Ermittlung, Razzia – und Epstein Benutzt Trump Bundesbehörden für seine Zwecke? 3 Justizfälle, die zu reden geben

Philipp Dahm

8.5.2026

Donald Trump flankiert von seinem Justizminister Todd Blanche und FBI-Direktor Kash Patel am 25. April in Washington: Wieviel Einfluss der Präsident auf die Justiz nimmt, ist Gegenstand anhaltender Diskussionen.
Donald Trump flankiert von seinem Justizminister Todd Blanche und FBI-Direktor Kash Patel am 25. April in Washington: Wieviel Einfluss der Präsident auf die Justiz nimmt, ist Gegenstand anhaltender Diskussionen.
Bild: Keystone

Eine Journalistin schreibt einen kritischen Bericht über Kash Patel – und nun ermittelt sein FBI angeblich gegen Sarah Fitzpatrick. In Virginia führt die Bundespolizei derweil eine Razzia bei einer 82-jährigen Demokratin durch. Nur beim Thema Epstein halten sich die Bundesbehörden zurück.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ex-Präsident Barack Obama warnt vor einer «Politisierung des Strafrechtssystems». Dazu drei aktuelle Fälle.
  • Das FBI ermittelt angeblich gegen eine Journalistin, die Kash Patel kritisiert hat.
  • Das FBI führt eine Razzia bei einer 82-jährigen Demokratin durch, die sich mit Donald Trump anlegt.
  • Konterkariert: Im Fall Epstein machen die Bundesbehörden nichts.

«Da Sie nicht mehr im Amt sind: Welche Macht sollte der Präsident ihrer Meinung nach nicht haben?» fragt Stephen Colbert in seiner «Late Show» Barack Obama, der von 2008 bis 2016 im Amt war.

Der 64-Jährige antwortet: «Das Weisse Haus sollte nicht in der Lage sein, den Justizminister anzuweisen, loszugehen und Leute anzuklagen.» «Die Norm ist, dass [das Ministerium] unabhängig ist», pflichtet ihm der Late-Night-Host bei. «Die Idee ist, dass das Justizministerium der Anwalt der Leute ist. Es ist nicht der consigliere [also Berater] des Präsidenten.» 

Obama doppelt nach: «Wir können mit einer ganzen Menge klarkommen: schlechte Politik, unkoventionelle Wahlen.... Es gibt einen Haufen Sachen, die wir überwinden können. Was wir nicht überwinden können, ist die Politisierung des Strafrechtssystems.»

Das liege an der «überwältigenden Macht des Staates»: «Man darf keine Situation haben, in der, wer auch immer an der Macht ist, anfängt, es zu nutzen, um seine politischen Gegner zu verfolgen, oder seine Freunde zu belohnen.» Damit mag der Ex-Präsident recht haben, doch für seine frommen Wünsche ist es wohl zu spät, wie diese drei Beispiele zeigen.

FBI ermittelt angeblich gegen Journalistin, die Kash Patel kritisiert hat

Es ist eine Geschichte, die Mitte April hohe Wellen schlägt. Der Titel: «The FBI Director is MIA» – «Der FBI-Direktor wird im Einsatz vermisst». Kash Patel hat demnach ein Problem mit Alkohol und ist mitunter nicht auffindbar. Als es einmal ein IT-Problem gab, habe Patel gedacht, er werde gefeuert, was er aufgeregt einigen Mitarbeitenden mitgeteilt habe.

Tell me you never made varsity without telling me you never made varsity:

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— Ed Moltzen (@emoltzen.bsky.social) 23. Februar 2026 um 16:44

Die Autorin Sarah Fitzpatrick will bei ihrer Recherche mit über zwei Dutzend Personen gesprochen haben, die ihre Aussagen belegen. Patel geht drei Tage nach der Publikation dennoch in die Gegenoffensive: Am 20. April reicht er eine 250-Millionen-Dollar-Klage ein – wegen Diffamierung. «Direktor Patel trinkt nicht im Übermass», halten Patels Anwälte fest.

FBI-Chef Patel rastet vor Kameras aus

FBI-Chef Patel rastet vor Kameras aus

FBI-Direktor Kash Patel und der amtierende US-Justizminister Todd Blanche haben an einer gemeinsamen Pressekonferenz in Washington heftig auf einen Enthüllungsbericht des Magazins «The Atlantic» reagiert.

