Fehler gefunden?
Jetzt meldenFehler gefunden?
Jetzt meldenViel war über den Vollkontakt-Kampf auf dem Rasen des Weissen Hauses geredet worden – gestern liessen UFC-Grössen den Worten dann Fäuste folgen: Nicht nur bei den Beteiligten sorgt die Veranstaltung am Tag danach für Kopfweh – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
«It's fight night in the White House», kündigt der konservative Sender NewsNation gestern an. Eine Kampfnacht im Weissen Haus? Das hört man auch nicht alle Tage. Doch der 14. Juni ist ja auch ein besonderer Tag. Für die einen, weil Donald Trump 80 Jahre alt wird. Für die anderen ist «Flag Day»: Der Gedenktag erinnert an die Einführung der US-Flagge.
Jedenfalls soll ein Fest stattfinden vor dem Rasen des Weissen Hauses. Wo normalerweise Staatsbankette stattfinden oder Kinder an Ostern Eierlauf machen, gibt es gestern gehörig eins auf die Ohren, als sich Vollkontakt-Kämpfer bei der Ultimate Fight Championship (UFC) in einer Arena prügeln, die auch noch «The Claw», also die Klaue, heisst.
Sieben Kämpfe finden in diesem ungewöhnlichen Setting statt: Der UFC-Abend ist der Auftakt einer ganzen Reihe von Feierlichkeiten, die in dem 250. Geburtstag der USA am 4. Juli enden. Am Sonntag sind Stars wie Dwyane «The Rock» Johnson und Adam Sandler vor Ort in Washington, «NewsNation» erwartet das «grösste und beste Feuerwerk aller Zeiten».

Donald und Melania Trump beim gestrigen Kampf.
KEYSTONE
Letztere Aussage stimmt schon mal nicht – siehe auch Video ganz oben. Was wirklich vom Käfigkampf übrig blieb, erfährst du hier in 6 Punkten.
Die Gegner*innen der Veranstaltung sagen, ein UFC-Kampf passe nicht zum Weissen Haus. Repräsentiert sind sie hier durch eine kleine Gruppe, die ihrem Ärger in Washington Luft macht – indem sie mit dünnen Stimmchen skandiert: «Welcher Rasen? Unser Rasen! Welches Haus? Unser Haus!»
⚖️✊ Protesters with paper mache Trump admin officials chant “Whose lawn!? Our lawn!” outside of the White House, where a UFC fight is set to take place on the lawn this evening. @FordFischer
— Chris⚖️Justice (@chrisjustice01.bsky.social) 15. Juni 2026 um 01:07
[image or embed]
Das Gegenstück dazu ist eine Dame, die sich Savannah Mae West nennt. «Ich bin Savannah, ein ganz normales Mädchen aus dem Mittleren Westen, das immer noch an Gott, die Familie und den amerikanischen Traum glaubt», stellt sie sich auf X vor. Sie hat auch einen Online-Shop, auf dem sie zum Beispiel das «offizielle» USA-250-Poster verkauft, bei dem sie selbst das Sujet ist – und ein äusserst patriotisches noch dazu.

Das «Offizielle» Geburtstagsposter der USA von Savannah Mae West kostet nur 19,43 Franken.
Screenshot: savannahmaeusa-shop.fourthwall.com
Auch West hat eine Meinung zum Käfigkampf im Weissen Haus: Die liberalen Heulsusen sollen sich mal nicht so anstellen! Untermauern soll das ein KI-Video, in dem die junge Amerikanerin gegen eine fette Frau kämpft, die offenbar die Linke darstellt. Sie bittet auch um Kommentare ihrer Gegner: Wäre ja blöd, wenn der Unsinn einfach ignoriert würde.
What I want to do to all the liberal snowflakes crying on the timeline today... 🤫
— Savannah Mae West (@SavannahMaeUSA) June 14, 2026
(Grok isn't perfect but the spirit is 100% there lol)
Happy Birthday to President Trump, Happy Flag Day, and let’s go UFC fight night! Cry more in my replies liberals, I'll be waiting. 🇺🇸🦅🥊🔥 pic.twitter.com/21TVoTT5BW
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Insofern muss jeder und jede für sich selbst entscheiden, was man aus der Werbung macht, die am Flag Day alias Trumps Geburtstag, vor dem Weissen Haus gezeigt wird.
