G20-Staaten streiten über Klimaziele

dpa

31.10.2021 - 11:07

German Chancellor Angela Merkel, center, speaks with Australia's Prime Minister Scott Morrison, left, and British Prime Minister Boris Johnson in front of the Trevi Fountain during an event for the G20 summit in Rome, Sunday, Oct. 31, 2021. The two-day Group of 20 summit concludes on Sunday, the first in-person gathering of leaders of the world's biggest economies since the COVID-19 pandemic started. (AP Photo/Gregorio Borgia)
Die deutsche Bundeskazlerin Angela Merkel spricht in Rom mit dem britischen Premier Boris Johnson. 
Bild: Keystone

Die G20-Staaten ziehen beim Klimaschutz nicht an einem Strang. Die Staats- und Regierungschefs können sich nicht auf konkrete neue Zusagen einigen. Wird es ein Fehlstart für das Weltklimatreffen?

dpa

31.10.2021 - 11:07

Die Bemühungen um ein starkes Signal des G20-Gipfels vor dem Weltklimatreffen in Glasgow drohen zu scheitern. Die Gruppe der grossen Wirtschaftsmächte (G20) kann sich auf ihrem Gipfel in Rom offenbar nicht auf konkrete Ziele zum Klimaschutz einigen. Das geht aus einem jüngsten Entwurf des Abschlusskommuniqués hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Ursprüngliche beabsichtigte Zielvorgaben und konkrete Zusagen zum Kampf gegen die gefährliche Erderwärmung aus früheren Versionen wurden darin wieder gestrichen.



Der zweitägige Gipfel der Staats- und Regierungschefs endet an diesem Sonntag in der italienische Hauptstadt, während in Schottland das zweiwöchige Klimatreffen (COP26) beginnt. Auf Einladung der Vereinten Nationen beraten in Glasgow Regierungsvertreter aus rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die Menschheit die beschleunigte Erderhitzung auf ein erträgliches Mass eindämmen kann. 25‘000 Menschen, darunter Tausende Journalisten und Klimaschutzaktivisten, wurden erwartet.

Kein «sofortiges Handeln» mehr im Abschlusskommuniqué

In dem Entwurf für das Abschlusskommuniqué des G20-Gipfels gab es nicht mal mehr eine Einigung auf «sofortiges Handeln», wie es in einem früheren Entwurf noch geheissen hatte. Beim Ziel der Kohlendioxidneutralität gab es auch keine Fortschritte. War ursprünglich 2050 als Zieldatum angestrebt worden, ist jetzt allgemeiner von «Mitte des Jahrhunderts» die Rede. Das geschah offensichtlich auch aus Rücksicht auf China. Der grösste Produzent von Kohlendioxid hatte sich bisher nur bis 2060 dazu verpflichtet.

Der Gruppe der Wirtschaftsmächte kommt eine wichtige Rolle zu, weil sie für rund 80 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich ist. Während die Positionen der G20 im Klimaschutz weit auseinander lagen, gab es in Rom allerdings eine weitgehende Einigung über Pläne für eine geplante Ausweitung der Impfrate gegen das Coronavirus weltweit, wie aus dem Entwurf weiter hervorgeht.

Die G20 stellt sich hinter die Ziele der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis Jahresende mindestens 40 Prozent «der Bevölkerung in allen Ländern» impfen zu wollen. Bis Mitte nächsten Jahres sollen es 70 Prozent sein. Der Gastgeber, Italiens Ministerpräsident Mario Draghi, kritisierte die grossen Unterschiede bei den Impffortschritten. Während in reichen Staaten rund 70 Prozent der Einwohner mindestens einmal geimpft seien, falle die Quote bei den ärmsten Ländern auf drei Prozent. Diese Unterschiede seien «moralisch nicht akzeptabel».

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