22.04.2026

Sarah Fitzpatrick lässt sich davon nicht einschüchtern: «Wir waren sehr fleissig. Wir waren sehr vorsichtig», versichert die Journalistin nach Einreichung der Klage.  «Das war leider ein offenes Geheimnis in Washington, und wir haben uns sehr bemüht, es ans Licht zu bringen.» Nach der Publikation hätten weitere Informanten sie «überschwemmt».

UPDATE: Reporting indicates the FBI is targeting an Atlantic journalist who wrote about Director Kash Patel’s alleged excessive drinking on the job. We're demanding expedited responses from the FBI on our investigation. The public needs the truth.

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— Democracy Forward (@democracyforward.org) 6. Mai 2026 um 23:06

Dennoch hat die Behörde, der Patel vorsteht, nun eine Untersuchung gegen Fitzpatrick eingeleitet, berichtet der linke Sender «MS Now»: Demnach hat das FBI eine insider threat investigation angestrengt – es geht also um einen Feind im Inneren. Das sei sehr ungewöhnlich, weil gar keine sensiblen Insider-Informationen der Bundespolizei veröffentlich worden seien.

Wegen dieser Ermittlung könnten die Behörden nun die Handy-Daten der Journalistin durchforsten. Der Vorgang stösst jedoch auch bei Mitarbeitenden des FBI auf Bedenken, so «MS Now»: «Sie wissen, dass sie das nicht tun dürfen. Aber wenn sie nicht weitermachen, könnten sie ihren Job verlieren», sagt eine Quelle.

«Du bist verdammt, wenn du es tust und verdammt, wenn du es nicht tust.»

MS-Now-Quelle zum Dilemma der FBI-Agenten

anonym

Das FBI dementiert auf Nachfrage des Senders den Sachverhalt. «The Atlantic» ist alarmiert: «Wenn das stimmt, wäre das ein unerhörter, illegaler und gefährlicher Angriff auf die freie Presse und [das Recht auf freie Rede]. Wir werden Sarah und alle unsere Reporterinnen und Reporter verteidigen, die von der Regierung schikaniert werden, nur weil sie der Wahrheit auf der Spur sind» schreibt Chefredaktor Jeffrey Goldberg.

BREAKING from The Atlantic: Kash Patel has given out bottles of a personalized whiskey to FBI staff as well as civilians he encounters in his duties, according to eight people, including current and former FBI and Department of Justice employees and others who are familiar.

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— Kyle Griffin (@kylegriffin1.bsky.social) 6. Mai 2026 um 22:40

Tatsächlich legt Fitzpatrick nach: Unter dem Titel «Kash Patels Vorrat von personalisiertem Bourbon» berichtet sie, der 46-Jährige habe sich einen Whiskey der Woodford-Reserve-Destillerie im Bundesstaat Kentucky personalisieren lassen – und nehme den Alkohol auf Reisen öfter mit, um seine Mitmenschen damit zu erfreuen.

FBI-Razzia bei 82-jähriger Demokratin

«Fox News» ist wohl nicht zufällig vor Ort, als das FBI am 6. Mai in Portsmouth, Virginia, zuschlägt: Die Bundespolizei durchsucht das Büro einer demokratischen Angeordneten. Louise Lucas ist Senatorin im Parlament des Bundesstaates. Auch ein THC-Shop neben ihrem Büro ist Ziel der Beamten: Er gehört 82-Jährigen, die sich für Legalisierung einsetzt.

Eine schwer bewaffnete Polizeieinheit umstellt das Etablissement und fordert die Menschen darin mit gezogenen Waffen auf, herauszukommen, berichtet die Reporterin. Insgesamt habe das FBI in Virginia an zehn Orten einen Durchsuchungsbefehl wegen «Korruption» vollstreckt, den ein Bundesrichter unterschrieben habe.

«Fox News» filmt, wie Personen vom SWAT-Team abgeführt werden – und auch, wie Louise Lucas den Ort des Geschehens erreicht. «Ich weiss nicht, was los ist», sagt die Politikerin, die eines der höchsten Ämter in Virginia bekleidet. Doch auch landesweit macht die Frau Schlagzeilen: Lucas ist eine der lautesten Stimmen ihrer Partei, die nach neuen Wahlkreisen ruft.

Der Hintergrund: Weil das Oberste Gericht den Voting Rights Act von 1965 gekippt hat, wollen die Republikaner in verschiedenen Bundesstaaten die Wahlkreise neu ordnen, um mehr davon zu gewinnen. Bis zu 20 Sitze im Repräsentantenhaus erhofft sich Donald Trump dadurch. Lucas will deshalb, dass die demokratisch regierten Staaten nun genau so vorgehen.

