Todesflug Rio–Paris 228 Menschen starben auf Flug AF447 – jetzt wurden Airbus und Air France verurteilt

Noemi Hüsser

21.5.2026

Die letzten Leichen und der Flugdatenschreiber des verunglückten Flugzeugs wurden erst im Jahr 2011 aus etwa 4000 Metern Tiefe geborgen. (Archivbild)
Die letzten Leichen und der Flugdatenschreiber des verunglückten Flugzeugs wurden erst im Jahr 2011 aus etwa 4000 Metern Tiefe geborgen. (Archivbild)
Keystone

Mehr als 15 Jahre nach dem Absturz eines Air-France-Flugs über dem Atlantik hat ein Berufungsgericht in Paris Airbus und die Airline wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen.

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DPA, Redaktion blue News

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  • Das Berufungsgericht in Paris hat Air France und Airbus wegen fahrlässiger Tötung im Zusammenhang mit dem Absturz von Flug AF447 im Jahr 2009 schuldig gesprochen.
  • Beide Unternehmen müssen jeweils 225'000 Euro Strafe zahlen und tragen laut Gericht die volle Verantwortung für den Absturz mit 228 Todesopfern.
  • Der Airbus A330 war auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in ein Unwetter geraten und in den Atlantik abgestürzt.
  • Vereiste Geschwindigkeitssonden sowie unzureichend vorbereitete Piloten galten als zentrale Ursachen des Unglücks.

Im Berufungsprozess um den Absturz eines Air-France-Flugs von Rio de Janeiro nach Paris im Jahr 2009 mit 228 Toten haben die Richter die Airline und den Flugzeugbauer Airbus schuldig gesprochen. Das Berufungsgericht in Paris verurteilte beide Unternehmen wegen fahrlässiger Tötung und verhängte eine Geldstrafe von jeweils 225'000 Euro.

Das Gericht urteilte, dass ausschliesslich die Airline und der Flugzeugbauer für den Absturz und den Schadenersatz verantwortlich seien.

Die Air-France-Maschine des Flugs AF 447 war am 1. Juni 2009 auf dem Weg von Brasilien in die französische Hauptstadt in eine Unwetterfront geraten und von den Radarschirmen verschwunden. Der Airbus vom Typ A330 stürzte in den Atlantik. Erst im Mai 2011 wurden die letzten Leichen und der Flugdatenschreiber aus etwa 4000 Metern Tiefe geborgen.

Vereiste Sonden und unvorbereitete Piloten

Konkret wurde Airbus in dem Prozess vorgehalten, die Folgen eines Ausfalls der für die Geschwindigkeitsmessung zuständigen Sonden unterschätzt zu haben. Diese waren auf dem Flug vereist. Air France soll seine Piloten nicht ausreichend geschult und auf eine Extremsituation wie bei dem Unglücksflug vorbereitet haben, hatte es in der Anklage geheissen. Ein Expertengutachten hatte 2012 geurteilt, die Crew sei danach mit der eigentlich beherrschbaren Lage überfordert gewesen.

In erster Instanz waren Air France und Airbus vor zwei Jahren vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Das Gericht hatte damals geurteilt, dass sie zwar teils nachlässig oder unvorsichtig gehandelt hätten, doch ein eindeutiger Kausalzusammenhang zum Unglück sich nicht herstellen lasse.

Im Urteil hiess es dennoch, Vorfälle mit den Sonden seien von Airbus nicht ausreichend nachverfolgt worden, zudem seien Informationen zurückgehalten worden. Air France hätte seine Piloten besser auf Probleme mit den Sonden hinweisen können, hiess es.

Die juristische Aufarbeitung des Unglücks zog sich über viele Jahre. (Archivbild)
Die juristische Aufarbeitung des Unglücks zog sich über viele Jahre. (Archivbild)
Michel Euler/AP/dpa

Das Gericht stellte ausserdem eine zivilrechtliche Verantwortung der Unternehmen fest. Air France und Airbus hatten die Verantwortung für den Todesflug von sich gewiesen. Die Staatsanwaltschaft war gegen die erstinstanzliche Entscheidung in Berufung gegangen. Im Berufungsverfahren forderte sie nun eine Verurteilung.

Die juristische Aufarbeitung zog sich nach dem Absturz über lange Jahre. Dass es 2022 überhaupt zu einem Prozess kam, war für die Hinterbliebenen ein Erfolg. Denn noch 2019 hatten Ermittlungsrichter ein Verfahren abgewiesen.