Ausgesetzte KleinkinderBehörden nehmen französisches Paar in Untersuchungshaft
Gabriela Beck
25.5.2026
Ein Fahrzeug der Nationalen Gendarmerie Portugals (GNR) mit Marine R. und Marc B., die verdächtigt werden, zwei Kinder ausgesetzt zu haben, trifft am 23. Mai 2026 am Gericht von Setúbal in Portugal ein.
AFP/FILIPE AMORIM
Mit verbundenen Augen mitten im Wald zurückgelassen: Was zwei kleine Jungen über das angebliche «Spiel» ihrer Mutter erzählen, ist erschütternd – und wirft Fragen über das Leben eines Paares auf, das nach aussen völlig unauffällig wirkte.
Agence France-Presse
25.05.2026, 15:56
Gabriela Beck
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In Portugal sind eine Französin und ihr Lebensgefährte in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem sie ihre vier- und fünfjährigen Söhne mutmasslich allein in einem Wald ausgesetzt haben sollen.
Die Kinder wurden weinend an einer Strasse nahe Comporta gefunden und berichteten, ihre Mutter habe ihnen «für ein Spiel» die Augen verbunden und sie anschliessend zurückgelassen.
Während den beiden die Gefährdung der Kinder vorgeworfen wird, steht der 55-jährige frühere Polizist zusätzlich unter Verdacht, eines der Kinder körperlich misshandelt zu haben.
In dem Aufsehen erregenden Fall zweier in Portugal ausgesetzter Kleinkinder sind deren Mutter und ihr Lebensgefährte in Untersuchungshaft genommen worden. In einer Mitteilung des Gerichts in Setúbal südlich von Lissabon hiess es am Samstag, den beiden werde zum Vorwurf gemacht, die beiden Kinder verlassen und gefährdet zu haben. Das Paar aus Frankreich, eine 41-Jährige und ihr 55-jähriger Freund, war am Donnerstag festgenommen worden.
Ihnen wird vorgeworfen, die Jungen im Alter von vier und fünf Jahren alleine in einem Wald zurückgelassen zu haben. Der 55-Jährige wird nach Angaben des Gerichts überdies wegen «gefährlicher Körperverletzung» an einem der Kinder beschuldigt. Die beiden Franzosen waren bereits am Freitag mehrere Stunden lang in Setúbal vernommen worden.
Die Mutter, Marine R. aus Colmar, beschreibt sich in Onlinediensten als «Sexologin», die sich auf «Körperpraktiken und spezifische Traumabehandlung» spezialisiert habe. Nach Angaben des Bürgermeisters der Stadt arbeitete sie in einer Klinik. Es habe keine Hinweise auf Probleme mit ihren Kindern gegeben. Ihr Freund Marc B. ist ein früherer Polizist, der seinen Beruf 2010 an den Nagel gehängt hatte. Im Internet verbreitete er Verschwörungserzählungen und antisemitische Schriften.
Vater hatte Mutter und Kinder als vermisst gemeldet
Ein Autofahrer hatte die beiden weinenden Kinder am Dienstagabend am Rand einer Strasse in der Nähe des Dorfs Comporta entdeckt. Sie hatten Rucksäcke mit Wasser, Keksen und Kleidung, jedoch keine Ausweispapiere bei sich. Sie berichteten, dass ihre Mutter sie in einen Wald gebracht und ihnen «für ein Spiel» die Augen verbunden habe. Als die Kinder ihre Augenbinden abnahmen, sei die Mutter verschwunden gewesen.
Die portugiesischen Behörden hatten die Mutter und ihren Lebensgefährten am Donnerstag in Fátima im Zentrum Portugals festgenommen. Dabei hätten die beiden «eine sehr distanzierte Haltung zu der Situation» an den Tag gelegt, hatte ein Polizeisprecher gesagt.
Die Kinder wurden bei einer Pflegefamilie untergebracht und sollten französischen Medien zufolge von ihrem Vater abgeholt werden, der nach Angaben der portugiesischen Behörden in Frankreich hinsichtlich seiner Kinder «eingeschränkte Besuchsrechte unter Aufsicht» hatte. Der Vater hatte die Mutter und die Kinder am 11. Mai als vermisst gemeldet.