Kurs auf Krieg? 5 Indizien dafür, dass Trump bald den Iran angreift

Philipp Dahm

20.2.2026

Gibt er den Befehl zum erneuten Angriff auf den Iran? Donald Trump spricht an Bord der Air Force One mit Reportern. (Archivbild)
Gibt er den Befehl zum erneuten Angriff auf den Iran? Donald Trump spricht an Bord der Air Force One mit Reportern. (Archivbild)
Bild: Keystone

So viele Luftstreitkräfte haben die USA seit dem Irak-Krieg 2003 nicht in den Nahen Osten verlegt: Donald Trump schafft die Grundlagen für eine Attacke auf den Iran. Offiziell ist noch nichts entschieden, doch der Kurs steht auf Krieg, wie diese 5 Punkte zeigen.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Noch scheint nichts entschieden, aber diese fünf Punkte weisen auf einen baldigen US-Angriff auf den Iran hin.
  • Das Pentagon verlegt Grossgerät: So legen die USA die logistischen Grundlagen und bewegen jede Menge militärisches Material.
  • US-Basen in Nahost werden aufgerüstet – mit Dutzenden Kampfjets und Luftabwehr gegen Raketen.
  • Medienquellen rechnen mit Angriff: Im Umfeld der Administration herrscht offenbar wenig Hoffnung auf eine diplomatische Lösung.
  • Israel macht sich bereit – das Land erhöht seine Alarmbereitschaft.
  • Iran stärkt Verteidigung – und hält mit einer russischen Korvette im Golf von Oman ein Manöver ab.

Das Pentagon verlegt Grossgerät

Was die Mullahs am meisten beunruhigen sollte, sind die Tankflugzeuge, die das Pentagon in Bewegung setzt. Sie reisen zum Teil um die halbe Welt, wenn sie in Basen in Kalifornien starten und später mit anderen KC-135R und KC-46A aus Florida und weiteren US-Basen Richtung Europa fliegen.

Das Sprungbrett der US Air Force ist die Lajes Air Base auf den Azoren, von wo es weiter zu den US-Stützpunkten in Grossbritannien, Spanien, Bulgarien oder den Nahen Osten geht. Über dem Mittelmeer bilden die Tanker Ketten, an denen sich Kampfjets aus Westeuropa Richtung Osten ins Krisengebiet entlanghangeln.

Die folgende Karte zeigt, wie fünf KC-135-Tanker von der Luftwaffenbasis im britischen Lakenheath starten, sich über dem Mittelmeer platzieren und die Verlegung von 17 F-35A-Kampfjets begleiten.

Die Tankflugzeuge ermöglichen nicht nur die Verlegung von Kampfjets, sondern auch von Mensch und Material, die mit den riesigen C-17A Globemaster III herangeschafft werden, von denen derzeit auffallend viele im Einsatz sind – siehe unten.

Ein weiteres Flugzeug, das Teheran nervös machen sollte, ist die Bombardier E-11A. Das etwa 30 Meter lange Flugzeug zählt zwar genau genommen nicht zum Grossgerät, wäre im Fall einer Attacke aber unverzichtbar.

Es fungiert als Battlefield Airborne Communications Node, also als fliegender Kommunikationsknoten. Nach Verlegungen aus den USA sollen nun fünf der acht amerikanischen E-11A in Europa oder dem Nahen Osten sein.

Abgerundet wird diese Spezialisten-Flotte von den AWACS-Flugzeugen, die das Pentagon in den Nahen Osten verlegt. Weil die Verfügbarkeit dieser fliegenden Radarstationen begrenzt ist, müssen zwei E-3B/C Sentry von Alaska über Grossbritannien ins Einsatzgebiet geholt werden.

U.S. Air Force E-3B/C Sentry AWACS aircraft have departed Joint Base Elmendorf in Alaska, heading towards RAF Mildenhall in the UK. They are expected to conduct ISR operations and provide support ahead of potential airstrikes in the Middle East.

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— Sara Avraham (@sarabatavraham.bsky.social) 17. Februar 2026 um 08:43

Zum Grossgerät zählen natürlich auch die Flugzeugträger der US Navy. Die USS Abraham Lincoln ist bereits vor Ort: Zu seiner Gruppe gehören aktuell laut «Forbes» mindestens sechs Zerstörer, drei Littoral Combat Ships für den Kampf in Küstennähe und ein U-Boot.

Inzwischen hat das Pentagon eine zweite Flugzeugträger-Kampfgruppe in Marsch gesetzt: Die USS Gerald R Ford und ihre Begleiter kommen von der Karibik in die Region, wobei das Automatic Identification System (AIS) ausgeschaltet bleibt, um dem Iran keine Informationen zu liefern.

Die Flugzeugträgerkampfgruppe der USS Gerald R. Ford wurde vor Marokko gesichtet. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 Knoten wäre sie Sonntag in ihrem Einsatzgebiet im Nahen Osten.