In Virginia hat sich Lucas durchgesetzt: Am 21. April wurden die neuen Wahlkreise an der Urne angenommen. Die 82-Jährige gilt weiterhin als erklärte Trump-Gegnerin, die für ihr Mundwerk und ihre Social-Media-Posts bekannt ist. Folgerichtig reagiert sie auf den FBI-Einsatz auf X – und wirft der Bundespolizei politische Beweggründe vor.

«Bei den heutigen Aktionen der Bundesagenten geht es um weit mehr als nur um einen Senator», schreibt sie. «Es geht um Macht und darum, wer sie im Namen des Volkes ausüben darf. Was wir gesehen haben, passt zu einem klaren Muster dieser Regierung: Wenn sie herausgefordert wird, versucht sie, diejenigen einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen, die sich gegen sie stellen.»

We have truly gone back in time to the McCarthy era. This is such an obvious retaliation against Louise Lucas for her important leadership during Virginia’s redistricting fight. Punish your political enemies, smear dissent, weaponize government power.

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— Christopher Webb (@cwebbonline.com) 6. Mai 2026 um 20:36

Während linke Kommentatoren wie Lucas falsches Spiel wittern, sieht sich das rechte Lager von «NBC News» bestätigt: Der Sender berichtet, dass die Korruptionsermittlungen schon seit drei Jahren liefen und bereits unter Trumps Vorgänger Joe Biden begonnen hätten.

Erste Anhaltspunkte, was wirklich läuft, wird wohl erst der Wortlaut des Durchsuchungsbefehls und seines Antrags geben, sobald diese veröffentlicht werden. Sonderbar ist allerdings, dass «Fox News» offenbar von der FBI-Aktion wusste – und die Szene filmen konnte.

Sowas machen die Behörden nicht, weil das den Einsatz gefährden könnte, erklärt Scott MacFarlane vom linken Kanal «MeidasTouch» – «es sei denn, du hast grünes Licht von ganz oben». Das sei bei Louise Lucas offensichtlich der Fall: «Es ist wirklich bezeichnend, dass das Justizministerium versucht, diese Durchsuchung per Megaphon zu verkünden.»

Vergleich zum Fall Epstein

MacFarlane ist noch nicht fertig: «Und das alles», sagt er mit Blick auf die Lucas-Vorwürfe, «während sie die Epstein-Akten hinter verschlossenen Türen halten. Howard Lutnicks Interview findet hinter verschlossenen Türen statt, und das Justizministerium hat nichts unternommen, um die Stimmen der Epstein-Überlebenden zu hören oder zu verstärken.»

Der Journalist spricht über die Befragung von Handelsminister Lutnick, der am 6. Mai dem Committee on Oversight and Government Reform Rede und Antwort stehen musste – das jedoch nicht öffentlich. Der 64-Jährige hatte in einem Interview gesagt, er habe Jeffrey Epstein so schmierig gefunden, dass er ihn nie wiedersehen wollte.

Howard Lutnick is a pathological liar who is enabling the most egregious cover-up in American history. Lutnick has been blatantly dishonest about his relationship with Jeffrey Epstein. @repyassansari.bsky.social and Oversight Dems will hold him accountable.

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— Oversight Dems (@oversightdemocrats.bsky.social) 6. Mai 2026 um 22:56

Dann kam heraus, dass Lutnick zusammen mit seiner Frau, den Kindern und seinen Bediensteten den verstorbenen Pädophilen auf seiner Insel besucht hat. Warum er das gemacht hat, daran konnte sich der mehrfache Milliardär nicht erinnern. Lutnicks Lüge ist allerdings ein moralisches Vergehen – und kein Fall für das FBI.

Marjorie Taylor Greene: " And [Trump] said, 'Marjorie, you're gonna have to take your name off that discharge petition'… He said his friends would get hurt if we released the Epstein files… And I said, 'I'm not taking my name off the discharge petition.'"

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— Home of the Brave (@ofthebraveusa.bsky.social) 4. Mai 2026 um 20:55

Und dennoch: Dass Bundesbehörden gegen Journalistin Fitzpatrick und die Demokratin Lucas vorgehen, ist eine Sache. Immerhin müssen die Beweise, so es denn welche gibt, vor einem Gericht standhalten. Dass das Justizminister Todd Blanchet jedoch kategorisch ausschliesst, im Fall Epstein nochmals zu ermitteln, hinterlässt einen fahlen Beigeschmack.


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