Festnahme wegen FluchtrisikoBolsonaro beschädigt Fussfessel mit Lötkolben − «Aus Neugier»
dpa
23.11.2025 - 17:24
Bolsonaro bearbeitet Fussfessel mit Lötkolben und kommt ins Gefängnis
STORY: Anhänger und Gegner des früheren brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro sind am Samstag aneinandergeraten. Vor einer Polizeidienststelle in der Hauptstadt Brasilia, wo Bolsonaro in Gewahrsam gehalten wird, lieferten sie sich Wortgefechte und Rangeleien. Beide Lager hatten sich versammelt, um die Festnahme des Ex-Präsidenten zu feiern, beziehungsweise dagegen zu protestieren. Bolsonaro war zuvor aus dem Hausarrest in Haft genommen worden. Ein Richter des Obersten Gerichtshofs begründete die Entscheidung mit Fluchtgefahr und Manipulationen an Bolsonaros elektronischer Fussfessel. Polizeibeamte fanden die elektronische Fussfessel mit «deutlichen und erheblichen Schäden» und Brandspuren vor. In einem mit Genehmigung des Richters veröffentlichten Video gab der Ex-Präsident zu, einen Lötkolben benutzt zu haben, um die Fussfessel zu öffnen, ohne ein Motiv dafür zu nennen. Der rechtsgerichtete Politiker war im September zu 27 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Ihm wird ein Angriff auf die Demokratie und ein geplanter Putsch nach seiner Wahlniederlage 2022 vorgeworfen. Er hat Berufung dagegen eingelegt. Ein Antrag der Verteidigung auf «humanitären Hausarrest» aus gesundheitlichen Gründen war am Freitag abgewiesen worden. Bolsonaro stand seit mehr als 100 Tagen unter strengem Hausarrest, weil er in einem separaten Verfahren gegen Auflagen verstossen hatte. Nach der Festnahme wurde er an einen Standort der Bundespolizei gebracht, wo er den Angaben zufolge in einem rund zwölf Quadratmeter grossen Raum mit Einzelbett, Fernseher, Klimaanlage und eigenem Bad untergebracht ist.
23.11.2025
Brasiliens Ex-Präsident wird festgenommen – und räumt ein, seine Fussfessel im Hausarrest angeschmort zu haben. Ein Video zeigt Spuren des Manipulationsversuchs. Wollte er fliehen?
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DPA, Redaktion blue News
23.11.2025, 17:24
dpa
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Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro hat seine elektronische Fussfessel mit einem Lötkolben angeschmort, bestreitet jedoch, sie abnehmen zu wollen.
Wegen der Befürchtung einer möglichen Flucht nahm ein Richter ihn trotz laufender Berufung gegen seine lange Haftstrafe präventiv fest.
Während die US-Regierung das Vorgehen der brasilianischen Justiz kritisiert, verteidigen Bolsonaros Anwälte ihn und sprechen von einer verzerrten Darstellung der Ereignisse.
Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro hat eigenen Angaben zufolge in der Nacht vor seiner Festnahme seine elektronische Fussfessel mit einem Lötkolben beschädigt. «Ich habe da heisses Eisen draufgehalten. Aus Neugier», sagte Bolsonaro einer Beamtin bei der Kontrolle des Geräts, wie auf einem vom Obersten Gerichtshof veröffentlichten Video zu sehen ist. Auf Nachfrage, ob es sich um ein Bügeleisen gehandelt habe, antwortete Bolsonaro: «Nein, ein Lötkolben.» Er habe die Fussfessel, die er während seines Hausarrests tragen musste, aber nicht abnehmen wollen, beteuerte er.
Auf dem Video ist zu sehen, dass das schätzungsweise knapp zehn Zentimeter grosse Kunststoffgehäuse des Funkapparats über Bolsonaros Fussknöchel ringsherum angeschmort ist. Das eigentliche Gerät blieb laut der Beamtin aber «offenbar intakt».
«Aus Neugier»: Bolsonaro beschädigt Fussfessel mit Lötkolben - Gallery
Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro stand wegen Verstössen gegen gerichtliche Auflagen unter Hausarrest. (Archivbild)
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Wegen eines «konkreten Fluchtrisikos» wurde Bolsonaro festgenommen. (Archivbild)
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Die elektronische Fussfessel an Bolsonaros linkem Knöchel sorgt für Diskussionsstoff. (Archivbild)
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Bolsonaros Sohn Flavio trat bei einer Mahnwache vor dem Haus seines Vaters auf.