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— Markus (@mschaub.bsky.social) 18. Februar 2026 um 16:43

Wenn diese Gruppe jedoch an einen Engpass kommt, wird das Signal zur Vermeidung von Kollisionen doch gesendet: Deshalb wissen wir, dass die Ford gerade Gibraltar passiert hat und am Wochenende wohl im Einsatzgebiet ankommen wird.

US-Basen in Nahost werden aufgerüstet

Für den Fall eines US-Angriffs droht der Iran mit Vergeltung: Auf der unten stehenden Karte siehst du die US-Basen im Nahen Osten als rote Punkte und die Reichweite von Teherans Raketen als gestrichelte Linie.

Das «Wall Street Journal» berichtet bereits am 1. Februar, dass das Pentagon auf diesen Stützpunkten die Luftverteidigung ausbaut und die Systeme Patriot und THAAD nach Kuwait, Katar, Bahrein, Saudi-Arabien und Jordanien verlegt. Dass diese Basen laufend verstärkt werden, impliziert der stete Verkehr von C-17-Transportern.

Weiter sind auf diesen Basen Dutzende zusätzliche Kampfjets der Typen F-35, F-22 und F-15E stationiert worden. Hinzu kommen 36 F-16CJ der South Carolina Air National Guard und von der Spangdahlem Air Base in Deutschland – davon 24 in der «Wild Weasel»-Konfiguration. Die Jets dienen der Unterdrückung und Zerstörung der gegnerischen Flugabwehr.

Medienquellen rechnen mit Angriff

Einerseits verhandeln die USA und der Iran derzeit in Genf über eine diplomatische Lösung der Krise. Andererseits suggerieren Medienquellen, dass ein Angriff wahrscheinlich ist. «CBS News» berichtet, Trump prüfe verschiedene Optionen: Eine sei eine Attacke schon ab dem 21. Februar.

Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Aber: «Der Chef hat die Nase voll», verrät ein Berater «Axios». «Einige Leute in seinem Umfeld warnen ihn vor einem Krieg mit dem Iran, aber ich denke, es besteht eine 90-prozentige Chance, dass wir in den nächsten Wochen eine militärische Aktion sehen werden.»

Das wäre der Auftakt einer massiven Kampagne, die für Wochen andauern könnte, heisst es weiter. Die «Jerusalem Post» hingegen kritisiert  den «Lärm», den internationale Medien gerade veranstalteten: Auch die israelische Zeitung rechnet mit einem Angriff, doch der müsse nicht unbedingt in den kommenden Tagen stattfinden.

Israel macht sich bereit

Israel erhöht seine Alarmbereitschaft und verstärkt seine militärischen Vorbereitungen, berichtet CNN unter Berufung auf zwei israelische Quellen. Die Armee sei vorbereitet: «Wenn wir angegriffen werden, werden wir mit Nachdruck antworten», bekräftigt Sprecher Avichay Adraee.

Israel muss nicht nur damit rechnen, von iranischen Raketen attackiert zu werden, sondern dürfte auch selbst angreifen, wenn es die USA tun – so wie beim Zwölftagekrieg im vergangenen Juni, als Teherans Atomprogramm ins Visier genommen wurde.

Am 28. Februar ist eine Reise von US-Aussenminister Marco Rubio nach Jerusalem geplant, wo er Premier Benjamin Netanjahu treffen soll. Ob es dann schon Krieg gibt oder der Waffengang dann erst besprochen wird, muss sich zeigen.

Iran stärkt Verteidigung

Auch der Iran bereitet sich auf ein Scheitern der diplomatischen Bemühungen vor. Am 17. Februar hat Teheran erstmals seit den 80er-Jahren wieder die Strasse von Hormus vorübergehend geschlossen, um ein Marinemanöver abzuhalten. Durch den Wasserweg läuft rund ein Fünftel des weltweiten Erdölhandels.

Für den 19. Februar ist eine Übung im Golf von Oman terminiert, an der sich auch Russland beteiligt. Die russische Korvette Stoiki befindet sich bereits in iranischen Gewässern. Dass das eine abschreckende Wirkung auf Washington haben könnte, schliessen Experten laut «The War Zone» allerdings aus. 

Satellite images reveal Iran fortifying its Parchin military complex against aerial strikes.

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— Al Jazeera English (@aljazeera.com) 19. Februar 2026 um 13:00

Weiter berichtet «Reuters», dass der Iran militärische Einrichtungen und Anlagen des Atomprogramms befestigt. Das würden Satellitenbilder zeigen.

Und jetzt? Die Gretchenfrage

Zum Schluss bleibt die Frage: Welches Ziel haben die USA? Möglicherweise will Washington beenden, was im Juni 2025 begonnen wurde: die Zerstörung des Atomprogrammes aus der Luft.

Einen Regimewechsel zu forcieren, ist ohne Bodentruppen schwer. Gewiss könnten Air Force und Navy in einer Luft-Kampagne eine Reihe von politischen und militärischen Köpfe rollen lassen, doch ob das ausreichen würde, um die Mullahs zu stürzen, scheint fraglich.

Und wenn: Wer würde die Macht übernehmen? Die Revolutionsgarden? Dann stünde der Iran wieder am Anfang.


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