Da wäre etwa der Energiedrink-Hersteller Monster, der sich in Szene setzt. Auch für das US-Bier Bud Light wird auf dem Rasen des Weissen Hauses Reklame gemacht. Crypto.com und der Wettanbieter Polymarket runden das Portfolio ab.
An advertisement for Trump's crypto coin plays mid-broadcast during coverage of the White House UFC fight
— Rachel Bitecofer (@rachelbitecofer.bsky.social) 15. Juni 2026 um 03:21
[image or embed]
Bud-Light-Mutterhaus Anheuser-Busch InBev ist auch Sponsor der America-250-Feierlichkeiten im Allgemeinen. Zu den weiteren Geldgebern zählen unter anderem die Rüstungsriesen Boeing, RTX und Lockheed Martin, die Krypto-Plattform Coinbase, Daten-Riese Palantir sowie die UFC.
Der Präsident und CEO der UFC ist Dana Frederick White, mit dem Donald Trump seit vielen Jahren befreundet ist. Nachdem White die Organisation übernommen hatte, bot ihm 2001 als einziges Casino in Las Vegas das Trump Taj Mahal einen Ausrichtungsort an.

Hinter Gittern: Dana White und Donald Trump.
KEYSTONE
2016 zahlte White das Vertrauen zurück, als er im Präsidentschaftsrennen die Werbetrommel für Trump rührte. Der 56-Jährige hat auch für Trumps Sache gespendet. Der hat wiederum in UFC-Aktien investiert. Diese fruchtbare Beziehung zahlt sich aus: «UFC Freedom 250» wird nicht vom Weissen Haus durchgeführt, sondern explizit von Whites Firma.
The official broadcast for Trump's UFC fight announces that fighters will be paid in crypto from the Trump family's crypto company
— FactPost (@factpostnews.bsky.social) 15. Juni 2026 um 03:09
[image or embed]
Die Folgen: Dana White bestimmt, wo es langgeht. Journalist*innen, die berichten wollen, müssen sich bei der UFC akkreditieren. Der Lohn für die Kämpfer wird wiederum in der Kryptowährung Stablecoin gezahlt, die Trumps Unternehmen World Liberty Financial herausgibt. Ein Schelm, wer Klüngel dabei denkt.
An advertisement for Trump-branded gold coins plays during the official broadcast of the White House UFC fight
— FactPost (@factpostnews.bsky.social) 15. Juni 2026 um 03:52
[image or embed]
White kassiert übrigens auch bei der Übertragung ab: Die Veranstaltung wird exklusiv vom Bezahlsender Paramount+ übertragen, der den Trump-Fans und Milliardären Larry und David Ellison gehört.
"Bread and circuses" except the bread has never been more expensive and the circus is lining the pockets of the oligarchy.
— Robert Reich (@rbreich.bsky.social) 15. Juni 2026 um 03:53
[image or embed]
Wer nun meint, so ein UFC-Kampf sei eine unpolitische Veranstaltung, der hat sich geschnitten, wie der Auftritt von Josh Hokit zeigt. Der hat in der dritten Runde seinen Gegner Derrick Lewis auf die Bretter geschickt.
Als der konservative Podcaster Joe Rogan ihm nach dem Kampf das Mikrofon vor die Nase hält, verkündet Hokit vor laufender Kamera: «Und zuletzt: Michelle Obama ist ein Mann. Habe ich Recht, Amerika?» Zuvor hatte der Kämpfer dem Präsidenten seine Kette um den Hals gehängt.
Hokit bedient damit eine sonderbar krude Verschwörungstheorie aus dem Jahr 2019, die besagt, die frühere First Lady sei transgeschlechtlich und der Ex-Präsident Barack Obama homosexuell.
Ex-Vollkontakt-Kämpfer Daniel Cormier hat auf X etwas gepostet, was er inzwischen wieder entfernt hat: Darin zeigt Cormier eine Verlauf von persönlichen X-Nachrichten, die von einem Account kommen, der auf Eric Trumps Namen läuft.

