Showdown in Washington Woher kommt Trumps Kehrtwende in der Epstein-Affäre – und was droht ihm jetzt?

Philipp Fischer

17.11.2025

Der Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein lässt den US-Präsidenten nicht los. Quer durch die politischen Lager fordern US-Bürger die Veröffentlichung der Akten.
Der Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein lässt den US-Präsidenten nicht los. Quer durch die politischen Lager fordern US-Bürger die Veröffentlichung der Akten.
Archivbild: IMAGO/ZUMA Press Wire

In der Affäre um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wird im Repräsentantenhaus eine Abstimmung zur Freigabe aller Akten erwartet. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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DPA, Agence France-Presse, Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Am Dienstag soll im Repräsentantenhaus über die Offenlegung der Akten zu Jeffrey Epstein abgestimmt werden.
  • Es wird von den oppositionellen Demokraten unterstützt, aber auch von Republikanern aus dem Regierungslager.
  • Präsident Donald Trump hatte sich lange gegen die Abstimmung gesperrt, sprach sich am Sonntag dann aber dafür aus.

Schon am Dienstag dürfte das Repräsentantenhaus in Washington eine Freigabe aller Akten in dem Fall fordern. Trump sperrte sich lange gegen die Abstimmung, sprach sich am Sonntag (Ortszeit) dann aber für eine Zustimmung der republikanischen Abgeordneten zur Veröffentlichung der Dokumente aus.

Kritiker werfen Trump vor, eine mögliche Verstrickung in die Epstein-Affäre vertuschen zu wollen. Ermittlern zufolge hatte Epstein über Jahre minderjährige Mädchen und junge Frauen missbraucht und Prominenten zugeführt. Zuletzt veröffentlichte Emails des verurteilten Sexualstraftäters legen nahe, dass Trump davon wusste. 

Wie kam die Epstein-Affäre ins Rollen?

Der Finanzberater und Millionär Epstein wurde erstmals 2006 wegen Sexualverbrechen angeklagt, die Eltern einer 14-Jährigen hatten ihn wegen Missbrauchs ihrer Tochter angezeigt. Durch einen umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft musste er jedoch nur 13 Monate ins Gefängnis.

Im Juli 2019 wurde Epstein erneut festgenommen und beschuldigt, mit dutzenden Minderjährigen illegal gehandelt und ihnen für sexuelle Handlungen Geld gezahlt zu haben. Am 10. August 2019 wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Den Behörden zufolge beging er Suizid.

Knapp ein Jahr später wurde Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell verhaftet und im Juni 2022 als Komplizin in dem Missbrauchsfall zu 20 Jahren Haft verurteilt. Sie berichtete detailliert über Epsteins Beziehungen zu Grössen aus Politik und Gesellschaft.

US-Präsident Trump vollzog bei den Epstein-Akten eine überraschende Kehrtwende.
US-Präsident Trump vollzog bei den Epstein-Akten eine überraschende Kehrtwende.
EPA/RON SACHS/KEYSTONE

Warum hat sich Trump jetzt umentschieden?

Am Wochenende deutete sich laut US-Medien an, dass der Rückhalt im Repräsentantenhaus für die Öffnung der Akten wächst.

Eigentlich haben die Republikaner eine Mehrheit in der Kammer. Doch es gibt in der Partei Trumps vereinzelt Abgeordnete, die sich dem Willen des US-Präsidenten klar widersetzten und das Vorhaben gemeinsam mit Demokraten vorantrieben. Es soll laut US-Medien vergeblich den Versuch von Regierungsseite gegeben haben, republikanische Abgeordnete umzustimmen. Trump drohte eine Blamage im Repräsentantenhaus.

Welche Spekulationen gibt es?

Zwar wurden bisher zahlreiche Akten zum Fall Epstein veröffentlicht, das genaue Ausmass der Affäre ist aber ungeklärt. Zahlreiche US-Bürger glauben, die Behörden wollten reiche und einflussreiche Bekannte und Freunde Epsteins schützen.

