich die wirtschaftliche Lage «etwas komplizieren», räumt Axel Alfonso gegenüber der AFP ein.

Der 53-jährige Chauffeur lebt – wie rund 80 Prozent der Kubanerinnen und Kubaner – sein ganzes Leben unter dem seit 1962 geltenden US-Wirtschaftsembargo. «Ich will nicht pessimistisch sein, ich bin realistisch: 2026 wird hart, sehr hart», sagt er.

Auch Madelin Terris, 55, die als Rezeptionistin in einem Ministerium arbeitet, rechnet damit, dass sich die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage der Insel weiter «verschlechtern» dürfte.

Regime «kurz vor dem Zusammenbruch»

US-Präsident Donald Trump erklärte am 4. Januar, das kommunistische Land, das dem Druck von rund einem Dutzend US-Regierungen standgehalten habe, sei nach der Festnahme von Nicolás Maduro «kurz vor dem Zusammenbruch».

Er spielte die Notwendigkeit einer US-Militärintervention herunter und sagte, ohne venezolanisches Erdöl dürfte es dem Land schwerfallen, sich über Wasser zu halten.

Trump: "Cuba is ready to fall. Cuba looks like it's ready to fall. I don't know if they're gonna hold out."

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 5. Januar 2026 um 02:13

«Alles bricht zusammen», erklärte der republikanische Milliardär, der während seiner ersten Amtszeit (2017–2021) die Wirtschaftssanktionen gegen Kuba stärker verschärft hatte als jeder andere US-Präsident vor ihm – nach der kurzen diplomatischen Annäherung unter seinem Vorgänger Barack Obama.

30'000 bis 35'000 Barrell Öl pro Tag

1991 hatte der kubanische Staat, rund 150 Kilometer vor der Küste Floridas gelegen und durch den Zusammenbruch des Ostblocks stark geschwächt, eine schwere Wirtschaftskrise überwunden, indem er sich dem Tourismus und ausländischen Investitionen öffnete.

Ab dem Jahr 2000 konnte das Land zudem auf ein Kooperationsabkommen mit dem Venezuela von Präsident Hugo Chávez (1999–2013) zählen. Dieses sah Erdöllieferungen im Gegenzug für den Einsatz kubanischer Ärztinnen, Ärzte und Lehrkräfte vor.

Caracas lieferte laut Jorge Piñón von der Universität Texas im letzten Quartal 2025 täglich zwischen 30'000 und 35'000 Barrel Öl – rund 50 Prozent des kubanischen Erdöl-Defizits.

Unter dem kombinierten Einfluss verschärfter US-Sanktionen, der geringen Produktivität der Planwirtschaft, des Einbruchs im Tourismus und des Scheiterns einer Währungsreform ist die 9,6 Millionen Einwohner zählende Insel jedoch erneut in eine besonders schwere Krise geraten.

Akute Krise

In den vergangenen fünf Jahren ist das kubanische Bruttoinlandprodukt um 11 Prozent eingebrochen. Zudem fehlen dem Staat dringend Devisen, um grundlegende Dienstleistungen sicherzustellen – darunter den Betrieb des veralteten Stromnetzes, die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems und die Versorgung mit subventionierten Lebensmitteln.

Diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren der Auslöser für die beispiellosen regierungskritischen Proteste vom 11. Juli 2021, als Tausende Kubanerinnen und Kubaner mit Rufen wie «Wir haben Hunger» und «Nieder mit der Diktatur» auf die Strasse gingen.

Seither nähren Stromausfälle und Versorgungsengpässe die Unzufriedenheit und haben immer wieder zu vereinzelten Protesten geführt.

Eine mögliche Unterbrechung der venezolanischen Erdöllieferungen sorgt für zusätzliche Sorgen, zumal die Stromabschaltungen in einigen Provinzen bis zu 40 Stunden dauerten.

«Ungewissheit»

«Wir leben in einer Phase der Ungewissheit», sagt die 30-jährige Anwältin Daira Pérez. Sie versucht sich damit zu beruhigen, dass es bislang «keine bedeutende Veränderung in der Politik Venezuelas» gegenüber Kuba gegeben habe.

Für Jorge Piñón ist jedoch «unklar, ob die venezolanischen Erdöllieferungen nach Kuba fortgesetzt werden». Kuba verfüge weder über die Mittel, diese Mengen auf den internationalen Märkten zu kaufen, noch über einen politischen Verbündeten, der das Land aus dieser Lage befreien könnte.

Auf Kuba kommt es immer wieder zu Blackouts, die durch Pannen im maroden Stromnetz verursacht werden. 
Auf Kuba kommt es immer wieder zu Blackouts, die durch Pannen im maroden Stromnetz verursacht werden. 
Ramon Espinosa/AP/dpa (Archivbild)

Trotz aller Sorgen gingen die Kubanerinnen und Kubaner am Montag ihrem Alltag nach – gewohnt an Drohungen und Phasen hoher Spannungen mit dem mächtigen Nachbarn seit mehr als sechs Jahrzehnten. «Seit 60 Jahren kämpfen wir. Wir müssen weitermachen», sagt Chauffeur Axel Alfonso.

Der 80-jährige Roberto Brown erlebte die von Washington verhängte Seeblockade während der sogenannten Kuba-Krise von 1962, als die Welt am Rand eines Atomkriegs stand. Donald Trump «wisse», in welches Land er sich begebe, sagt er. «Eine Rakete kann hier einschlagen – sie kann aber auch dort einschlagen», fügt er hinzu.


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Trumps langer Arm reicht bis an den Panamakanal. Der Abriss eines chinesischen Denkmals zeigt den Druck aus Washington, der in vorauseilendem Gehorsam sogar lokale Behörden handeln lässt – aus Angst vor Konsequenzen.

29.12.2025