Pakistan vs. Afghanistan in 3 PunktenDarum greifen Muslime im Ramadan Muslime an
Philipp Dahm
27.2.2026
Pakistan spricht von «offenem Krieg» mit Taliban und greift Afghanistan an
Islamabad wirft den Taliban seit langem die Unterstützung von Terrorgruppen vor. Jetzt eskaliert der Konflikt zwischen den Nachbarn.
27.02.2026
Gefechte zwischen Afghanistan und Pakistan: Wieso greift ausgerechnet im Ramadan ein muslimischer Staat ein anderes islamisches Land an? Der Konflikt schwelt schon länger: Den Grundstein hat – mal wieder – eine Kolonialmacht gelegt, die folgenreich eine Grenze gezogen hat.
Was du bekommst? Die neuerlichen pakistanischen Angriffe auf Afghanistan in 3 Punkten übersichtlich und nachvollziehbar erklärt.
Basis des Konflikts? Mal wieder Kolonialismus: Afghanistan als Pufferzone im Great Game der Mächtigen, ein britischer Beamter, der einen Strich zieht, und die Paschtunen, die das teilt.
Pakistan stärkt den eigenen Feind: Wie Islamabad erst die Mudschaheddin und später die Taliban grossmacht, die heute bekämpft werden.
Druck seit Oktober – jetzt geht der Kessel hoch: erste Attacken, ein brüchiger Frieden, Anschläge mit Dutzenden Toten und Kabuls Flirt mit Indien enden quasi mit Ansage in einer Eskalation.
Ende des 19. Jahrhunderts liefern sich die britische Königin Victoria und die russischen Zaren das Great Game, bei dem sie um Macht und Einfluss in Zentralasien kämpfen. Londons Albtraum: St. Petersburg weitet seine Macht durch den Kaukasus nach Süden aus, etabliert einen Hafen am Persischen Golf und bedroht dann den Seeweg nach Indien.
Der Nahe Osten, der Kaukasus und Indien 1895: London will nicht, dass das russische Kaiserreich an den Persischen Golf vordringt und die Routen nach Indien gefährdet.
OldMapsOnline
Grossbritannien ist es deshalb so wichtig, dass der Iran und Afghanistan nicht in russische Hände fallen: Letzteres Land wird mit zwei Kriegen gefügig gemacht: Afghanistan bleibt zwar unabhängig, doch die Aussenpolitik steuert London. Gleichzeitig muss die Queen überlegen, wie sie diesen Staat von Britisch-Indien abgrenzt, aus dem später Pakistan hervorgeht.
«Rette mich vor meinen Freunden»: Diese Karikatur aus dem Magazin «Punch» von 1878 zeigt den afghanischen Emir Schir Ali zwischen mit dem russischen Bären und dem britischen Löwen.
Gemeinfrei
Das Königreich entsendet einen Diplomaten und Beamten aus Indien, der eine Demarkationslinie festlegen soll: Nach Sir Henry Mortimer Durand wird die spätere Grenze benannt. Sie folgt politischem Kalkül – etwa mit dem Zipfel ganz im Nordosten, der dafür sorgt, dass es zwischen dem russischen Zarenreich und Britisch-Indien keine gemeinsame Grenze gibt.
Keine direkte Grenze zwischen dem russischen Zarenreich und Britisch-Indien: Die Durand-Linie (rot) auf einer englischsprachigen Karte.
Commons/Weaveravel
Das Problem: Die Durand-Linie teilt auch das Siedlungsgebiet der Paschtunen in zwei Teile: In Afghanistan stellt diese Bevölkerungsgruppe knapp 50 Prozent der Ethnien. In Pakistan, das 1947 unabhängig wird, sind es 15 Prozent. Afghanistan erkennt die Grenze nach der Staatsgründung des Nachbarn nicht an, weil Kabul alle Paschtunen führen will.
Die Durand-Linie (rot) und Gebiete, die vrowoegend von Paschtunen bewohnt werden (hellblau).
CIA/Gemeinfrei
Pakistan stärkt den eigenen Feind
Damals wie heute wirft Pakistan Afghanistan vor, paschtunische Separatisten hinter der Grenze zu unterstützen. Kabul wiederum rückt weder als Monarchie noch unter kommunistischer Regierung von seinen Ansprüchen ab. Die bilateralen Beziehungen bleiben jahrzehntelang kühl. Das ändert sich 1979 mit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan.
