Sein neues Leben Baschar Al-Assad – der Promi-Augenarzt der Moskauer Elite

Philipp Dahm

16.12.2025

Syrien feiert Jahrestag des Bürgerkriegsendes

Syrien feiert Jahrestag des Bürgerkriegsendes

STORY: Syrien begeht am Montag den ersten Jahrestag des Sturzes von Baschar al-Assad. Im ganzen Land finden offizielle Feiern und Militärparaden statt, Hunderttausende Menschen nehmen teil. Mohammed Karam Hammami, Aleppo: «Wir haben angefangen, über das Land nachzudenken, das Land zu lieben. Früher liebten wir das Land nicht, wir versuchten immer, ihm zu entkommen. Jetzt haben sich Chancen ergeben. Die Jugend hat angefangen zu erkennen, dass wir eine Rolle beim Aufbau der Gesellschaft haben und dass wir etwas zum Aufbau der Nation beitragen müssen.» Fayhaa Rifaei, Damaskus: «Die Leute sind glücklich und ich danke Gott, das wir alle glücklich sind. Ich danke ihm für alles.» Abdul Ghani Al-Mohammed, Latakia: «Wir können kaum glauben, dass wir innerhalb eines Jahres einen Tyrannen losgeworden sind, der sechs Jahrzehnte, also nahezu 60 Jahre, geherrscht hat. Das war ein grosser Traum von uns, und Gott sei Dank hat Er unsere Gebete erhört.» Assad hatte Syrien vor einem Jahr verlassen und war nach Russland geflohen, als Rebellen unter Führung des heutigen Präsidenten Ahmed al‑Scharaa Damaskus einnahmen und damit mehr als 13 Jahre Bürgerkrieg beendeten. Al‑Scharaa will das Land durch eine Übergangsphase führen, die noch vier Jahre dauern soll. Zugleich kommt das Land nicht zur Ruhe: Wiederkehrende konfessionelle Gewalt hat Hunderte Todesopfer gefordert, ethnische und religiöse Minderheiten bleiben misstrauisch.

08.12.2025

Eigentlich muss Baschar al-Assad ja gar nicht mehr arbeiten: Als Syriens Ex-Diktator in sein Moskauer Exil flieht, nimmt er Hunderte Millionen Dollar mit. Doch nun will es der 60-Jährige angeblich nochmal wissen: Er frischt seine Augenarzt-Kenntnisse auf – und hat die Moskauer Elite im Blick.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Seitdem Baschar al-Assad am 8. Dezember 2024 aus Damaskus geflohen ist, lebt er mit seiner Familie in Moskau.
  • Die Familie soll ein Vermögen von bis zu zwei Milliarden Dollar haben und rund 20 Immobilien in Russland besitzen.
  • Der Kreml zwingt al-Assad angeblich, ein kleines Profil zu bewahren. Im Oktober wurde berichtet, Baschar spiele jeden Tag viele Stunden Videospiele.
  • Nun meldet der «Guardian», al-Assad lerne Russisch und frische seine Kenntnisse als Augenarzt auf, um wieder zu praktizieren.
  • Der Gesundheitszustand seiner Frau Asma, die an Leukämie erkrankt ist, soll sich durch eine experimentelle Behandlung stabilisiert haben.

Was macht eigentlich Baschar al-Assad? Um Syriens Ex-Diktator ist es still geworden, seit sich der 60-Jährige mit seiner Familie am Morgen des 8. Dezember 2024 in Damaskus in seinen Privatjet gesetzt hat, um nach Moskau zu fliehen. Zwei Tage später teilt Russland mit, al-Assad sei nach einer persönlichen Entscheidung zurückgetreten.

Im April hat der Kreml al-Assad Asyl gewährt, doch sein Aufenthalt ist mit strengen Auflagen verbunden, schreibt «Euronews» im Oktober. Er darf weder öffentliche Auftritte noch politische Aktivitäten wahrnehmen, hat demnach der russische Botschafter im Irak verraten. Wladimir Putins Geheimdienst soll al-Assad genau im Blick haben.

