Streit um die schönste Frau der Welt Darum sieht Deutschland «keinen Anlass zur Rückgabe» der Nofretete

Christian Thumshirn

18.11.2025

Streit um Nofretete – Museum eröffnet – und jetzt will Ägypten seine Königin endlich zurück

Streit um Nofretete – Museum eröffnet – und jetzt will Ägypten seine Königin endlich zurück

Mit der Eröffnung des Grand Egyptian Museum in Gizeh zeigt Ägypten seine grössten Schätze. Doch ausgerechnet die berühmteste Königin des Landes fehlt: Nofretete. Seit über 100 Jahren steht sie in Berlin. Jetzt wird der Ruf nach ihrer Rückkehr lauter.

13.11.2025

Die Rückgabedebatte um die Büste der Nofretete wurde von blue News ausführlich beleuchtet. Jetzt äussert sich die Eigentümerin selbst: die Stiftung Preussischer Kulturbesitz. Und sie macht klar, weshalb die berühmte Königin nicht nach Ägypten zurückkehren wird.

Christian Thumshirn

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • blue News hat die Hintergründe zur Fundteilung von 1913 und den langjährigen Streit um die Büste der Nofretete am vergangenen Wochenende umfassend beleuchtet – jetzt liegt die Antwort der Berliner Stiftung Preussischer Kulturbesitz (SPK) vor.
  • Die SPK erklärt, warum eine Leihgabe ins Grand Egyptian Museum in Gizeh trotz modernster Bedingungen nicht infrage kommt.
  • Zugleich legt die Stiftung dar, wie sie die Frage einer möglichen Rückgabe heute einordnet.

Es ist einer der hartnäckigsten Kulturgut-Krimis unserer Zeit: Seit über hundert Jahren steht die weltberühmte Büste der Nofretete in Berlin – und ebenso lange wird darüber gestritten, ob sie eigentlich zurück nach Ägypten gehört.

Die Fundteilung von 1913, die politische Lage im 20. Jahrhundert, wechselnde ägyptische Regierungen, wiederholte Rückgabeforderungen und zuletzt die Eröffnung des gigantischen Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh – all das hat die Debatte immer wieder neu entfacht.

Mit dem GEM, das modernste Sicherheits- und Präsentationsbedingungen bietet, schien sich die Ausgangslage zuletzt deutlich zu verändern. Doch wie sieht es die Stiftung Preussischer Kulturbesitz heute?

blue News berichtete am vergangenen Wochenende ausführlich über die Geschichte der Fundteilung und den langjährigen Streit um den Besitz der Büste – und hat bei den deutschen Behörden nachgehakt.

«Höchst fragil» – warum Nofretete nicht reisen darf

Nun hat die Stiftung Preussischer Kulturbesitz (SPK) doch noch ausführlich Stellung zur Anfrage genommen.

Die SPK würdigt die Eröffnung des Grand Egyptian Museums als bedeutenden Meilenstein und lobt dessen herausragende Ausstellungsmöglichkeiten. Doch selbst ein hochmodernes Umfeld ändere am Kernproblem nichts:

Nofretete sei nicht transportfähig.

Entscheidend für Leihgaben seien «nicht nur die konservatorischen Bedingungen am Ausstellungsort, sondern vor allem die Transportfähigkeit des Objekts an sich». Und genau hier liege das Problem.

Die Büste wirke zwar auf den ersten Blick hervorragend erhalten, sei aber «höchst fragil», wie naturwissenschaftliche Untersuchungen zeigen.

Damit gehöre sie zu rund 200 Objekten im Neuen Museum Berlin, die in die Kategorie «nicht transportfähig» fallen. Der internationale Trend gehe ohnehin klar dahin, das physische Wohlergehen der Objekte über mögliche Ausleihen zu stellen.

Keine Rückgabeforderung – aus SPK-Sicht auch kein Anlass

Zu der immer wieder aufflammenden Frage nach einer vollständigen Rückgabe an Ägypten bezieht die Stiftung ebenfalls klar Position.

Die Fundteilung von 1913 sei nach damaligem, geltendem Recht erfolgt, und sämtliche Unterlagen belegten einen korrekten Ablauf. Der Vertreter der ägyptischen Altertümerverwaltung habe damals, im Januar 1913, ausreichend Gelegenheit zur Prüfung der Funde gehabt.

Hinzu komme: «Seitens der ägyptischen Regierung gibt es keine Rückgabeforderungen, auch nicht unter Berufung auf moralische Gründe», so die SPK.

Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen der Stiftung, dass man sich der globalen Restitutionsdebatte nicht verweigere. In den vergangenen Jahren habe die Stiftung mehrfach Objekte und «Human Remains» an Herkunftsländer zurückgegeben und forsche aktiv zu kolonialen Kontexten.

Die Entscheidungsgrundlage für die Rückgabe von Kulturgütern bildeten internationale Leitlinien wie die ethischen Richtlinien für Museen oder der deutsche Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Jeder Fall werde individuell bewertet. Im Fall der Nofretete sehe man nach diesen Standards «keinen Anlass zur Rückgabe».

Damit ist die Position der Stiftung Preussisches Kulturgut, der Eigentümerin der Nofretete, eindeutig: Die Büste der Nofretete bleibt in Berlin. Und selbst das modernste Museum der Welt dürfte daran – zumindest aus Sicht der Stiftung – vorerst nichts ändern.


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