DeutschlandBaerbock stellt Syrien Lockerung von Sanktionen in Aussicht
SDA
12.1.2025 - 13:53
Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock in Riad. Foto: Andreas Hoenig/dpa
Keystone
Aussenministerin Annalena Baerbock hat Syrien nach dem Sturz von Langzeit-Machthaber Baschar al-Assad eine Lockerung von EU-Sanktionen in Aussicht gestellt. Die Grünen-Politikerin sagte am Rande einer internationalen Konferenz in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad: «Die Chance auf eine Zukunft für Syrien dürfen wir als internationale Gemeinschaft bei all der berechtigten Skepsis nicht verstreichen lassen. Daher gehen wir als Deutschland und als Europa jetzt erste konkrete Schritte.»
Keystone-SDA
12.01.2025, 13:53
SDA
«Sanktionen gegen den Assad-Clan und seine Schergen, die während des furchtbaren Bürgerkriegs in Syrien schwere Verbrechen begangen haben, müssen aufrechterhalten bleiben», sagte Baerbock. Die Bundesregierung schlage aber in der Europäischen Union vor, einen «smarten Ansatz» zu wählen und die syrische Bevölkerung jetzt schnell zu unterstützen, damit es in Geschäften oder auf Märkten etwas zu essen zu kaufen gebe, damit es mehr Strom gebe und der Wiederaufbau angegangen werden könne. «All das fördert Stabilität und sichert den friedlichen Machtübergang.»
Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas schrieb auf der Plattform X, man werde prüfen, wie Sanktionen gelockert werden könnten. Dies müsse jedoch mit greifbaren Fortschritten bei einem politischen Übergang einhergehen, der Syrien in seiner ganzen Vielfalt widerspiegle.
Die EU hatte ab 2011 als Reaktion auf das gewaltsame Vorgehen der Assad-Regierung gegen die Zivilbevölkerung Sanktionen gegen Syrien verhängt. Diese richten sich gegen die nun gestürzte Regierung und deren Unterstützer sowie gegen Wirtschaftssektoren, von denen die Regierung profitierte. Zu den EU-Massnahmen zählen etwa ein Verbot von Investitionen in die syrische Ölindustrie und in Unternehmen, die an der Errichtung neuer Kraftwerke zur Stromerzeugung in Syrien beteiligt sind, ein Einfuhrverbot für Rohöl aus Syrien, ein Waffenembargo sowie weitere Ausfuhrbeschränkungen.
Phase des Umbruchs
An der Konferenz in Riad nahmen neben Aussenministern arabischer Staaten auch Syriens De-facto-Aussenminister Asaad al-Schaibani, der türkische Aussenminister Hakan Fidan und der britische Aussenminister David Lammy teil. Aus der EU war neben Baerbock unter anderem die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas vor Ort.
Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad am 8. Dezember 2024 befindet sich Syrien in einer Phase des politischen Umbruchs und der Neuorientierung. Seitdem wird das immer noch zersplitterte Land von einer Übergangsregierung geführt. Sie entstand aus der Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS), die Assad durch eine von ihr angeführte Rebellenoffensive in die Flucht nach Russland zwang. Syrien ist konfessionell stark gespalten. Ausländische Staaten haben teils grossen Einfluss auf die Entwicklungen in dem Land, in dem fast 14 Jahre lang ein Bürgerkrieg tobte.
In Syrien und international wird in diesen Wochen genau beobachtet, ob HTS die Rechte etwa von Frauen oder religiösen Minderheiten im Land respektieren und diese am öffentlichen Leben teilhaben lassen wird. Vor allem im Norden des tief gespaltenen Landes kommt es unterdessen weiterhin zu Kämpfen. Kurdische Milizen kämpfen dort gegen von der Türkei unterstützte Kämpfer, auch die türkische Luftwaffe und Artillerie ist dabei im Einsatz. Experten zufolge hat vor allem die Türkei durch den Umbruch in Syrien an Einfluss gewonnen.
Baerbock sagt weitere humanitäre Unterstützung zu
Baerbock sagte weitere Hilfe zur Verbesserung der humanitären Lage in Syrien zu. Deutschland werde das UN-Welternährungsprogramm und verschiedene Nicht-Regierungsorganisationen noch einmal mit zusätzlichen 50 Millionen Euro für Essen, Notunterkünfte und medizinische Versorgung unterstützen, sagte Baerbock.