Im September berichtet die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, al-Assad habe neun Tage in einem Spital verbringen müssen, nachdem er eine Vergiftung erlitten habe. Russlands Aussenminister Sergej Lawrow definierte das: Assad habe «keine Probleme, während er in unserer Hauptstadt lebt».

Davon sollte man auch ausgehen, denn am Betteltuch nagt der frühere Herrscher von Syrien sicherlich nicht. Das US-Aussenministerium schätzt den Reichtum der Familie 2022 auf eine bis zwei Milliarden Dollar, die auf Konten, in Firmenbeteiligungen, in Immobilienobjekten und in Steueroasen versteckt seien. In Russland soll er rund 20 Immobilien besitzen.

Baschar frischt seine medizinischen Kenntnisse auf

Das Geld sollen die Assads mit Erpressungen sowie dem Waffen- und Drogenschmuggel verdient haben. Und doch leidet die Familie: Im Mai 2024 war bekannt geworden, dass Baschars Frau Asma an einer akuten myeloischen Leukämie erkrankt ist.

Bild vom Hochzeitstag von Baschar und Asma al-Assad im Dezember 2000. Die privaten Fotos wurden in al-Assads Palast in Damaskus gefunden.
Bild vom Hochzeitstag von Baschar und Asma al-Assad im Dezember 2000. Die privaten Fotos wurden in al-Assads Palast in Damaskus gefunden.
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Die Hamburger «Zeit» weiss, dass al-Assad zurückgezogen in einem Luxus-Apartment in einem Wolkenkratzer in Geschäftsviertel Moskwa City lebt. Er bemühe sich, unauffällig zu bleiben, gehe kaum raus und verbringe viele Stunden am Tag mit Videospielen, heisst es weiter. Ein sonderbares Bild, wenn man bedenkt, dass dem Mann der Mord an Hunderttausenden vorgeworfen wird.

Doch nun scheint es so, als könnte das Jahr für die Familie doch noch versöhnlich ausgehen. Asmas Gesundheitszustand soll sich stabilisiert haben, nachdem sie einer experimentellen Behandlung unterzogen worden ist, meldet der «Guardian». Ihr Mann hat sich derweil offenbar vorgenommen, ein neues Leben zu beginnen.

Bschar al-Assad hat Spass in Syrien: Auch dieses Foto wurde nach seiner Flucht entdeckt.
Bschar al-Assad hat Spass in Syrien: Auch dieses Foto wurde nach seiner Flucht entdeckt.
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«Er studiert Russisch und frischt seine Kenntnisse in Augenheilkunde wieder auf», sagt ein Freund der Familie Assad dem britischen Blatt. «Das ist eine Leidenschaft von ihm, er braucht das Geld offensichtlich nicht. Schon bevor der Krieg in Syrien begann, hat er regelmässig in Damaskus seine Augenheilkunde praktiziert.»

Kinder müssen sich umgewöhnen

Die wohlhabende Elite in Moskau könnte sein Zielpublikum sein, schreibt der «Guardian». Manchmal halte sich Baschar auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf, wohne aber in der Regel in dem bewachten Moskauer Villenviertel Rubljowka. «Es ist ein sehr stilles Leben», sagt die Quelle des «Guardian».

Die Kinder müssen sich an ihren neuen Status erst noch gewöhnen, sagt der Familienfreund. «Sie sind etwas benommen. Ich glaube, sie stehen immer noch ein bisschen unter Schock. Sie gewöhnen sich gerade an das Leben, in dem sie nicht die königliche Familie sind.»

Vom Kreml kann der Syrer keine grosse Unterstützung erwarten: «Putin hat wenig Geduld mit Führern, die ihre Macht verlieren, und Assad wird nicht mehr als einflussreiche Figur oder gar als interessanter Gast gesehen, den man zum Essen einladen kann», erklärt ein Experte.


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