Fall Epstein Chaos-Tage in Washington

Philipp Dahm

13.11.2025

Demokratin unterzeichnet Epstein-Petition nach ausstehender Vereidigung

Demokratin unterzeichnet Epstein-Petition nach ausstehender Vereidigung

STORY: Die Beendigung des Shutdowns in den USA sorgt auch in anderer Hinsicht für politische Brisanz. Es ermöglichte der neu eingeschworenen demokratischen Abgeordneten Adelita Grijalva, die letzte nötige Unterschrift für eine Petition zu leisten. Diese soll eine Abstimmung im Repräsentantenhaus über die Freigabe aller Verschlusssachen im Zusammenhang mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erzwingen – ein Schritt, dem sich Sprecher Mike Johnson und Präsident Donald Trump bislang widersetzt hatten. Die Demokraten im Repräsentantenhaus veröffentlichten am Mittwoch E-Mails, die ihrer Meinung nach neue Fragen über die Beziehung von Trump zu Epstein aufwerfen – und darüber, wie viel er wusste.  Die Demokraten zitieren einen E-Mail-Verkehr zwischen Epstein, dem Autor Michael Wolff und Ghislaine Maxwell, die wegen ihrer Rolle zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Unter den E-Mails befindet sich auch eine an Wolff aus dem Jahr 2019, in der Epstein schrieb, dass Trump, Zitat, «von den Mädchen wusste» – wobei unklar ist, was genau gemeint ist. In einer weiteren E-Mail beschrieb Epstein Trump als «den Hund, der nicht gebellt hat» und fügte hinzu, dass Trump Stunden in seinem Haus verbracht habe – zeitgleich mit einem Opfer. Trump hat vehement und konsequent bestritten, von Epsteins Sex-Machenschaften gewusst zu haben. Epstein sei einst sein Freund gewesen, sie hätten sich aber zerstritten. Das Thema sei ein endloser «HOAX» der Demokraten. In einer Erklärung sagte das Weisse Haus, die Demokraten hätten E-Mails geleakt, «um eine falsche Darstellung zu schaffen und Präsident Trump zu diffamieren. Die E-Mails bewiesen nichts anderes als die Tatsache, dass Trump nichts Unrechtes getan habe.

13.11.2025

Kaum ist das Chaos um den Shutdown beendet, erfasst der Epstein-Skandal Washington: Während Donald Trumps Sprecherin ihre ganz eigene Deutung der jüngsten Enthüllungen hat, könnte das Repräsentantenhaus schon nächste Woche über eine Akten-Freigabe abstimmen.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Dementi: Die Pressesprecherin des Weissen Hauses, Karoline Leavitt, bezeichnet die jüngsten Vorgänge um Jeffrey Epstein als «konstruierten Schwindel der Demokratischen Partei».
  • Outing: Darum haben die Republikaner den geschwärzten Namen eines Epstein-Opfers öffentlich gemacht.
  • Vergeblich: Donald Trump hat angeblich Druck auf Parteikollegin Lauren Boebert gemacht, damit die ihre Forderung nach Akten-Einsicht zurücknimmt.
  • Mutter aller Fragen bleibt unbeantwortet: «Was hat der Präsident stundenlang mit Virginia Giuffre in Epsteins Haus gemacht?»
  • Petition zur Akten-Freigabe: So geht es weiter.
  • Suspekt: die Sonderbehandlung für Ghislaine Maxwell.

Karoline Leavitt blafft die Reporterin bei der Pressekonferenz im Weisse Haus an. Sie frage doch tatsächlich zuerst nach den neu veröffentlichten Jeffrey-Epstein-E-Mails – und nicht nach dem Shutdown-Ende.

Sei’s drum. Leavitt hat ja auch nicht erwarten können, dass das Thema nicht aufkommt. Was die E-Mails bedeuten? «Das ist wahrlich ein konstruierter Schwindel der Demokratischen Partei», kontert die 28-Jährige.

Leavitt on Epstein: "This is truly a manufactured hoax by the Democrat Party"

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 12. November 2025 um 19:44

Sie erklärt auch, warum: «Jetzt – ganz plötzlich – reden sie darüber, weil Präsident Trump im Oval Office sitzt. Als Joe Biden dort sass, kamen die Demokraten nie damit. Es war keine Sache, die sie gekümmert hat. Denn die Opfer in diesen Fällen sind ihnen egal. Ihnen ist wichtig, politisch Punkte gegen Präsident Trump zu machen, wie wir es auch beim Shutdown gesehen haben.»

Parteien-Posse um Giuffres Namen

Leavitt spricht auch offen darüber, dass das Opfer, dessen Name in den E-Mails geschwärzt ist, Virginia Giuffre war. Die dreifache Mutter hat sich im April dieses Jahres das Leben genommen. Das Outing haben zuvor die Republikaner im House Oversight Committe selbst besorgt.

Sie haben den Demokraten vorgeworfen, dass sie Giuffres Namen aus politischem Kalkül geschwärzt haben. Der Hintergrund: Giuffre hat 2016 zu Protokoll gegeben, sie habe nie gesehen, dass Trump sich in irgendeiner Weise an dem Missbrauch von Mädchen beteiligt hat. Der Tenor: Durch die Schwärzung sollte der Präsident schlecht aussehen.

