DänemarkAngriff oder Kauf: Widersprüchliche US-Signale zu Grönland
SDA
7.1.2026 - 05:35
Menschen nehmen an einem Marsch teil, der vor dem US-Konsulat unter dem Motto «Grönland gehört dem grönländischen Volk» endet. Auf einem Plakat steht geschrieben «We are not for sale!»...Schon vor Monaten protestierten Menschen in Grönland gegen Pläne der USA für die Insel. Foto: Christian Klindt Soelbeck/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits
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Im Streit um das zum Königreich Dänemark gehörende Grönland sendet die US-Regierung widersprüchliche Signale: Das Weisse Haus schliesst einen Militäreinsatz ausdrücklich nicht aus, während der Aussenminister Berichten zufolge von einem Kauf der autonomen Arktisinsel spricht.
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07.01.2026, 05:35
SDA
Die US-Regierung hat ihre Drohungen in der Sache zuletzt massiv verstärkt – sehr zum Ärger der europäischen Nato-Partner.
Präsident Donald Trumps Sprecherin Karoline Leavitt erklärte zum amerikanischen Anspruch auf Grönland am Dienstagabend (Ortszeit): «Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige aussenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.»
Trump soll neuen Plan zum Ankauf Grönlands verlangt haben
Aussenminister Marco Rubio, der aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das «Wall Street Journal» und die «New York Times» unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Unter Berufung auf Beamte berichtete die «New York Times» weiter, dass Präsident Donald Trump seine Mitarbeiter um die Vorlage eines aktualisierten Plans für einen Erwerb gebeten der Insel habe. Trump hatte einen solchen Plan bereits während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht. Die Sitzung soll am Montag stattgefunden haben.
Dänemark und Europäer wehren sich gegen US-Vorstösse
Dänemark hat den US-Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: «Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf.» Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.
In einer gemeinsamen Erklärung machten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Grossbritannien und Dänemark am Dienstag klar: Grönland gehört den Grönländern. «Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen», hiess es in der auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten Erklärung. Auch die Regierung in Grönland, wo nur rund 57.000 Menschen leben, lehnt die Begehrlichkeiten der US-Regierung ab.
Gegenwind auch im US-Kongress
Im US-Kongress gibt es in der Sache ebenfalls vereinzelt Kritik an Trumps Regierung. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, beide Mitglieder im Auswärtigen Ausschuss, teilten mit: Wenn Dänemark und Grönland klarstellten, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, müssten die USA ihre Vertragsverpflichtungen einhalten und die Souveränität des Königreichs Dänemark respektieren.
Trump verweist bei seinen Grönland-Besitzansprüchen immer wieder auch auf China und Russland. Wenn man sich Grönland entlang der Küste anschaue, sehe man überall russische und chinesische Schiffe, meint er. Es gehe nicht um Mineralien oder Öl, davon hätten die USA selbst genug. Die USA bräuchten Grönland für ihre nationale Sicherheit, argumentiert er. Trumps jüngste Äusserungen dazu folgten auf den US-Militäreinsatz in Venezuela und die weltweite Sorge, er könnte seinen Blick nun auch auf weitere Regionen werfen.
Klimawandel verstärkt Bedeutung Grönlands
Die grösste Insel der Welt liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend für die zivile und militärische Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltene Erden, vermutet. Seltene Erden stecken in allerlei täglichen Gebrauchsgegenständen wie Smartphones, Laptops und Fernsehern.
Trump hatte bereits 2019 in seiner ersten Amtszeit einen Besitzanspruch auf Grönland geäussert und wollte die Insel für die USA kaufen. Die Dänen hatten zunächst an einen Scherz geglaubt. Seitdem hat der US-Präsident seine Ansprüche auf die Arktisinsel mehrfach erneuert und dabei auch militärische Gewalt nicht ausgeschlossen, um Grönland unter seine Kontrolle zu bringen.
USA unterhalten in Grönland Militärstützpunkt
Die USA haben schon jetzt weitgehende Rechte, die Insel zur eigenen Verteidigung zu nutzen – unter anderem durch ein Verteidigungsabkommen von 1951. Im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk, betreibt das US-Militär seit langem einen Militärstützpunkt. Dieser unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen.
Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer grössere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Über Bereiche wie Aussen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter Dänemark – durch die Anbindung an das Königreich ist Grönland auch Teil der Nato.
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