Spekuliert wird über eine mutmassliche Liste Prominenter, die in die Sexualverbrechen verwickelt waren. Die Trump-Regierung hatte ab Januar zunächst verkündet, sie wolle die Liste veröffentlichen. Im Juli hiess es dann von Seiten der Regierung, eine solche Liste existiere nicht. Auch halten sich hartnäckig Gerüchte, Epstein sei im Auftrag einflussreicher Kreise ermordet worden.

Was plant das Repräsentantenhaus?

Das Repräsentantenhaus dürfte am Dienstag mehrheitlich ein Gesetz verabschieden, das die Regierung zur Veröffentlichung aller Epstein-Akten zwingen soll. Die Abstimmung wurde durch Abgeordnete der oppositionellen Demokraten und von Trumps Republikanern gemeinsam erkämpft, was selten vorkommt. Sie sammelten dafür parteiübergreifend eine Mehrheit von 218 Unterschriften in der Kongresskammer.

Die Zustimmung zur Veröffentlichung der Epstein-Akten könnte allerdings noch viel breiter ausfallen: Im Regierungslager wird mit einer «Flut von Republikanern» gerechnet, die dem Gesetz zustimmen könnten. Der federführende republikanische Abgeordnete Thomas Massie erwartet die Zustimmung von «100 oder mehr» Republikanern im Repräsentantenhaus, was eine Zweidrittelmehrheit bedeuten könnte.

Was würde das für Trump bedeuten?

Das Votum wäre ein deutliches Warnsignal an den Präsidenten. Trump hatte mit Hilfe von Repräsentantenhaus-Sprecher Mike Johnson monatelang versucht, die Abstimmung abzuwenden.

Angesichts einer drohenden Niederlage in dem Streit vollzog er am Sonntag dann allerdings eine Kehrtwende und schrieb in seinem Onlinedienst Truth Social: «Die Republikaner im Repräsentantenhaus sollten für eine Freigabe der Epstein-Akten stimmen.»

Damit wäre das Gesetz allerdings noch nicht beschlossen. Es erfordert die Zustimmung des Senats, in dem Trumps Republikaner ebenfalls eine Mehrheit haben. Sollte es in den beiden Kongresskammern nicht jeweils eine Zweidrittelmehrheit für die Veröffentlichung der Epstein-Akten geben, könnte Trump zudem ein Veto einlegen, um die Freigabe doch noch zu verhindern.

Warum lehnte Trump die Veröffentlichung ab?

Das ist die Frage, sie seit Monaten Medien und Politbranche in den USA beschäftigt. Im Wahlkampf versprach Trump, die Epstein-Akten vollständig offenzulegen. Weil dieses Versprechen seit seinem Amtsantritt im Januar jedoch nicht eingelöst wurde, steht der Präsident unter wachsendem Druck. Zuletzt veröffentlichten Demokraten E-Mail-Auszüge aus dem Nachlass Epsteins, in denen der Name Trump vorkommt - was erneut die Frage aufwarf, wie viel Trump über die Straftaten Epsteins gewusst haben könnte.

Der US-Präsident unterstellt den Demokraten hingegen einen bewussten Schwindel. Sie schlachten aus seiner Sicht das Epstein-Thema aus, um ihm zu schaden und von seinen Erfolgen abzulenken. Der US-Präsident zeigt im Gegenzug auf die Demokraten im Fall Epstein. Er liess seine Justizministerin vor Tagen sogar Ermittlungen gegen den früheren demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton sowie andere Personen und Firmen auf mögliche Verbindungen und Beziehungen zu Epstein anstossen.

Die «Washington Post» berichtete über Bedenken von Rechtsexperten, wonach dies ein Versuch Trumps ein könnte, durch solche Ermittlungen dem Justizministerium einen Vorwand zu liefern, doch nicht alle Epstein-Dokumente öffnen zu müssen.

Kehrtwende bei Trump – Präsident nun doch für Freigabe von Epstein-Akten

Kehrtwende bei Trump – Präsident nun doch für Freigabe von Epstein-Akten

«Die Republikaner im Repräsentantenhaus sollten für die Freigabe der Epstein-Akten stimmen, denn wir haben nichts zu verbergen», schrieb US-Präsident Donald Trump Sonntagnacht auf seiner Plattform Truth Social. 

17.11.2025