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Das umstrittene «Israel-Eis» mit der Geschmacksrichtung Milch und Honig.
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Ben & Jerry’s hat eine neue Glace-Sorte lanciert: «Milk and Honey». Das Produkt wird als Zeichen der Solidarität mit israelischen Grenzregionen beworben und sorgt für Diskussionen. Was steckt dahinter?
Ben & Jerry’s hat vergangene Woche die neue Eissorte «Milk and Honey» («Milch und Honig») lanciert. Entwickelt wurde sie von einer israelischen Lizenznehmerin.
Das Unternehmen, das sich nach einem Streit im Jahr 2021 von seinem US-Mutterkonzern getrennt hatte, bewirbt den neuen Becher als seine «israelischste Sorte aller Zeiten».
Auf seiner Website bezeichnet es das Produkt zudem als «Symbol der Hoffnung, der Rehabilitation und des positiven Handelns» im Nachgang des von der Hamas angeführten Angriffs vom 7. Oktober.
🇮🇱 Ben & Jerry’s Israel has launched a new “Milk and Honey” flavour made with dairy from kibbutzim attacked on October 7, honey from nearby hives and chocolate fudge Stars of David.
— Europa.com (@europa) June 23, 2026
The launch follows the original company’s 2021 decision to halt sales in Israel and Unilever’s… pic.twitter.com/EPTYXzvlA0
Der Name nimmt Bezug auf die biblische Beschreibung Israels als «Land, in dem Milch und Honig fliessen». Passend dazu enthält das Glace Schokoladenstücke in Form von Davidsternen.
Milch und Rahm stammen laut Unternehmen aus der Molkerei des Kibbuz Alumim nahe der Grenze zum Gazastreifen, jener Ortschaft, die am 7. Oktober 2023 von der Terrororganisation Hamas angegriffen wurde. Auf der Verpackung ist zudem ein Werk der israelischen Künstlerin Rivi Doron-Gerloy abgebildet.
Das Produkt wird als Zeichen der Solidarität mit den israelischen Grenzregionen positioniert und steht damit in deutlichem Kontrast zur bisherigen israelkritischen Haltung der Marke.
Um das besser verstehen zu können, muss man die Geschichte des Unternehmens kennen: Ben & Jerry's sind nicht nur für ihr Glace bekannt, sondern auch für ihr politisches Engagement. Die Marke setzt sich seit Jahren unter anderem für Gleichberechtigung, Menschenrechte und Klimaschutz ein.
Die beiden jüdischen Gründer von Ben & Jerry's – Ben Cohen und Jerry Greenfield – kritisierten auch Israels Angriffe auf Palästina. Das führte zu Spannungen mit dem Mutterkonzern Unilever.
Zur Einordnung: Cohen und Greenfield verkauften «Ben & Jerry's» im Jahr 2000 an Unilever. Die beiden Gründer blieben bei der Marke, steuerten aber das Tagesgeschäft nicht mehr. Sie blieben als «Gesichter» und Werteschützer der Marke an Bord. Bei der Übernahme im Jahr 2000 hat der britisch-niederländische Konzern der US-Eismarke versprochen, dass sie sich weiter sozial engagieren dürfe.

Die Ben-&-Jerry’s-Gründer Ben Cohen (links) und Jerry Greenfield (rechts).
www.imago-images.de
Doch im Jahr 2021 kam es genau deswegen zum rechtlichen Streit zwischen den beiden Parteien: Damals wollte die Glacefirma keine Produkte mehr an jüdische Siedler im von Israel besetzten Westjordanland verkaufen. Es ging Ben & Jerry’s darum, ein Zeichen gegen die Besatzung zu setzen. Im nicht besetzten Israel war das Glace weiterhin verfügbar.
Unilever reagierte und verkaufte sein Ben-&-Jerry’s-Geschäft in Israel an seinen dortigen Lizenznehmer «Blue & White Ice-Cream Ltd.». Dadurch konnte die Vermarktung im Westjordanland und in Israel fortgesetzt werden. Ben & Jerry’s wiederum klagte daraufhin.
Die Glacefirma sah darin einen Bruch der im Übernahmevertrag zugesicherten Marken‑Autonomie. Vor Gericht konnten sie sich jedoch nicht durchsetzen, sodass der Verkauf wirksam blieb und der Rechtsstreit 2022 aussergerichtlich beigelegt wurde.
Im Jahr 2024 eskalierte die Situation zwischen Unilever und Ben & Jerry's aber erneut und es kam nochmals zu einem Rechtsstreit. Darin wirft der Ben-&-Jerry’s-Vorstand Unilever vor, gegen die Bedingungen des Vergleichs von 2022 verstossen zu haben.
Ben & Jerry’s habe «bei vier Gelegenheiten versucht, sich öffentlich für Frieden und Menschenrechte einzusetzen», heisst es in der Klageschrift. «Unilever hat jeden dieser Versuche zum Schweigen gebracht».
Der Konzern bestreitet die Vorwürfe bis heute, zu einem Verfahren oder Urteil kam es noch nicht.
