Video zeigt Beschlagnahmung von Tanker durch US-Truppen
Ein Öltanker unter russischer Flagge sorgt im Nordatlantik für Aufregung. Der Frachter soll vor der US-Blockade geflohen sein. Moskau entsendet ein U-Boot zum Schutz, die US-Küstenwache beginnt dennoch mit der Beschlagnahmung.
07.01.2026
Es ist der Stoff, aus dem Agentenfilme sind: Ein Tanker, der aus dem Iran kommt, verweigert sich in der Karibik der US-Küstenwache und malt sich auf der Flucht die russische Fahne aufs Schiff. Unweit von Island schlagen die USA direkt vor Moskaus Nase schliesslich zu: Was läuft da im Atlantik?
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Am 7. Januar kapern die USA im Nordatlantik den Tanker Marinera: Diese Einheiten waren beteiligt – und diese Russen in der Nähe.
- Die schmierige Vergangenheit des Tankers: Die Marinera hatte schon viele Namen.
- Lautes Schweigen: So reagiert Moskau.
- Katz-und-Maus-Spiel: Die lange Jagd auf die Marinera und ihr sonderbarer Flaggen-Wechsel.
- Warum der Aufwand? Das könnte hinter der Operation stecken.
Was genau ist passiert? USA kapern Tanker – russische Marine schaut zu
7. Januar im Nordatlantik zwischen Island und Schottland: Seit Tagen verfolgt die USCGC Munro, ein Kutter der US-Küstenwache, den Tanker Marinera, der gerade noch Bella 1 hiess. Jetzt schlagen die Amerikaner jedoch zu: Helikopter seilen Spezialkräfte ab, die das Schiff übernehmen – siehe Video ganz oben.
Flankiert wird der Einsatz offenbar von einer AC-130J Ghostrider für die Luftnahunterstützung und einer Boeing P-8 Poseidon, die für die U-Boot-Jagd und Seefernaufklärung eingesetzt wird. «Reuters» berichtet, dass auch russische Marineschiffe in der Nähe gewesen sein sollen – darunter auch ein U-Boot.
Grossbritannien hilft Washington bei der Operation: Die Royal Air Force schickt ein Überwachungsflugzeug vom Typ RC-135 und die Royal Navy einen Versorger, meldet die BBC.
Wem gehörte das Schiff? Die schmierige Vergangenheit des Tankers
Wieso haben die Russen ein Interesse an der Marinera? Der Öltanker fährt unter russischer Flagge. Der Heimathafen wird mit Sotschi am Schwarzen Meer angegeben. Eignerin ist die russische Firma Burevestmarin.
Das Problem: Die russische Flagge wird erst am 30. Dezember in der Karibik auf das Schiff gemalt, berichtet CNN. Erst am 1. Januar taucht es unter neuem Namen im russischen Schiffsregister auf. Zuvor hatte es dem türkischen Unternehmen Louis Marine Shipholding Enterprises gehört, das seit 2024 von den USA sanktioniert wird.
Die Marinera hatte schon ungewöhnlich viele Namen
- 2002 bis 2017: Overseas Mulan
- 2017 bis 2020: Seaways Mulan
- 2020 bis 2021: Xiao Zhu Shan
- 2021: Yannis
- 2022: Neofit
- 2022 bis 2023: Timimus
- 2023 bis 2025: Bella 1
Das Schiff hat am 1. August den Iran mit Kurs auf Venezuela verlassen, um neues Öl heranzuschaffen. Die USA argumentieren, dass die Marinera ein Teil der internationalen Schattenflotte ist, die Sanktionen umgeht.
Das Völkerrecht sieht nicht vor, dass ein Schiff während einer Reise den Besitzer wechseln kann. Dennoch fordert Moskau Washington am 6. Januar auf, die Verfolgung des neu-russischen Schiffes abzubrechen, was Washington ablehnt. Am selben Tag berichtet das «Wall Street Journal», ein russisches U-Boot sei auf dem Weg, um die Marinera in Empfang zu nehmen.
