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Bernd Weißbrod/dpa
Unternehmer Reinhold Würth sorgt mit deutlichen Worten für Diskussionen. Der 91-Jährige sieht den Leistungsgedanken schwinden und warnt davor, Wohlstand als Selbstverständlichkeit zu betrachten.
Mit klaren Worten hat sich Unternehmer Reinhold Würth zur Arbeitsmoral und zum Umgang mit Wohlstand geäussert. Der Gründer des gleichnamigen Weltkonzerns sieht den Leistungsgedanken schwinden und warnt davor, den heutigen Lebensstandard als selbstverständlich anzusehen.
«Der Wohlstand fällt nicht vom Himmel», sagte der 91-Jährige im Gespräch mit der Medienplattform «Pioneer».
Nach Ansicht Würths fehle vielen Menschen heute die Motivation, sich besonders anzustrengen.
«Der Mehltau liegt über dem ganzen Land», sagt er. Der Wohlstand habe dazu geführt, dass sich manche fragten: «Für was soll ich mich anstrengen?»
Für den Unternehmer ist das eine gefährliche Entwicklung. Ein grosser Teil der öffentlichen Ausgaben fliesse in Sozialleistungen. Gleichzeitig sei der Wille, Leistung zu erbringen, in den vergangenen Jahren verloren gegangen.
Würth stellt dem seine eigene Lebensgeschichte gegenüber. Er begann mit 14 Jahren im Betrieb seines Vaters zu arbeiten und blickt heute auf 77 Berufsjahre zurück. «Ich habe meine Arbeit immer als Hobby gesehen», sagt der Unternehmer.
Seiner Ansicht nach brauche es wieder mehr Einsatzbereitschaft und Eigenverantwortung. «Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und uns einsetzen», fordert Würth.
Mit Wehmut blickt der Milliardär auf die Nachkriegsjahrzehnte zurück.
Damals hätten viele Menschen davon geträumt, sich ein Fahrrad, später ein Auto oder ein eigenes Haus leisten zu können. Für den Urlaub seien Ziele im Schwarzwald oder Harz attraktiv gewesen.
Heute seien die Ansprüche deutlich höher geworden.
Für Würth ist das Ausdruck einer Gesellschaft, die den erreichten Wohlstand zunehmend als selbstverständlich wahrnimmt.
Reinhold Würth machte aus dem kleinen Schraubenhandel seines Vaters einen weltweit tätigen Konzern mit rund 87'000 Mitarbeitenden.
Anfang 2025 übergab er den Vorsitz des Stiftungsaufsichtsrats an seinen Enkel Benjamin Würth und ist seither Ehrenvorsitzender.