Sterblichkeit steigt in deutscher Grenzregion Dass Pflegekräfte in die Schweiz abwandern, hat fatale Folgen

SDA

12.1.2026 - 20:46

Fehlt das Pflegepersonal, sterben Menschen. Das zeigt eine neue Untersuchung aus Deutschland. 
Fehlt das Pflegepersonal, sterben Menschen. Das zeigt eine neue Untersuchung aus Deutschland. 
Keystone (Symbolbild)

Weniger Pflegekräfte – höhere Sterblichkeit: Weil Fachpersonal lieber in der Schweiz arbeitet, steigt in der deutschen Grenzregion die Sterblichkeit, wie eine neue Studie zeigt.

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Keystone-SDA, Redaktion blue News

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  • In Spitälern der deutschen Grenzregion hat die Abwanderung von Pflegekräften in die Schweiz direkte Folgen.
  • So ist die Sterblichkeit wegen des Pflegepersonalmangels um 4,4 Prozent gestiegen, wie eine neue Untersuchung zeigt.
  • Die Untersuchung basiert auf einem «natürlichen Experiment», und geht auf die Entscheidung der SNB aus dem Jahr 2011 zurück. Damals wurde ein Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro festgelegt.
  • Somit wurden die hohen und nun berechenbaren Lohnunterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland zementiert.

Die Abwanderung von Pflegekräften in die Schweiz hat für deutsche Spitäler tödliche Folgen. In deutschen Grenzspitälern ist die Sterblichkeit wegen des Pflegepersonalmangels um 4,4 Prozent gestiegen, wie eine neue Untersuchung zeigt.

Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und dem Münchner Ifo-Institut, wie es am Montag hiess. Sie basiert auf einem «natürlichen Experiment»: der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aus dem Jahr 2011, einen Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro festzulegen. Dadurch wurden die hohen und nun berechenbaren Lohnunterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland zementiert.

Lebenserwartung gesunken

Spitäler in der deutschen Grenzregion verloren der Untersuchung zufolge dadurch rund 12 Prozent ihres diplomierten Pflegepersonals. Die Zahl der Patienten pro Pflegekraft stieg um rund 10 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient bei gleicher medizinischer Notwendigkeit operiert wurde, sank um 12 Prozent.

In der Folge stieg die Sterblichkeit durchschnittlich um 4,4 Prozent. Die negativen gesundheitlichen Folgen waren dabei ungleich verteilt: Der Anstieg betrifft vor allem ältere und akut erkrankte Patientinnen und Patienten. Besonders stark erhöht hat sich die Sterblichkeit bei Notfällen wie Herzinfarkten und Sepsis – dort betrug er 11,6 und 17,7 Prozent. In den betroffenen deutschen Regionen sank die Lebenserwartung um 0,28 Jahre, während sie im übrigen Deutschland weiter zunahm.

Kein positiver Effekt in der Schweiz

Die Studie untersuchte auch, ob die Abwanderung des Pflegepersonals zu positiven Gesundheitseffekten in der Schweiz führte. In den Schweizer Grenzregionen, die von dem Zuzug profitierten, konnte jedoch kein entsprechender Anstieg der Lebenserwartung nachgewiesen werden.

Die Studie untersuchte alle stationären Spitalfälle über den Zeitraum von 2006 bis 2017, um die Auswirkungen des Fachkräftemangels auf die Sterblichkeit und die Lebenserwartung herauszufinden. Die Untersuchung liegt derzeit als «Working Paper» der beteiligten Forschungsinstitute vor und ist nicht in einem begutachteten Fachjournal veröffentlicht.