❗️According to a U.S. official who spoke to The Wall Street Journal, Russia has deployed a submarine and other naval forces to the North Atlantic to escort the Iranian-linked sanctioned crude oil tanker—previously registered under the Guyana flag as Bella 1 and now under the Russian flag as Marinera—
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— 🪖MilitaryNewsUA🇺🇦 (@militarynewsua.bsky.social) 7. Januar 2026 um 08:33
Die russische Marine greift wie schon beschrieben nicht ein. Und auch das offizielle Moskau hält sich merklich zurück: Demnach kamen alleine aus dem Transportministerium dürre Zeilen des Protests. Die USA verstiessen gegen das UN-Seerechtsübereinkommen, hiess es lediglich. Auch der Wechsel der Eigentümerin soll angeblich rechtmässig sein.
Was ist die Vorgeschichte? Katz-und-Maus-Spiel seit Dezember
Eigentlich will die US-Küstenwache die Marinera, die damals noch Bella 1 heisst, bereits am 17. Dezember in der Karibik aufbringen. Der Tanker verweigert den Amerikanern jedoch, an Bord zu kommen, ändert den Kurs Richtung Nordatlantik und schaltet sein Identifikationssignal aus.
Tanker Bella 1 is attempting to evade a U.S. blockade by repainting a Russian flag and claiming protection at sea. Windward has also observed other sanctioned VLCCs making U-turns near Venezuela, signaling widening disruption to oil exports. windward.ai/blog/tanker-...
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— Windward (@windward-ai.bsky.social) 1. Januar 2026 um 14:17
Laut «Reuters» fehlt es an den Spezialkräften, den Maritime Security Response Teams, um das Schiff zu stoppen. Die Küstenwache verfolgt die Bella 1, deren Crew am 30. Dezember eine russische Fahne auf den Tanker malt – und am 1. Januar wieder offiziell auf der Bildfläche erscheint.
Es dauert weitere sechs Tage, bis die USA zuschlagen. Möglicherweise musste die Marinera erst in Reichweite amerikanischer Spezialkräfte in Grossbritannien kommen.
Was steckt in diesem Tanker?
Die Pressesprecherin des Weissen Hauses spielt den Vorfall herunter: Karoline Leavitt verweist auf eine vorliegende richterliche Anordnung, weil das Schiff Sanktionen verletzt habe.
Andererseits fragt sich: Warum investieren die USA so viel Effort und verfolgen wochenlang diesen Tanker, der leer aus dem Persischen Golf ausgelaufen ist? Warum der irre Fahnenwechsel – und warum schickt Moskau Marineschiffe und ein U-Boot, um die Marinera zu geleiten?
Es könnte natürlich sein, dass es den USA tatsächlich darum geht, ein Zeichen in Sachen Sanktionen zu setzen: Zuletzt haben sich immer mehr Schiffe der Schattenflotte unter die russische Flagge gestellt, weil sie sich davon besseren Schutz erwarten, schreibt die «New York Times» (NYT) unter Berufung auf Lloyd’s List.
Denkbar – wenn auch spekulativ – sind aber auch andere Motive. Die frühere Bella 1 könnte mit sanktionierter Ware aus dem Iran abgelegt haben. Oder aber der Tanker hat einen Nebenberuf als Spionageschiff – und das Pentagon möchte einen genaueren Blick darauf werfen, was für Informationen von wem gesammelt werden.
Bemerkenswert ist, was das Moskauer Aussenministerium schreibt: «Angesichts von Berichten, dass russische Bürger unter der Crew sind», wird die sichere Rückkehr der Matrosen gefordert. Die NYT weiss jedoch, dass die Marinera «in den letzten Jahren» kein russisches Öl transportiert habe und hauptsächlich den Iran bedient habe.
Ob jene russischen Crew-Mitglieder wirklich Seeleute einer Mannschaft oder Seh-Leute eines Geheimdienstes sind, bleibt vorerst im Verborgenen. Auch weil der Kreml schweigt, während russische Militärblogger über den Vorfall wüten.
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