Streit um Grönland eskaliert «Arroganz der USA kennt keine Grenzen» – so scharf reagiert die internationale Presse

Dominik Müller

18.1.2026

Hat mit seinen Zollankündigungen seine europäischen Verbündeten brüskiert: US-Präsident Donald Trump.
Hat mit seinen Zollankündigungen seine europäischen Verbündeten brüskiert: US-Präsident Donald Trump.
Keystone/AP Photo/Julia Demaree Nikhinson

Mit Strafzöllen gegen enge Nato-Partner will der US-Präsident Druck auf Europa ausüben – und löst damit weltweit scharfe Kritik aus.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Donald Trump hat Strafzölle gegen mehrere europäische Länder angekündigt, um Druck auf eine Annexion Grönlands durch die USA auszuüben.
  • Internationale Medien werfen Trump Erpressung, geopolitische Eskalation und die Gefährdung des NATO-Bündnisses vor.
  • Geäussert wird die Sorge vor einem Handelskrieg, während Trumps Vorgehen als verzweifelt und imperialistisch bewertet wird.

Im Konflikt um Grönland hat US-Präsident Donald Trump Zölle gegen mehrere europäische Staaten angekündigt. So reagierte die internationale Presse.

«The Telegraph» (Grossbritannien)

«Donald Trumps Versuch, Dänemark und Europa zu zwingen, die Annexion Grönlands zu akzeptieren, ist ein schändlicher Verrat am westlichen Bündnis, zeugt von einem auf törichte Weise falschen Verständnis der amerikanischen nationalen Interessen und ist ein gefährlicher, destabilisierender Schritt in der Weltpolitik. […]»

«Zölle gegen Nato-Partner zu verhängen, um die Inbesitznahme des Territoriums eines Mitgliedslandes zu erzwingen, ist Wahnsinn. Die Methode mag die übliche sein, doch dieses Ziel ist so weit jenseits des Akzeptablen, dass das Bündnis irreparabel zerstört werden könnte. […]»

«Dies unter dem fadenscheinigen Vorwand zu tun, dass die Entsendung einiger weniger Soldaten nach Grönland eine ‹sehr gefährliche Situation für die Sicherheit und das Überleben unseres Planeten› schaffe, ist verachtenswert. Die Ankunft von ein paar Dutzend Soldaten zu einer Übung stellt keine militärische Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar. Grossbritannien ging es darum, Trump zu beschwichtigen und zu zeigen, dass die Nato Grönland verteidigen kann – es ging nicht darum, anzudeuten, dass wir gegen ihn in den Krieg ziehen würden.»

«The Sunday Times» (Grossbritannien)

«Theoretisch würden die Zollkosten von den US-Verbrauchern getragen werden. In der Praxis jedoch stehen britische Exporteure vor dem Dilemma, entweder selbst dafür aufzukommen oder zu erleben, wie Preiserhöhungen dazu führen, dass ihre Umsätze in den USA nahezu versiegen. […]»

«Wirtschaftsführer hegen die schwache Hoffnung, dass der US-Präsident in seiner zweiten Amtszeit mehr bellt als beisst. So hatte er im Oktober für China Zölle in Höhe von 145 Prozent angekündigt – um sie später um zwei Drittel herunterzuhandeln.»

«Firmenchefs werden sich insgeheim fragen, ob diese neueste Bombe von Trump auf seiner Plattform Truth Social ein weiterer Fall von TACO (Trump Always Chickens Out, etwa: Trump macht immer einen Rückzieher) sein wird oder vielleicht die erste Salve in einem Streit, der schliesslich auf diplomatischem Weg beigelegt wird. […]»

«Nachdem die Exporteure im vergangenen Jahr bereits ein ähnliches Szenario durchgemacht haben, sind sie möglicherweise besser auf das vorbereitet, was nun folgen könnte. Bedauerlicherweise sind die Unternehmen aber einmal mehr nur Zuschauer in einem beispiellosen geopolitischen Spiel.»

Jyllands-Posten (Dänemark)

«Donald Trumps jüngste Drohungen gegen Grönland haben ungewöhnliche Bewegungen im amerikanischen Kongress ausgelöst. Hochrangige Parteikollegen wenden sich nun so deutlich gegen ihn, dass Trump dies nicht länger ignorieren kann.»

«Das ist ein gutes Zeichen für Dänemark und Grönland. Solange Donald Trump Präsident der USA ist, sollte man als Däne immer vorsichtig sein, sich mitreissen zu lassen, wenn amerikanische Politiker zu einem offiziellen Besuch nach Dänemark kommen. Das gilt auch für die elf Kongressabgeordneten, die am Freitag und Samstag mitten in der Grönlandkrise Kopenhagen besucht haben. Ihre warmen Worte und Unterstützungsbekundungen können schnell ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln, dass die USA immer noch der alte, loyale Verbündete sind, den wir seit Jahrzehnten kennen. Das sind die USA aber nicht.»

Berlingske (Dänemark)

«Trumps Zölle riechen nach Verzweiflung. Die Eigentumsverhältnisse in Grönland sind jetzt entscheidend für die Sicherheit des gesamten Planeten. Die Botschaft stammt von Donald Trump und zeugt von grosser Verzweiflung.»

«Es gibt nur ein Problem: Trump hat gezeigt, dass er plötzlich seinen Worten Taten folgen lässt. Es gibt Leute, die glauben, dass Donald Trump sich selbst in eine Ecke manövriert hat. Dass die Drohung mit Strafzöllen gegen die Länder, die gerade Soldaten nach Grönland geschickt haben, das Werk eines verzweifelten Mannes ist.»