After 47 years, Jerry has made the difficult decision to step down from the company we built together. I’m sharing his words as he resigns from Ben & Jerry’s. His legacy deserves to be true to our values, not silenced by @MagnumGlobal #FreeBenAndJerrys pic.twitter.com/EZXGRjs76a
— Ben Cohen (@YoBenCohen) September 17, 2025
Im September 2025 kam es schliesslich zum Knall: Co-Gründer Jerry Greenfield verliess Ben & Jerry's nach 47 Jahren. In den sozialen Medien veröffentlichte er ein Statement dazu. Der Grund sei der aktuelle Streit mit Unilever.
Ben Cohen ist bis heute in der Firma. Nachdem Jerry Greenfield Ben & Jerry’s verlassen hatte, lancierten die beiden jedoch die Kampagne «Free Ben & Jerry’s». Darin fordern sie, die Marke aus dem Konzernverbund zu lösen.
Ziel ist es, Ben & Jerry’s in ein unabhängiges Unternehmen mit sozial orientierten Eigentümern zu überführen, das seine ursprüngliche Mission kompromisslos weiterverfolgen kann.
Unilever verfolgt stattdessen den Plan, die gesamte Glacesparte – inklusive Ben & Jerry's – in ein separates Unternehmenauszugliedern und an die Börse zu bringen. Zu Unilever gehört beispielsweise auch Magnum. Dabei hält der Konzern ausdrücklich daran fest, Ben & Jerry's nicht verkaufen zu wollen.
Die Kampagne «Free Ben & Jerry’s» läuft bis heute. Ebenso hält Unilever weiterhin an seinem Kurs fest, die Marke nicht zu verkaufen.
Auf der US-Website hält das Unternehmen zur Israel-Glace fest: «Ben & Jerry’s hat weder Eigentumsanteile an Blue & White Ice-Cream Ltd. noch ein wirtschaftliches Interesse an dem Unternehmen.»
Gegenüber «Newsweek» präzisierte ein Sprecher von Ben & Jerry’s USA: «Ben & Jerry’s besitzt oder betreibt das Geschäft in Israel nicht. Die hebräischen und arabischen Markenrechte liegen bei Blue & White Ice-Cream Ltd., die das Geschäft vor Ort führt. Produktentscheidungen in diesem Markt – einschliesslich lokal entwickelter Sorten – trifft ausschliesslich der lokale Eigentümer und Betreiber.»
Die beiden Gründer haben sich zur neuen Sorte bislang nicht geäussert. Im Netz hingegen gibt es bereits zahlreiche Reaktionen.
Die Nachricht über die neue Geschmacksrichtung verbreitete sich in den sozialen Medien rasch. Selbst der offizielle X-Account Israels griff das Thema auf, löschte den Beitrag jedoch kurze Zeit später. Weshalb, ist unklar.

Der Beitrag wurde mittlerweile vollständig gelöscht.
Screenshot X
Ein User kommentiert auf X: «So ein dreister Ben-&-Jerry’s-Abklatsch (nur weil du sauer bist, dass sie dich boykottieren) ist einfach nur traurig.»
Doing such a blatant Ben & Jerry's ripoff (because you're mad they're boycotting you) is just sad https://t.co/4esbl1frv5
— Nikolaj🇺🇦🇵🇸 (@nikicaga) June 23, 2026
Auch der jüdische Influencer und Aktivist Matt Bernstein veröffentlichte ein Video über die neue Sorte «Milk and Honey» und spricht darüber, wie es dazu kam. Zum Schluss sagt er noch: «Israel hat Ben & Jerry’s auf dieselbe Weise gestohlen, wie es Land stiehlt.» Damit bezieht er sich auf die völkerrechtswidrige Aneignung palästinensischen Landes durch Israel.
Unter dem Beitrag häufen sich die Kommentare. Ein Nutzer schreibt: «Können sie nicht ein Unternehmen gründen, das Jerry and Ben’s heisst?» Eine andere Person meint: «Das macht mich so traurig.» Wieder andere kritisieren: «Sie wollen immer das, was ihnen nicht gehört.»
Es gab aber auch positive Rückmeldungen. Marc Zell, amerikanisch-israelischer Anwalt und Vorsitzender von Republicans Overseas – also die politische Organisation und offizielle Vertretung der Republikanischen Partei der USA für im Ausland lebende Amerikaner – gratulierte zur Lancierung.
Ben & Jerry’s Zionist ice cream makes its debut in Israel manufactured by my client Blue & White Ice Cream owned by the inimitable Avi Zinger. Congratulations! pic.twitter.com/pWTNf2Fb9y
— Marc Zell - מארק צל (@GOPIsrael) June 19, 2026
Food-Influencer Harry Rubenstein veröffentlicht ein Video auf Instagram von der neuen Eissorte und bezeichnet es als «Statement».
Die Reaktionen zeigen: Die neue Sorte ist kein gewöhnliches Produkt oder Dessert zum Geniessen, sondern vielmehr ein Symbol für einen anhaltenden Konflikt.