«Ausnahmen und Doppelmoral» Alt Bundesrat Berset geht auf Trump los

Sven Ziegler

7.1.2026

Videos zeigen US-Angriff auf Venezuela

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Die USA haben militärische Ziele in Venezuela angegriffen. Aufnahmen aus dem südamerikanischen Land zeigen Explosionen und Rauch.

03.01.2026

Nach der Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro durch US-Truppen äussert sich die Schweiz offiziell zurückhaltend. Deutlichere Worte findet hingegen alt Bundesrat Alain Berset, der als Generalsekretär des Europarat vor einer Aushöhlung des Völkerrechts warnt.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die USA haben Venezuelas Präsident Nicolás Maduro festgenommen und vorübergehend die Kontrolle übernommen.
  • Der Bundesrat ruft zur Deeskalation und zur Einhaltung des Völkerrechts auf, ohne die USA namentlich zu kritisieren.
  • Europarats-Generalsekretär Alain Berset äussert sich deutlich kritischer und warnt vor einer Normalisierung von Gewalt in den internationalen Beziehungen.

Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela und der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro am 3. Januar hat die Schweiz offiziell zur Zurückhaltung aufgerufen, sich aber mit direkter Kritik an Washington zurückgehalten. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten verwies auf die Bedeutung von Deeskalation, territorialer Integrität und dem Gewaltverbot im Völkerrecht.

Deutlich schärfer fällt die Reaktion von Alain Berset aus. In einer Stellungnahme auf X, früher Twitter, betont der frühere Bundesrat, jede Anwendung von Gewalt auf dem Hoheitsgebiet eines anderen Staates werfe ernsthafte völkerrechtliche Fragen auf. Eine Welt, die «von Ausnahmen und Doppelmoral» geprägt sei, werde nicht sicherer, sondern instabiler.

Schweiz sperrt Maduros Vermögenswerte

Berset nennt weder die USA noch Präsident Donald Trump explizit. Seine Botschaft ist dennoch klar: Gewalt dürfe nicht zur politischen Normalität werden, und Recht nicht zum Instrument geopolitischer Interessen verkommen. Die aktuelle Entwicklung deute auf einen tieferen Wandel der internationalen Ordnung hin.

Zugleich mahnt der Europarats-Generalsekretär, die Lage in Venezuela nicht auf einfache Kategorien von Zustimmung oder Ablehnung zu reduzieren. Entscheidend sei, dass ein politischer Übergang friedlich, demokratisch und im Einklang mit dem Willen der Bevölkerung erfolge.

Parallel dazu hat der Bundesrat Massnahmen ergriffen, um mögliche Vermögenswerte von Maduro oder Personen aus seinem Umfeld in der Schweiz zu sperren. Ziel ist es laut Behörden, einen Abfluss von Geldern zu verhindern. Sollten sich die Vermögenswerte später als illegal erweisen, will sich die Schweiz dafür einsetzen, dass sie der venezolanischen Bevölkerung zugutekommen.

Die Massnahme ergänzt die seit 2018 geltenden Sanktionen gegen Venezuela. Mitglieder der amtierenden Regierung in Caracas sind davon nicht betroffen.