Proteste bei Neugründung von AfD-Jugendorganisation
STORY: Rund um eine AfD-Veranstaltung in Giessen ist es am Samstag zu heftigen Protesten gekommen. Die Jugendorganisation der Partei hatte zu einem Kongress in die hessische Stadt geladen. Dort sollte die Neugründung der Gruppe stattfinden, nachdem die Vorgängerorganisation «Junge Alternative» vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft worden war und sich aufgelöst hatte. Mehr als 10.000 Gegendemonstranten hatten seit dem frühen Samstagmorgen versucht, die Zufahrten zum Veranstaltungsort zu blockieren. Nach Angaben der Polizei kam es dabei vereinzelt zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Einsatzkräften. Dabei kamen Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke zum Einsatz. Mehrere Demonstranten und Polizisten wurden leicht verletzt. Ein AfD-Mitglied wurde auf dem Weg zur Veranstaltung von Demonstranten verletzt, bestätigte die Polizei. Auch wegen der Proteste verzögerte sich der Ablauf der AfD-Veranstaltung erheblich. Am Nachmittag wählten die etwa 840 Teilnehmer dann den Bundesvorstand für die neue AfD-Jugendorganisation «Generation Deutschland» und den Brandenburger Jean Pascal Hohm zum neuen Vorsitzenden.
29.11.2025
Wasserwerfer, blockierte Strassen, verletzte Polizisten: Die Gründung der AfD-Jugendorganisation sorgt in Giessen für enorme Proteste. Bei der Veranstaltung selbst geht es deutlich harmonischer zu.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Seit Samstagvormittag kommt es zu massiven Protesten gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation «Generation Deutschland» in Giessen.
- Durch Proteste und Blockaden in der Stadt verzögerte sich der Beginn des Kongresses.
- An einigen Orten gab es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.
- Diese setzte mehrmals Wasserwerfer ein und verhinderte zudem, dass der Versammlungsort gestürmt wurde.
Dieser Artikel wurde zuletzt um 17.55 Uhr umfassend aktualisiert.
Draussen grosse Proteste, im Saal grosse Einigkeit: In Giessen hat sich die neue AfD-Jugendorganisation mit dem Namen «Generation Deutschland» (GD) gegründet. Mehrere Zehntausend Gegendemonstranten versammelten sich in der mittelhessischen Stadt, die meisten von ihnen protestierten friedlich. An einigen Orten gab es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Diese setzte mehrmals Wasserwerfer ein und verhinderte, dass der Versammlungsort gestürmt wurde.
Bis zum frühen Nachmittag wurden 10 bis 15 verletzte Beamte gezählt. Das Uniklinikum Giessen-Marburg sprach ausserdem von rund 15 leicht verletzten Demonstranten bis zum Nachmittag mit ambulanter Behandlung. Zahlen zu Festnahmen oder Platzverweisen konnte die Polizei zunächst nicht nennen.
Polizisten und ein Wasserwerfer sperren in der Nähe der Versammlungshalle den Zugang für Demonstranten.
Mehrere Tausend Demonstranten protestieren am Samstag gegen die Neugründung einer AfD-Jugendorganisation.
Die Polizei setzt gegen Blockaden in Giessen bei den Protesten gegen die neue AfD-Jugendorganisation auch Wasserwerfer ein.
Unterschiedliche Organisationen protestieren gegen die neue AfD-Jugendorganisation.
Es kam zu Zusammenstössen von Demonstranten und Polizei.
Die Polizei wappnete sich mit einem Grossaufgebot für die massiven Proteste.
Demonstrierende bezogen auf einem Feld in Heuchelheim bei Giessen Position.
Auch am Bahnhof versammelten sich Protestierende.
Blockaden und Demos: Massenprotest gegen AfD-Jugend beginnt - Gallery
Polizisten und ein Wasserwerfer sperren in der Nähe der Versammlungshalle den Zugang für Demonstranten.
Mehrere Tausend Demonstranten protestieren am Samstag gegen die Neugründung einer AfD-Jugendorganisation.
Die Polizei setzt gegen Blockaden in Giessen bei den Protesten gegen die neue AfD-Jugendorganisation auch Wasserwerfer ein.
Unterschiedliche Organisationen protestieren gegen die neue AfD-Jugendorganisation.
Es kam zu Zusammenstössen von Demonstranten und Polizei.
Die Polizei wappnete sich mit einem Grossaufgebot für die massiven Proteste.
Demonstrierende bezogen auf einem Feld in Heuchelheim bei Giessen Position.
Auch am Bahnhof versammelten sich Protestierende.
Proteste seit dem frühen Morgen
Die Proteste begannen schon am frühen Morgen. Aktivisten blockierten mehrere Strassen in der Giessener Umgebung, um eine Anreise zu dem Gründungskongress zu verhindern. Das Treffen begann mit gut zweistündiger Verspätung, weil viele der rund 1000 Teilnehmer nicht pünktlich um 10.00 Uhr in den Giessener Messehallen angekommen waren.
Auch die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla verspäteten sich. Sie kritisierten die Blockaden scharf. Die Junge Alternative hatte sich im Frühjahr aufgelöst, nachdem sich die AfD von ihr getrennt hatte. Der Grund: Die JA war als eigenständiger Verein nur lose an die AfD angebunden. Mitglieder – mit Ausnahme der Vorstände – mussten nicht Mitglied der Partei sein und agierten weitgehend unabhängig.