Eric Trump und seine Frau Lara beim gestrigen UFC-Kampf.
KEYSTONE
In dem Chat fragt der vermeintliche Präsidenten-Sohn nach Insider-Informationen über die Kämpfer, wer wohl gewinnt – und ob eines der Duelle manipuliert sei. Der Sportler distanziert sich und schreibt, er dürfe selbst nicht wetten – und das alles ehrlich zu und herginge.
MAJOR BREAKING: In a now deleted post by former MMA fighter Daniel Cormier, he posted screenshots of Eric Trump trying to get an insider scoop on whether any of the MMA fights at the White House are rigged so that he could try and illegally make money off of them..
— Brian Krassenstein (@krassenstein) June 14, 2026
Below is the… pic.twitter.com/lj28ipXv8Y
«Ich werde wahrscheinlich viel Kritik einstecken, weil ich das ans Licht bringe, aber ich weigere mich, zu schweigen», schreibt Comier zu seinem Post, der inzwischen aber nicht mehr auffindbar ist. Doch das Internet vergisst nicht: Entsprechende Screenshots machen schnell die Runde.
Der Sohn des Präsidenten dementiert auf X: Er habe Comier nie geschrieben, versichert der 42-Jährige. Die Konversation sei mit KI erzeugt worden, heisst es in einem weiteren Post: Dass Cormier seinen Post gelöscht habe, bestätige, dass das Ganze frei erfunden sei.
This is completely fake! I have never reached out to Daniel. In fact, this is scary. https://t.co/ZrnIkHBQ4f
— Eric Trump (@EricTrump) June 15, 2026
Nun heisst es ja: Im Zweifel für den Angeklagten. Dass diese Postings jedoch so viel Staub aufwirbeln, zeigt auch, dass Amerika Donald Trump und seiner Familie inzwischen allerhand zutraut, wenn es darum geht, finanziell von der Präsidentschaft zu profitieren.
Während Donald Trump sagt, der Käfigkampf sei keine politische Veranstaltung, sprechen die Taten eine andere Sprache. So wurde UFC-Kämpfer Sean Strickland nach eigener Aussage von der Veranstaltung ausgeschlossen, weil er einerseits Israel und andererseits Trump wegen der Epstein-Akte kritisiert hat.
Anti-Zionist Sean Strickland just got SWARMED by cops, hauled away after sneaking into the UFC WH event🇺🇸
— Hart Cunningham (@hart28.bsky.social) 15. Juni 2026 um 03:15
[image or embed]
Strickland ist trotzdem vor dem Weissen Haus aufgetaucht – und prompt von der Polizei abgeführt worden. Der Champion im Mittelgewicht ist aber nicht verhaftet worden, teilten die Behörden mit: Er sei zu seiner eigenen Sicherheit weggebracht worden.
Sean Strickland thrown out by Secret Service at UFC WH event We are a occupied nation. Israel owns our government especially our president. "To learn who rules over you simply find out who you can't criticize". UFC champ gets arrested trying to attend the event all because he criticized Israel.
— Raider (@iwillnotbesilenced.bsky.social) 15. Juni 2026 um 02:53
[image or embed]
Tatsächlich gibt es derzeit einige Themen, von denen der Präsident an seinem 80. Geburtstag wohl gerne ablenken würde. Die Beziehung zu Israel gehört mit Blick auf den Krieg im Iran ebenso dazu wie Jeffrey Epstein.
So it's obvious Trump wanted an Iran deal done on his big-boy birthday, and he wanted it done before his UFC fight and bouncy house party starts. It never mattered whether there was an actual deal or Iran agreed or Israel agreed. He was going to announce a deal. We should not assume this is real.
— Rex Huppke (@rexhuppke.bsky.social) 14. Juni 2026 um 23:40
[image or embed]
Jimmy Kimmel reagierte zum Beispiel mit einer «Geburtstagskarte», die an jene erinnert, die Trump dem verstorbenen Sexualstraftäter geschrieben und gezeichnet haben soll.