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«Aus Neugier»: Bolsonaro beschädigt Fussfessel mit Lötkolben - Gallery
Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro stand wegen Verstössen gegen gerichtliche Auflagen unter Hausarrest. (Archivbild)
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Wegen eines «konkreten Fluchtrisikos» wurde Bolsonaro festgenommen. (Archivbild)
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Die elektronische Fussfessel an Bolsonaros linkem Knöchel sorgt für Diskussionsstoff. (Archivbild)
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Bolsonaros Sohn Flavio trat bei einer Mahnwache vor dem Haus seines Vaters auf.
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Bolsonaro befand sich seit August wegen Verstössen gegen gerichtliche Auflagen im Hausarrest. Am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) wurde er wegen des Verdachts eines «konkreten Fluchtrisikos» und einer «Bedrohung der öffentlichen Ordnung» festgenommen. Dabei handelte es sich nicht um die Vollstreckung der Strafe wegen eines versuchten Staatsstreichs, für die er im September zu über 27 Jahren Haft verurteilt worden war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, mit einer Vollstreckung wurde zuletzt kommende Woche gerechnet.
Richter befürchtete Flucht Bolsonaros
Die Entscheidung zur Festnahme beruhte nach Angaben der Ermittler auf neuen Erkenntnissen der Bundespolizei. Kurz nach Mitternacht hatte die Fussfessel demnach Alarm ausgelöst, was auf einen Manipulationsversuch hingedeutet habe. Hinzu kam, dass der Sohn des Ex-Präsidenten, Senator Flávio Bolsonaro, zuvor zu einer nächtlichen Mahnwache vor dem Haus seines Vaters aufgerufen hatte.
Laut Bundesrichter Alexandre de Moraes hätte ein tumultartiger Verlauf dieser «Mahnwache» eine Kontrolle des Hausarrests erschweren und Bolsonaro eine Flucht im Schutze des Chaos ermöglichen können – möglicherweise zur nahegelegenen Botschaft eines ihm wohlgesonnenen Landes wie den USA, wo er sich dann vor den Strafverfolgern hätte verschanzen können. Moraes entschied daraufhin, Bolsonaro präventiv in Haft zu nehmen.
Anhänger des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro beten am 22. November 2025 vor dem Hauptquartier der Bundespolizei in Brasília, wo der Ex-Präsident nach seiner Festnahme inhaftiert ist.
KEYSTONE/EPA/ISAAC FONTANA
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump unterstützt den rechtskonservativen Ex-Militär Bolsonaro, der seine Wahlniederlage 2022 bis heute nicht akzeptiert und nach Überzeugung des Obersten Gerichts mit Militärs und politischen Verbündeten einen Staatsstreich gegen die Regierung seines linken Nachfolgers Luiz Inácio Lula da Silva plante. Washington wirft der brasilianischen Justiz eine politisch motivierte Kampagne gegen Bolsonaro vor.
Anwälte nehmen Bolsonaro in Schutz
Nach der Festnahme des Ex-Präsidenten bezeichnete der stellvertretende US-Aussenminister Christopher Landau den landesweit bekannten Richter Moraes als «Menschenrechtsverletzer», der mit seinem «provokativen» Vorgehen Schande über das Oberste Gericht gebracht habe. «Die USA sind zutiefst besorgt über seine jüngste Attacke auf den Rechtsstaat und die politische Stabilität in Brasilien», schrieb Landau auf der Plattform X.
Nach der Verhaftung des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro in Brasília am 22. November 2025 feierten Demonstrierende auf den Strassen.
KEYSTONE/EPA/VINICIUS SANTA ROSA
Bolsonaros Anwalt Paulo Cunha Bueno gab keine Erklärung für die Beschädigung der Fussfessel ab. Die «Gebetsmahnwache» sei als religiöse Veranstaltung durch die Verfassung geschützt gewesen, betonte er. Trotz der veröffentlichten Belege des Obersten Gerichtshofs und der Aussagen Bolsonaros zum Einsatz eines Lötkolbens sprach der Anwalt von einer verzerrenden Darstellung der Justiz, mit der «das nicht zu Rechtfertigende rechtfertigt werden soll».