Weidel: Kaderschmiede für die Partei
Die Generation Deutschland soll nach Angaben von AfD-Chefin Weidel vor allem fähigen Nachwuchs für die Mutterpartei hervorbringen, auch mit Blick auf die Landtagswahlen im nächsten Jahr in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die Partei nach Umfragen erstmals in Regierungsverantwortung kommen könnte. Dann müssten viele Posten besetzt werden. «Also das ist eine Kaderschmiede für die Regierungsverantwortung», sagte Weidel.
Mitglied in der neuen AfD-Jugendorganisation kann in der Regel nur noch sein, wer auch schon in der AfD ist. Verstösse gegen Regeln oder Fehlverhalten können somit geahndet werden, bis hin zum Parteiausschluss. Die Organisation soll für alle AfD-Mitglieder unter 36 offen sein.
Mehrere Verletzte – AfD-Abgeordneter berichtet von Angriff
Nach Weidels Angaben wurde am Rande der Proteste der AfD-Bundestagsabgeordnete Julian Schmidt «zusammengeschlagen». Er bestätigte der dpa einen Angriff. Er sei nach dem Parken des Autos nahe der Halle von rund 20 Leuten angegriffen worden. Blaue und rote Flecken auf Nase und Jochbein seien Folgen des Angriffs. Schmidt sprach von einer neuen Qualität der Konfrontation. Die Polizei sagte ohne Namensnennung, ein AfD-Bundestagsabgeordneter sei verletzt und ein mutmasslicher Täter festgenommen worden. Die Ermittlungen liefen.
Bis zu 50'000 Teilnehmer waren von der Polizei erwartet worden. Am Nachmittag sprach Hessens Innenminister Roman Poseck von 25'000 bis 30'000 Demonstranten. Tausende Polizisten aus 15 Bundesländern waren im Einsatz, es war nach Behördenangaben einer der grössten Polizeieinsätze in der Geschichte Hessens. Dies auch, weil vorab Gewaltaufrufe aus der linken Szene kursierten. Laut Poseck gab es mehrere Hundert gewaltbereite Demonstranten. Die Stadt Giessen hat rund 92'000 Einwohner.
Blockaden von Bundesstrassen
Demonstranten blockierten unter anderem zeitweise die Bundesstrassen 49 und 429. Rund 2000 Menschen besetzten die Bundesstrasse 49. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, nachdem trotz mehrmaliger Aufforderung die Strasse nicht freigemacht worden sei. Auch auf der B429 kam es zu einer Blockade und zum Einsatz eines Wasserwerfers. Zudem wurden Beamte laut Polizei auf der Konrad-Adenauer-Brücke in der Stadt mit Flaschen beworfen und nahe der Messehallen mit Leuchtspurmunition beschossen. An einer Blockadestelle hätten sich Beamte mit Pfefferspray gegen Steinewerfer verteidigt.
Eine Gruppe von Demonstranten versuchte am Nachmittag, zum Veranstaltungsort in den Messehallen durchzubrechen. Wie ein dpa-Reporter berichtete, versuchten etwa 30 bis 40 Personen, die Polizeiabsperrungen zu überwinden. Die Polizei drängte die Aktivisten auch mit einem Wasserwerfer zurück. Die Bundespolizei berichtete zudem von einem Dienstpferd, das «ohne Fremdeinwirkung» einen Abhang neben einer Strasse hinuntergestürzt sei und sich verletzt habe. Dem Reiter sei nichts passiert.
«Alle zusammen. Gegen den Faschismus»
Die grösste von zahlreichen Demonstrationen hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) organisiert. Rund 20'000 Menschen versammelten sich morgens. Protestierende skandierten etwa «Alle zusammen. Gegen den Faschismus» und «Stoppt die Brandstifter». Der Bezirksvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, sprach von einem «beeindruckenden, sichtbaren und zutiefst demokratischen Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit und Spaltung».
Die Polizei sicherte den Veranstaltungsort in den Messehallen mit einem Grossaufgebot und riegelte die Zufahrtswege ab, darunter auch Brücken über die Lahn. In der Giessener Innenstadt – ein Stück entfernt vom Veranstaltungsort am anderen Lahnufer – blieb es weitgehend ruhig. Hubschrauber kreisten in der Ferne in Luft. Auf dem Weihnachtsmarkt waren deutlich weniger Stände offen – auch viele Geschäfte blieben geschlossen.
Merz kritisiert Gewalt
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte die Gewalt scharf. «Sie werden heute Abend Fernsehbilder aus der Stadt Giessen sehen, die alles andere als erfreulich sind, eine Auseinandersetzung zwischen ganz links und ganz rechts», sagte Merz beim Landesparteitag der sachsen-anhaltischen CDU in Magdeburg. «Ich möchte, dass wir in der politischen Mitte unseres Landes zeigen, dass wir Probleme lösen können.»
Innenminister Alexander Dobrindt betonte indessen: «Demonstrieren ist ein Grundrecht, deswegen muss man das ermöglichen. Sich versammeln ist auch ein Grundrecht, das muss man auch ermöglichen», sagte der CSU-Politiker in einer Rede beim Landesparteitag der sächsischen CDU in Leipzig. «Aber ich kann nur sagen: Grössten Respekt vor den Polizistinnen und Polizisten, wenn ich jetzt schon wieder sehe, wie Vermummte, wie Chaoten, wie Leute mit Bengalos, mit Fackeln, gewaltbereit auf die Polizei zugehen.»