Die humanitäre Lage sei weiterhin katastrophal, die gegenwärtige Situation sei volatil. «Für den so wichtigen politischen Übergang braucht es dringend eine Verbesserung der Lebensumstände der Menschen in den unterschiedlichen Regionen.» Baerbock nannte ausserdem eine Aufarbeitung von Verbrechen der Assad-Regierung. Menschenrechtler haben unter Assad und seinem Vater Hafis, die gemeinsam mehr als 50 Jahre regierten, systematische Tötungen, Folter und andere Verbrechen in Tausenden Fällen dokumentiert.
Der Bürgerkrieg in Syrien hat für die Menschen, Infrastruktur und die Wirtschaft des Landes verheerenden Folgen gehabt. 16 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, 70 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Die Wirtschaft ist seit 2011 um 85 Prozent geschrumpft. Der Wiederaufbau könnte schätzungsweise zwischen 250 und 400 Milliarden US-Dollar kosten. Etwa 13 Millionen Menschen wurden im Land vertrieben oder flüchteten ins Ausland.
Schwieriger Übergang
Deutschland und Europa stünden an der Seite der Syrerinnen und Syrer für ein freies und friedliches Syrien für alle Menschen, sagte die Aussenministerin. Dies habe sie bereits bei ihrem Besuch in Damaskus vor gut einer Woche deutlich gemacht. Es brauche einen politischen Dialog unter Einbeziehung aller Syrerinnen und Syrer, egal welcher Religion, welcher ethnischen Herkunft, egal ob Mann oder Frau. Das Treffen in Riad sei wichtig, dass sich zentrale europäische Partner mit den Partnern aus der Region intensiv austauschten.
Syrien brauche eine starke internationale Unterstützung, machte Baerbock deutlich. Man müsse «in dieser absolut volatilen Situation» nicht nur verhindern, dass es zu weiteren gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt, sondern vor allen Dingen, dass es zu einem Wiedererstarken der Terrormiliz Islamischer Staat komme.
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
Berlin, 27.04.2026: Krisendiplomatie in New York: Aussenminister Johann Wadephul fordert mehr Einsatz vom UN-Sicherheitsrat im Iran-Konflikt.
O-Ton Johann Wadephul, Aussenminister
«Die UN müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, insbesondere der Sicherheitsrat. Kriege und Konflikte schwelen, und wir sehen zum Teil die Unfähigkeit von Staaten, effektive Konfliktlösungsmechanismen in Kraft zu setzen. Insbesondere der Konflikt um den Iran und die blockierte Strasse von Hummus wird ein Thema sein, zu dem ich auch das Wort ergreifen werde im Sicherheitsrat.»
Wadephul fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse handlungsfähiger werden: Blockaden, auch durch China und Russland, dürften Lösungen nicht länger verhindern.
Deutschland hofft zudem auf ein UN-Mandat für eine mögliche Mission in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Route für die weltweite Energieversorgung.
In New York plant Wadephul Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres sowie weiteren ranghohen UN-Vertretern und Amtskollegen. Dabei soll es auch um die Zukunft der Vereinten Nationen gehen.
28.04.2026
Einsatz im Mittelmeer: Minenjagdboot wird bald wegen Iran-Krieg verlegt
Das deutsche Minenjagdboot «Fulda» soll schon bald aufbrechen – Verteidigungsminister Boris Pistorius will, dass es schnell geht, sollte demnächst ein Einsatz zur Sicherung der Strasse von Hormus anstehen. Pistorius betont, Voraussetzung für einen Einsatz sei zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnert er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich sei.
27.04.2026
Pete Hegseths «Pulp Fiction»-Gebet
Verteidigungsminister Pete Hegseth zitiert am 16. April auf einer Pressekonferenz in Washington ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei.
«Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos. Hegseth zitiert ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos.
Im Video siehst du jedoch, dass es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» von 1994 handelt, das nur an den Bibelvers angelehnt ist.
17.04.2026
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
Einsatz im Mittelmeer: Minenjagdboot wird bald wegen Iran-Krieg verlegt