Karoline Leavitt claimed today that Trump was always "extremely professional" while hanging out with [checks notes] Jeffrey Epstein

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 12. November 2025 um 22:15

Die E-Mails würden nur beweisen, dass Trump «nichts falsch gemacht» habe, so Leavitts Lesart. Epstein und er hätten beide in Palm Beach, Florida gelebt – und irgendwann habe Trump Epstein aus dem Mar-a-Lago-Luxusclub geworfen, weil der inzwischen Verstorbene «ein Pädophiler und ein Grüsel» war.

Trump macht Druck auf Boebert –  vergeblich

Nicht nur die neu veröffentlichten E-Mails machen gestern im Fall Epstein Schlagzeilen. Die «New York Times» (NYT) berichtet zudem, dass Trump den Druck auf republikanische Politikerinnen erhöht, die sich für eine Freigabe der Akten aussprechen. Er habe Lauren Boebert angerufen und hat sie ins Weisse Haus zitiert.

Für das Treffen dankt Boebert Trump auf X und ergänzt: «Gemeinsam setzen wir uns weiterhin für Transparenz für das amerikanische Volk ein», schreibt sie, wie neben der NYT auch «ABC News» zitiert. Der Eintrag ist mittlerweile gelöscht worden. Dafür postet Boebert das Video eines TV-Kommentators, der lobt, dass sie sich in der Sache gegen Partei und Präsidenten stellt. Die Unterschrift unter der Petition zieht sie nicht zurück.

Q: Given you answers about transparency, why are WH officials meeting with Boebert in an effort to get her to not sign the Epstein files petition? LEAVITT: Doesn't it show transparency that members of the Trump administration are willing to brief members of Congress?

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 12. November 2025 um 19:45

Warum will das Weisse Haus Boebert dazu bringen, ihr Votum zurückzuziehen? Karoline Leavitt deutet die Frage um: «Zeugt es nicht von Transparenz, dass Mitglieder der Trump-Administration bereit sind, Kongressabgeordnete zu informieren?» Wichtig sei, miteinander zu reden.

Die Mutter aller Fragen

Es ist keine leichte Pressekonferenz, die Sprecherin Leavitt bestreitet. Sie wehrt die Fragen der Journalisten extrem professionell ab, doch kommt an dem Elefanten im Raum dann doch nicht vorbei. Als sie vom Podium abtritt, ruft ihr Andrew Feinberg vom britischen «Independent» hinterher: 

«Was hat der Präsident stundenlang mit Virginia Giuffre in Epsteins Haus gemacht?»

Leavitt dreht sich natürlich nicht um, um, diese Frage zu klären. Der Londoner «Guardian» kommentiert die Pressekonferenz so: «Leavitt trotzt den Gesetzen der moralischen Physik, um zu betonen, dass Biden und die Demokraten die wahren Übeltäter sind.»

Und was passiert jetzt mit der Petition zur Freigabe der Akten, nachdem die Demokratin Adelita Grijalva ihren Amtseid ablegen und das Dokument unterschreiben konnte? «Es ist eine völlig sinnlose Übung, die vollkommen umstritten ist», sagt Mike Johnson gestern Abend zum Thema. «Wir werden es wohl einfach tun. Ich meine, sie haben 218 Unterschriften.»

Trump warnt seine Partei

Möglicherweise kommt die Petition also nächste Woche vor das Repräsentantenhaus. Sollte sie dort eine Mehrheit bekommen, müsste auch noch der Senat zustimmen. «Nur ein sehr schlechter oder dummer Republikaner würde auf diese Falle hereinfallen», warnt Donald Trump, der zuletzt die Freigabe freigeben müsste.

Wohl deshalb spricht Mike Johnson von einer «sinnlosen Übung». Gleichzeitig veröffentlichen die Republikaner im House Oversight Committee selbst weitere Epstein-Akten, die sie ausgewählt haben.

In sämtlichen Dokumenten, die am 12. November veröffentlicht worden sind, kommt Trumps Name 1500 Mal vor, hat «CBC News» per KI nachgezählt. Das Gros der Nennungen ergebe sich allerdings aus News-Artikeln und Social-Media-Posts.

Maxwells Sonderbehandlung

Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wird berichtet, dass Jeffrey Epsteins Vertraute und Komplizin im Gefängnis angeblich eine Sonderbehandlung bekommt. Nachdem sie in die Hanftantal in Bryan, Texas, verlegt worden ist, in der eigentlich keine schweren Fälle einsitzen, soll sie dort weitere Privilegien geniessen.

So darf sie sich angeblich ihre Mahlzeiten aussuchen und liefern lassen sowie Besuch empfangen, der einen Computer dabei hat, um Dokumente und Mails in ihrem Namen zu senden. Das sei sehr ungewöhnlich. Zudem darf sie auch ausserhalb der Öffnungszeiten das Fitnessstudio in Begleitung von Wachen besuchen.

Bleibt die Frage, was passieren würde, wenn Repräsentantenhaus und Senat die Petition zur Freigabe der Epstein-Akten nun durchwinken würden und der Präsident diese Gesetzesvorlage unterzeichnen müsste. Es scheint so, als würde Donald Trump alles daransetzen, dass es nicht so weit kommt.


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11.11.2025