US-Präsident Ronald Reagan (Dritter von links) trifft am 2. März 1983 im Weissen Haus «afghanische Freiheitskämpfer»: Die USA unterstützen die Mudschaheddin mit Geld und Waffen, darunter auch moderne Stinger-Flugabwehrraketen.
Michael Evans/Gemeinfrei
Die USA machen Pakistan im Kalten Krieg zu einem Sicherheitspartner und trainieren dort afghanische Widerstandsgruppen – die Mudschaheddin. Dadurch steigt Islamabads Einfluss in Kabul: Als nach dem sowjetischen Abzug 1989 Bürgerkrieg in Afghanistan ausbricht, setzen sich die vornehmlich paschtunischen Taliban auch dank Pakistans Hilfe 1996 durch.
Mudschaheddin in den 80er-Jahren in Afghanistan.
IMAGO / ZUMA Press Wire
Islamabad sorgt auch dafür, dass die Taliban nach dem 11. September 2001 und dem folgenden US-Einmarsch in Afghanistan nicht ganz von der Bildfläche verschwinden. Doch Washington macht Druck – und Pakistan muss militärisch gegen Taliban im paschtunischen Grenzgebiet vorgehen. Widerstand formiert sich 2007 in Form der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP).
#Pakistan 🇵🇰: Tehrik-e #Taliban Pakistan (#TTP) ambushed Pakistani Special Forces (SSG) in #Tirah, #Khyber Pakhtunkhwa.
Militants captured rare #Belarus made 🇧🇾 VSK-100 rifles, #Turkey made 🇹🇷 Sarsılmaz ST9 pistol, #China made 🇨🇳 Type 56 rifle and P1 Mk1 (RPG-7P) rockets.
Es sind eben jene «pakistanischen Taliban», die jetzt zum Auslöser der neuerlichen Kriegshandlungen werden. Islamabad wirft Kabuk vor, die Rebellen, die auch Kontakte zum sogenannten Islamischen Staat pflegen, zu unterstützen und Terroristen Unterschlupf zu bieten. Laut dem Pakistan Institute for Peace Studies gab es 2025 in dem Land fast 700 Anschläge.
Druck seit Oktober – jetzt geht der Kessel hoch
Nach dem US-Abzug aus Afghanistan und der Machtübernahme der Taliban hofft Islamabad, dass Kabul sich mässigend auf die TTP auswirkt, doch selbst die Vereinten Nationen attestieren, dass Afghanistan den «Pakistanischen Taliban» ein günstiges Umfeld bietet. Im Oktober 2025 reagiert Pakistan militärisch – und bombardiert erstmals Kabul.
Afghanistan sieht sich dadurch in seiner Souveränität verletzt, greift zwei Tage später einen Grenzposten an – und Islamabad kontert mit Artillerie. Die Scharmützel und Vorfälle halten seither an: Am 11. Februar warnt der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif vor Krieg, wenn die Taliban ihre Aktionen in seinem Land nicht einstellen.
Why has Pakistan bombed Afghanistan?
Pakistan carried out multiple air strikes on Afghanistan at the weekend, killing at least 18 people.
These included women and children, according to the Taliban.
Während Afghanistan gleichzeitig seine Beziehungen zu Islamabads Erzfeind Indien ausbaut, kommt es in Pakistan weiter zu tödlichen Anschlägen mit Dutzenden Toten, berichtet «Al Jazeera» am 24. Februar. Kabul bestreitet, mit der TTP zusammenzuarbeiten, doch eine Eskalation scheint unausweichlich.
Pakistan has announced the start of an open war with Afghanistan: overnight airstrikes targeted Taliban positions.
If Trump were president, this war would never have started.
Und nun schreibt Pakistans Verteidigungsminister Asif: «Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg.»
15-Meter-Wal strandet im Fluss – Fischer klettert auf seinen Rücken, um ihn zu retten
Ein 15 Meter langer Wal kämpft im seichten Flusswasser vor Sumatra ums Überleben. Fischer greifen ein – einer klettert sogar auf den Rücken des Kolosses, um ihn zurück Richtung Meer zu lenken. Eine spektakuläre Rettungsaktion mit Happy End.