Verdens Gang (Norwegen)

«Donald Trump betreibt reine Erpressung seiner engsten Verbündeten. Das ist grob fahrlässig und gefährlich.»

«Putin sitzt zufrieden an seinem langen Tisch im Kreml. Er muss nichts tun. Die Nato knirscht in den Fugen. Der Westen hat zu kämpfen. Und es gibt einen Hauptgrund für die Probleme: Donald Trump.»

«Denn Trump bedroht ein anderes Nato-Land. Er sagt, dass Norwegen und eine Reihe anderer europäischer Länder ab dem 1. Februar mit Strafzöllen belegt werden, wenn er Grönland nicht bekommt. Das ist völlig verrückt. Damit überschreitet er eine rote Linie.»

Der norwegischen «Verdens Gang» reicht mit «Vilt» ein einziges Wort als Überschrift. Auf Deutsch: «Wild!»
Der norwegischen «Verdens Gang» reicht mit «Vilt» ein einziges Wort als Überschrift. Auf Deutsch: «Wild!»
Screenshot Verdens Gang

Iltalehti (Finnland)

«Finnland und sieben weitere Nato-Staaten – Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien und die Niederlande – wollten mit der Entsendung von Truppen zumindest teilweise Trump beschwichtigen und die Situation rund um die Grönland-Debatte entschärfen. Diese Rechnung ging jedoch völlig daneben.»

«Anstatt die Truppen als Zeichen der Unterstützung für die Stärkung der Sicherheit in der Arktis zu sehen, interpretierte Trump sie als direkte Provokation.»

«Nach Trumps verdrehter Logik ist die Präsenz der Nato-Verbündeten der USA auf dänischem Hoheitsgebiet plötzlich eine ‹Bedrohung für den Weltfrieden›. Die als Friedensgeste gedachte Operation wirkte also genauso gut wie das Löschen von Flammen mit Benzin.»

Dagens Nyheter (Schweden)

«Sollen wir ein goldenes Dalahäst nach Washington schicken? Donald Trump spielt erneut die Zollkarte aus – diesmal, um acht europäische Länder, darunter Schweden, dazu zu zwingen, der Übernahme Grönlands durch die USA zuzustimmen. Die acht Länder werden sich wohl kaum beugen. Aber mit seinem Schachzug lenkt Trump die Aufmerksamkeit auf etwas anderes: dass Europa in der Dänemark-Frage nicht einig ist.»

Le Monde (Frankreich)

«Donald Trump entscheidet sich für eine Eskalation des Handelsstreits mit Europa, um die Annexion Grönlands zu erreichen.»

Grönland um jeden Preis, auf die Gefahr hin, einen Handelskrieg mit Europa zu provozieren und die Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO) zu sabotieren.

«Donald Trump behauptet, ‹die Sicherheit und den Weltfrieden zu schützen›. Er ist der Ansicht, dass diese Länder sich gegenüber den Vereinigten Staaten undankbar zeigen, angesichts all der Ausgaben, die in der Vergangenheit und heute zu ihrem Schutz getätigt wurden. Er greift erneut auf ein sehr zweifelhaftes Argument der nationalen Sicherheit zurück, um seine Ambitionen zu rechtfertigen, und verweist dabei auf ähnliche territoriale Ambitionen Chinas und Russlands, die jedoch nie formuliert wurden.»

Die Zeit (Deutschland)

«Es reicht!», titelt die deutsche «Zeit». Donald Trumps Zollankündigung komme einer «ökonomischen Kriegserklärung» gleich. «Die EU muss nun geschlossen reagieren. Ihre Chance: die Grossmäuligkeit des US-Präsidenten.»

T-Online (Deutschland)

«Was der US-Präsident an diesem Samstag über seine Plattform «Truth Social» zu Grönland erklärt hat, stellt eine beispiellose Eskalation dar. Unverhohlen droht er mit massiven Strafzöllen von bis zu 25 Prozent gegen Dänemark, aber auch Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und viele weitere Europäer, wenn ihm die arktische Insel nicht verkauft werde. [...]»

«Die Arroganz der amerikanischen Regierung kennt längst keine Grenzen mehr. Trumps Worte sind schon lange die eines klassischen Imperialisten. Er spricht nicht mehr mit Verbündeten. Er spricht über sie, wie über Vasallen. Deutlich wurde das schon als Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller sich öffentlich darüber lustig machte, dass sich den USA in der Grönland-Frage ohnehin niemand militärisch entgegenstellen würde. Seine Frau hatte die Übernahme-Ambitionen zuvor mit einer Grönland-Karte unter der US-Flagge erst so richtig ins Rollen gebracht. Kurz nach der Militäraktion in Venezuela postete sie diese mit dem Wort: ‹soon› (‹bald›).»

CNN (USA)

«CNN»-Moderator Jake Tapper kommentiert Trumps Zollankündigung so: «Das eskalierte schnell. [...] Die Tatsache, dass der Präsident sich darauf konzentriert, dass die Vereinigten Staaten Grönland von Dänemark übernehmen, einem Nato-Verbündeten, der pro Kopf mehr Soldaten in Afghanistan verloren hat als jeder andere Nato-Verbündete, schockiert wirklich viele Menschen auf der ganzen Welt und auch Republikaner im Kongress.»