Experten ordnen einHantavirus-Ausbruch – droht uns jetzt eine neue Pandemie?
Andreas Fischer
7.5.2026
Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: Kontaktperson in Düsseldorfer Klinik
Düsseldorf, 07.05.2026: Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Eine Person, die auf dem Schiff «Hondius» Kontakt zu einem Hantavirus-Fall hatte, kommt am späten Mittwochabend mit einem speziellen Transport-Konvoi zur vorsorglichen Untersuchung im Uniklinikum Düsseldorf (UKD) an. Einsatzkräfte der Feuerwehr Düsseldorf haben die Person zuvor am Flughafen in Amsterdam übernommen.
Nach Infektionen mit dem Hantavirus auf der «Hondius» hatte es auch drei Todesfälle gegeben – ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau starben. Drei Menschen wurden unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederländische Aussenministerium mitteilten.
07.05.2026
Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» sorgt weltweit für Besorgnis. Menschen aus mehreren Ländern sind schon vor einigen Tagen von Bord gegangen. Experten rufen zur Wachsamkeit auf.
Nach einem Virus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» im Atlantik sind drei Menschen tot. Der Fall sorgt derzeit für Schlagzeilen, auch weil Erinnerungen an die Covid-Pandemie wach werden.
Der Ausbruch bereitet immer mehr Ländern Sorgen. Bei einem Zwischenstopp des Schiffes «Hondius» hatten noch nach dem ersten Todesfall 29 Passagiere das Schiff verlassen. Sie kamen aus etwa 12 Ländern.
Die Passagiere hätten am 24. April auf der britischen Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans das Schiff verlassen. Das war aber den Angaben zufolge gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirus-Falles.
Auch ein Schweizer hatte in St. Helena das Schiff verlassen. Er ist ebenfalls mit dem Virus infiziert und befindet sich nun im Zürcher Universitässpital.
Inzwischen wurde ein weiterer möglicher Fall aus den Niederlanden gemeldet. Eine Flugbegleiterin liegt mit Symptomen in einem Amsterdamer Spital. Sie stand in direktem Kontakt mit einer infizierten Frau, die wenig später an dem Virus starb.
Eine deutsche Patientin mit Verdacht auf eine Hantavirusinfektion erreicht das Infektionszentrum der Uniklinik Düsseldorf.
Christoph Reichwein/dpa
Die Flugbegleiterin habe leichte Symptome und befinde sich in Isolation. Sie werde jetzt auf das Hantavirus getestet. Sie war in Johannesburg an Bord des KLM-Flugzeuges, auf dem für kurze Zeit auch eine Niederländerin war, die kurze Zeit später an dem Virus starb.
Um mögliche Übertragungen von Mensch zu Mensch zu vermeiden, empfiehlt die EU-Gesundheitsbehörde ECDC, Massnahmen zur Prävention und Kontrolle der Infektionen zu ergreifen. Experten halten das Risiko für einen grossen Ausbruch zwar für gering. Trotzdem mahnen sie zur Wachsamkeit.
Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Entwicklung des Hantavirus-Ausbruchs.
Was ist das Hantavirus?
Hantaviren gibt es auf allen Kontinenten. Der Name leitet sich ab von dem Fluss Hantan zwischen Nord- und Südkorea. Während des Korea-Kriegs Anfang der 50er-Jahre waren mehr als 3000 Soldaten schwer an dem Virus erkrankt.
Es existieren zahlreiche Hantavirus-Typen, die sich in ihrer geografischen Verbreitung sowie im Krankheitsbild und in ihrer Todesrate unterscheiden. Nach Angaben des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit (BAG) existiert ein einziger Hantavirus-Typ, der von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Dieser «Andestyp» kommt zwar selten vor, ist nach ersten Analysen aber für den aktuellen Ausbruch verantwortlich.
Ist der Hantavirus-Ausbruch überraschend?
Nein, sagen Forschende. Vielmehr sei es ein Phänomen, «das wir bei seltenen Viren immer wieder sehen. Sie sind nicht leicht übertragbar, und trotzdem kommt es durch Zufall oder unglückliche Umstände zu solchen Ereignissen», erklärt Virologin Isabelle Eckerle von den Genfer Universitätsspitälern gegenüber SRF.
Ist das Hantavirus bereits mutiert?
Diese Frage gehört zu den drängendsten. Eine Mutation würde gegebenenfalls bedeuten, dass das Virus leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Derzeit werden Proben in verschiedenen WHO‑Laboren untersucht. Die Sequenzierung dauert allerdings einige Zeit. Mit Ergebnissen ist frühestens in einigen Tagen zu rechnen.
«Es gibt für das Virus eigentlich keinen Grund, zu mutieren», sagt Isabella Eckerle. Es fühle sich «sich im Nagetier wohl, das Nagetier wird nicht krank». Sie erwarte daher kein verändertes Virus.
Wie bewerten Experten den Hantavirus-Ausbruch?
Isabella Eckerle bekräftigt, dass Ereignisse wie der aktuelle Hantavirus-Ausbruch für Virologen zum Alltag gehören und kontrolliert würden: «Als grossen Ausbruch würde ich das nicht bezeichnen. Was mir auffällt, ist die erhöhte Aufmerksamkeit seit der Covid-19-Pandemie.» Vor 2020 wäre die Aufmerksamkeit wahrscheinlich nicht so gross gewesen, so Eckerle.
Was ist über den Ursprung von Hantavirus-Ausbruch bekannt?
Bisher nicht viel. Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» suchen Forscher in Argentinien nach dem Ursprung der jüngsten Infektionen. Wissenschaftler des Forschungsinstituts Malbrán sollen in der im äussersten Süden des Landes gelegenen Stadt Ushuaia Nagetiere einfangen und auf das Virus untersuchen, wie die argentinische Regierung mitteilte.
Droht nun eine Hantavirus-Pandemie?
Manuel Schibler, verantwortlicher Arzt am Labor für Virologie der Genfer Universitätsspitäler, schätzt das Risiko einer weitreichenden Epidemie als gering ein. Er verwies auf einen Ausbruch in Argentinien zwischen Ende 2018 und Anfang 2019.
«Wir haben ein ziemlich aussagekräftiges Beispiel einer Epidemie [...], die zu 34 dokumentierten Fällen führte, darunter 11 Todesfälle.» Man gehe davon aus, dass die aktuelle Ausbreitung nicht über einige Dutzend Fälle hinausgehe.
Auch Isabella Eckerle glaubt, dass «dieses Ereignis keine Relevanz für die allgemeine Bevölkerung» hat. «Ich rechne nicht mit dem nächsten Pandemie-Virus.» Zwar sei die Situation sehr komplex, «da Menschen aus verschiedenen Ländern betroffen sind. Trotzdem beunruhigt es mich nicht sehr, abgesehen von der Tragik für die Betroffenen.»
Mit Material der Nachrichtenagenturen SDA, dpa und AFP.
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