Krawalle in Frankreich Bereits 1900 Autos ausgebrannt – ruft Macron den Notstand aus?

dpa/AP/uri/phi

30.6.2023

In Frankreich gehen die schweren Krawalle nach dem Tod des 17-jährigen Nahel weiter. In der Nacht waren 40'000 Polizisten im Einsatz. Premierministerin Élisabeth Borne prüft auch die Ausrufung des Notstands.

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  • Am 27. Juni ist der 17-jährige Nahel bei einer Verkehrskontrolle in Nanterre bei Paris von einem Polizisten erschossen worden.
  • Seither erschüttern gewaltsame Proteste die Republik.
  • Der fragliche Polizist sitzt in Untersuchungshaft.
  • In den letzten 24 Stunden sollen 1900 Autos und 500 öffentliche Gebäude zerstört oder beschädigt worden sein.
  • 40'000 Polizisten waren landesweit im Einsatz, davon 5000 in Paris. 200 von ihnen wurden verletzt.

Bei den Krawallen in Frankreich sind seit Donnerstag rund 1900 Autos ausgebrannt. Ausserdem wurde an rund 500 öffentlichen Gebäuden wie Polizeiwachen und Rathäusern Feuer gelegt, berichtete der Sender BFMTV heute unter Verweis auf Angaben des Zivilschutzes. 9900 Feuerwehrleute seien im Einsatz gewesen. 

Im Grossraum Paris und in weiteren Städten hatte es in der Nacht zum Freitag nach dem Tod eines Jugendlichen bei einer Polizeikontrolle in der dritten Nacht in Folge Ausschreitungen gegeben. Autos und Mülltonnen wurden in Brand gesteckt und Polizisten mit Feuerwerkskörpern angegriffen.

Die Polizei nahm nach Angaben des Innenministeriums 667 Menschen fest – 249 Polizeibeamte wurden verletzt. Landesweit waren in der Nacht 40'000 Polizisten im Einsatz, um sich den Ausschreitungen entgegenzustellen, 5000 davon in Paris.

Premierministerin schliesst Notstand nicht aus

Angesichts der Ausschreitungen schliesst Premierministerin Élisabeth Borne die Ausrufung des Notstands nicht aus. «Wir prüfen alle Hypothesen mit einem vorrangigen Ziel: die Rückkehr der republikanischen Ordnung im gesamten Gebiet», sagte Borne heute dem Fernsehsender BFMTV auf die Frage nach der Verhängung des Notstands. Am Freitagmittag wollte sich Präsident Emmanuel Macron mit einem Krisenstab treffen, um über die Lage zu beraten.

Frankreich wird seit Tagen von heftigen Krawallen erschüttert. Auslöser war der Tod eines Jugendlichen bei einer Polizeikontrolle. Im Grossraum Paris und in weiteren Städten gab es in der Nacht zum Freitag in der dritten Nacht in Folge Ausschreitungen. Autos und Mülltonnen wurden in Brand gesteckt und Polizisten mit Feuerwerkskörpern angegriffen.

Mutter von Nahel fordert harte Strafe für Polizisten

Die Mutter des mutmasslich von einem Polizisten erschossenen Teenagers Nahel hat die französische Justiz unterdessen zu einer harten Bestrafung des Beamten aufgerufen. «Ein Polizeibeamter kann nicht seine Waffe nehmen und auf unsere Kinder schiessen, unseren Kindern das Leben nehmen», sagte Mounia M. dem Sender France 5.

«Er sah ein kleines, arabisch aussehendes Kind und wollte ihm das Leben nehmen.» Sie sei wütend auf den Polizisten, der ihr das einzige Kind genommen habe, aber nicht auf die Polizei als solche, betonte die Mutter. Laut der Grossmutter des Jungen, die sich im algerischen Fernsehen äusserte, hatte die Familie algerische Wurzeln.

Der Polizist hatte am Dienstag nach Angaben der Staatsanwaltschaft mutmasslich einen tödlichen Schuss auf den 17-Jährigen abgegeben. Ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde eingeleitet, er befindet sich in Untersuchungshaft.

Der Jugendliche war demnach mit einem Auto mit polnischen Kennzeichen auf einer Busspur unterwegs und überfuhr eine rote Ampel, als der Beamte und ein Kollege ihn aufhalten wollten. Der Polizist rechtfertigte den Schuss damit, er habe befürchtet, dass er und sein Kollege oder jemand anderes von dem Auto überfahren werden könnten.