Tablettenfabrik im Hinterhof80-Jähriger Lotto-Millionär baut Drogen-Imperium auf – verurteilt
Dominik Müller
30.1.2026
Muss nun ins Gefängnis: John Eric Spiby.
Greater Manchester Police
Er gewann über zwei Millionen Pfund im Lotto. Aber statt seinen Lebensabend zu geniessen, baute ein britischer Senior ein illegales Tablettenkartell auf. Jetzt wurde er zu über 16 Jahren Haft verurteilt.
Ein bizarrer Kriminalfall macht in Grossbritannien Schlagzeilen. In Bolton hat ein Gericht den 80-jährigen John Eric Spiby zu 16 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der betagte Mann galt als Drahtzieher einer organisierten Bande, die im grossen Stil gefälschte Medikamente herstellte und damit ein Vermögen verdiente.
Wie die Greater Manchester Police mitteilt, wurde Spiby unter anderem wegen «Verschwörung zur Herstellung und Lieferung von Drogen der Klasse C, dem Besitz zweier Schusswaffen sowie Munition und Behinderung der Justiz» schuldig gesprochen. Zu den Klasse-C-Drogen zählen in Grossbritannien etwa anabole Steroide, Lachgas oder gewisse rezeptpflichtige Arzneien
Auch drei weitere Mitglieder der Gruppe mussten langjährige Gefängnisstrafen antreten – darunter Spibys Sohn.
Professionelle Infrastruktur
Besonders absurd: Geldsorgen hatte der mutmassliche Bandenchef eigentlich keine. 2010 strich Spiby einen Lottogewinn von 2,4 Millionen Pfund (rund 2,54 Millionen Franken) ein. Doch statt sich zur Ruhe zu setzen, investierte er in kriminelle Machenschaften.
Die Ermittler stiessen auf eine hochprofessionelle Produktionsstätte in einem Hinterhaus auf Spibys Grundstück nahe Wigan. Dort konnten Zehntausende Tabletten pro Stunde hergestellt werden. 2021 legte Spiby sogar noch nach und kaufte eine Industriehalle in Swinton, um die Produktion weiter zu steigern. In einem Lieferwagen der Bande stellte die Polizei später 2,6 Millionen gefälschte Diazepam-Tabletten sicher – ein starkes Beruhigungsmittel mit hohem Abhängigkeitspotenzial.
Allein diese Lieferung hatte laut Behörden einen geschätzten Strassenwert von ein bis fünf Millionen Pfund. Insgesamt soll die Bande gefälschte Pillen im Wert von bis zu 288 Millionen Pfund produziert haben. Zusätzlich verfügte die Gruppe über mehrere Kalaschnikow-Maschinengewehre und weitere Schusswaffen.
«Tief in die Drogenlieferkette eingebunden»
Alex Brown von der Einheit für organisierte Kriminalität sagte dazu laut Mitteilung: «Sie betrieben ein vollständig industrialisiertes Arzneimittelherstellungsunternehmen, das in der Lage war, Millionen gefälschter Tabletten mit einer hochgefährlichen Substanz herzustellen.» Weiter betonte er: «Die Menge der von uns sichergestellten Tabletten – zusammen mit den hochentwickelten Maschinen – zeigt, wie tief diese Gruppe in die illegale Drogenlieferkette eingebunden war.»
Spiby selbst bestritt vor Gericht jede Verantwortung und gab an, von den Machenschaften nichts gewusst zu haben. Das Gericht schenkte dieser Version keinen Glauben.