«Wie ein Kokain-Dealer aus einem Charles-Dickens-Roman»

Philipp Dahm

10.12.2018

In Trumps Stab gab es schon so viele Wechsel, dass er wahrscheinlich selbst nicht mehr alle Namen auf die Reihe bekommt.
Getty Images

Namens-Limbo in der US-Politik: Können Sie noch mithalten bei all den Muellers, Flynns, Manaforts oder Stones? Dem Humorgott sei Dank: Late-Night-Lehrer wie Meyers und Colbert geben gern Nachhilfe.

Es ist ganz offenbar nicht so einfach, ein Ex-Angestellter von Donald Trump zu sein. Nehmen Sie nur mal Rex Tillerson, der bis März noch Aussenminister der USA war. Heute ist er bloss noch dumm wie Brot, wenn man Donald Trumps Tweet Glauben schenken will:

Und da sind wir noch gar nicht angekommen bei Robert Mueller – oder den Michael Flynns, den Roger Stones oder den Paul Manaforts dieser Welt: Weil man bei den vielen Namen und Vorwürfen schnell den Überblick verlieren kann, lassen wir das US-TV erklären, wie der Hase auf der anderen Seite des Atlantiks läuft. 

«Wie ein Kokain-Dealer aus einem Charles-Dickens-Roman»

Donald Trump ist nicht gut auf seinen Ex-Anwalt Michael Cohen zu sprechen, seitdem jener mit den Strafverfolgern kooperiert, die den Präsidenten im Visier haben. Den Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort und seinen Vertrauten Roger Stone, die nicht gegen den 72-Jährigen aussagen, lobt der oberste Republikaner dagegen auf Twitter für ihr Schweigen. «Schön zu sehen, dass einige Leute noch ‹Eier› in der Hose haben.»

«Er hat Recht, was Stones Eier angeht. Das ist ein echtes Foto seines Outfits von [Trumps] Amtseinführung», kommentiert der Gastgeber von «Late Night with Seth Meyers». «Man braucht wirklich Eier, um öffentlich rumzulaufen wie ein Kokain-Dealer aus einem Charles-Dickens-Roman.»

Seth Meyers ungläubig: So ist der Typ herumgelaufen – kein Scherz!
Screenshot YouTube

Kein Wunder, dass Trumps Getreue wie Roger Stone oder Paul Manafort auf Linie bleiben, während Flynn oder Ex-Anwalt Michael Cohen bei Mueller ausgepackt haben. Doch nun torpediert der US-Präsident die Arbeit des Sonderermittlers, indem er etwa einem Manafort Ende November präsidialen Straferlass in Aussicht stellt.

So muss sein Ex-Angestellter nicht auf einen Deal «Aussage gegen Straffreiheit» eingehen, was den – notabene – republikanischen Anwalt George Conway veranlasst hat, via Tweet zu fragen: Versucht hier jemand, illegalerweise Zeugen zu beeinflussen?

«Das Beste daran: Weil er die tatsächlichen Gesetze twitterte, hat er sichergestellt, dass Trump keine Ahnung hat, worüber er redet», ätzt Meyers. Erklären könnte es ihm sein Anwalt Rudy Giuliani, doch dessen SMS-Reaktion auf einen Mueller-Deal mit dem Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn zeigt, dass der Advokat anscheinend ein Wirrkopf ist (ab Minute 4.33). Meyers fragt da nur noch: «Hat Giulianis iPhone Auto-Incorrect?»

Tatsächlich hat es der frühere New Yorker Bürgermeister nicht so mit der Technik: Gerade erst sorgte Giuliani für Gelächter, als er in einem Tweet versehentlich einen Link kreierte, den dann jemand für lumpige fünf Dollar gekauft hat, um folgende Botschaft dort zu platzieren:

Künstlerpech: Rudy Giulianis Link führt nun zu dieser Botschaft.
Screenshot YouTube

Ab Minute 7.04 können Sie sich anhören, wie eine Frau aus Wisconsin tönt, die ziiiiiiiiiemlich wütend auf die Republikaner ist. Hier das Bild dazu:

«Meyers über die Wutbürgerin: «We love you, Jen!»
Screenshot YouTube

Ach ja, Wisconsin! Ein Staat, indem die Demokraten gewinnen und die Republikaner nur 45 Prozent der Stimmen holen, aber dennoch 64 Prozent der Sitze bekommen (ab Minute 9.12). Was soll man dazu noch sagen?

Mike Pence – nicht Fisch, nicht Vogel

Trump hat sich vergangene Woche mit Beratern getroffen, um über den Wahlkampf für 2020 zu sprechen. Erstes Opfer der Konsultation ist offenbar Mike Pence.

Der Vizepräsident «lenkt nicht davon ab, aber er trägt auch nichts bei», zitiert Stephen Colbert in seiner «Late Show» das US-Magazin «Vanity Fair» – und witzelt über die Blässe des 59-Jährigen. Lustiger ist das: Der Gastgeber spricht darüber, dass der Abgas-Ausstoss «wie ein rasender Güterzug » beschleunige.

In dem «New York Times»-Artikel heisst es, 2018 seien 37,1 Gigatonnen in die Luft geblasen worden, was «grob 100'000 Mal dem Gewicht des Empire State Buildings» entsprechen würde. «Ich finde es wirklich toll, wenn der Klimawandel in ein Schema gepackt wird, das jedermann versteht. Meine Dankbarkeit für diese Metapher ist 17 Mal so gross wie ein Goldfisch-Traum.»

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