Coronapandemie bricht klassische Grippewelle im vergangenen Winter

bo, sda

8.11.2021 - 12:20

Die Grippe legte im letzten Winter kaum jemanden ins Bett. (Themenbild)
Keystone

Das Coronavirus hat die Grippeviren im Winter 2020/2021 fast vollständig verdrängt. Die Zahl der Verdachtsfälle war sehr tief. Noch tiefer lagen die Zahlen der effektiv nachgewiesenen Ansteckungen mit dem Grippevirus, dies vor allem wegen der Coronaschutzmassnahmen.

bo, sda

8.11.2021 - 12:20

Von den 1172 Verdachtsfällen für grippeähnliche Erkrankungen im Sentinella-System wurde nur eine einzige positiv auf Influenza getestet, wie aus dem am Montag veröffentlichten Bulletin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) hervorgeht. Im Vorjahr waren dagegen 488 von 1130 durch das nationale Referenzzentrum für Influenza getesteten Nasen-Rachen-Abstrichen positiv. Dies entsprach einem Anteil von 43 Prozent.

Über das obligatorische Meldesystem wurden lediglich 41 laborbestätigte Influenzafälle registriert. In der Saison 2019/2020 registrierten die meldepflichtigen Laboratorien dagegen 11'504 bestätigte Fälle, in der Saison 2018/2019 gar deren 13'412.

Insgesamt gingen letzten Winter gemäss Schätzungen rund 182'000 Personen wegen Verdachts auf eine grippeähnliche Erkrankung zum Arzt. Das entspricht 2,1 Prozent der Bevölkerung.

Oft war die vermutete Grippe Covid-19

Die saisonale Maximalinzidenz bei der Grippe war nur knapp halb so hoch wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Die durchschnittliche saisonale Inzidenz lag knapp 25 Prozent tiefer als jene der letzten zehn Grippesaisons.

«Eine klassische Grippewelle mit Anstieg, Höhepunkt und nachfolgendem Abfall blieb aus», bilanziert das BAG. Eine massgebliche Rolle dürften dabei die Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus gespielt haben, schätzt die Behörde.

Die registrierte Übersterblichkeit von Anfang November 2020 bis Ende Januar 2021 sei auf die zweite Welle der Corona-Epidemie zurückzuführen. Insgesamt habe sich die Grippewelle nicht eindeutig abgrenzen lassen. Dafür spreche der ähnliche Wellenverlauf der Covid-19-Pandemie und der Meldungen zu grippeähnlichen Erkrankungen. Bei zahlreichen Patienten mit grippeähnlichen Symptomen ergab sich ein positiver Test auf Sars-Cov-2.

Auch in Europa und in Nordamerika war die Grippeaktivität in der letzten Wintersaison laut BAG ungewöhnlich tief. Hospitalisationen und Todesfälle wurden in den EU/EAA-Ländern keine verzeichnet. Der Schwellenwert für den Beginn der Grippeepidemie wurde nicht annähernd erreicht. Dieser Schwellenwert liegt bei einer Positivitätsrate von zehn Prozent aller im Rahmen der Sentinel-Überwachung untersuchten Proben.

Keine Aussagen zu Grippeimpfstoffen

Da in der letzten Saison nur eine einzige positive Influenzaprobe gefunden wurde, kann über die Abdeckung durch die Grippeimpfstoffe 2020/2021 keine Aussage gemacht werden. Weil auch in ganz Europa und Nordamerika nur wenige Influenzafälle gefunden worden sind, «stehen für die Saison 2020/21 bisher keine Studien über die Wirksamkeit der Grippeimpfstoffe zur Verfügung», hält das BAG in seinem Bulletin fest.

Trotzdem empfiehlt die Behörde Menschen mit einem erhöhten Risiko von Komplikationen und ihren Angehörigen auch in der kommenden Saison die Grippeimpfung. Zur Covid-Impfung gebe es keine Kontraindikationen. Die Covid-Impfung könne gleichzeitig mit der Grippe-Impfung erfolgen. Das BAG rechnet damit, dass die Grippewelle im kommenden Winter erneut kleiner als gewohnt ausfällt, falls weiterhin umfangreiche Schutzmassnahmen gegen Covid-19 gelten.

Die Grippedurchimpfung lag im März 2021 laut einer Umfrage des BAG bei Personen über 65 Jahren bei 38 Prozent. Das waren rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gesundheitswesen waren 26 Prozent gegen die Grippe geimpft, etwa gleich viele wie im Vorjahr.

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