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Jetzt meldenRusslands Luftabwehr galt einst als unüberwindbar. Doch diese Zeiten sind vorbei: Immer wieder schlagen ukrainische Drohnen tief im Hinterland ein. Wie gelingt das? Ein Überblick.
Es ist nicht allzu lange her, dass Angriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland als Ausnahme galten. Doch heute erreichen ukrainische Drohnen regelmässig Raffinerien, Militäranlagen und sogar Öllager in Moskau. Die Explosionen weit entfernt von der Front erschüttern Putins Reich nachhaltig.
Und sie werfen Fragen auf: Warum ist Kiew so erfolgreich? Macht Russland alles falsch? Oder macht die Ukraine vieles richtig? Hier ist ein Überblick, warum Moskaus Luftverteidigung derzeit massive Probleme hat.
Ganz schlecht ist die Luftverteidigung nicht. Russland verfügt über leistungsfähige Abwehrsysteme wie S-400, S-300 und Pantsir-S1. In der Tat werden laut «Business Insider» die meisten ukrainischen Drohnen abgefangen. Das Problem ist jedoch die schiere Grösse: Mit 17 Millionen Quadratkilometern ist Russland das mit Abstand grösste Land der Erde. Die Schweiz etwa passt etwa 414 Mal in das Land. Ein Abwehrnetz in der Grössenordnung hat fast schon zwangsläufig Lücken.
Kommt hinzu, dass Russland nicht nur Ölraffinerien, Flugplätze und Rüstungsbetriebe schützen muss, sondern auch die eigenen Truppen an der Front und die annektierte Halbinsel Krim. Nicht zuletzt wegen dieser Herausforderungen gerät die Hauptstadt Moskau immer häufiger ins Visier, und haben ukrainische Drohnen selbst in St. Petersburg, 2500 Kilometer von der Grenze entfernt, Ziele angegriffen.
🔥 St. Petersburg oil terminal was attacked. 1/3
— MAKS 26 👀🇺🇦 (@maks23.bsky.social) 3. Juni 2026 um 09:00
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Die Ukraine setzt zunehmend auf sogenannte Sättigungsangriffe. Dabei werden viele Drohnen gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen gestartet. Die Luftverteidigung muss dann entscheiden, welche Ziele sie bekämpft und welche nicht.
Selbst wenn 95 Prozent der Angreifer abgeschossen werden, können wenige verbleibende Drohnen ausreichen, um eine Raffinerie, ein Treibstofflager oder eine Fabrik zu treffen. Die Angriffe auf die Moskauer Raffinerie im Juni gelten als Beispiel für diese Strategie.
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Dass die Ukraine ihre Angriffe im russischen Hinterland vor allem auf die Ölindustrie konzentriert hat einen einfachen Grund. Für weit entfernte Ziele stehen Kiew vor allem Drohnen mit vergleichsweise kleinen Sprengköpfen zur Verfügung. Statt schwer zerstörbare Fabriken oder Brücken anzugreifen, zielt die Ukraine deshalb auf Raffinerien und Treibstofflager. Diese sind wirtschaftlich und militärisch ebenfalls wichtig, werden aber oft weniger gut geschützt.
Um maximalen Schaden zu erreichen, nehmen die Drohnen mittlerweile komplexe Verarbeitungseinheiten in den Raffinerien ins Visier. Die sind schwer zu reparieren und benötigen häufig Ersatzteile aus dem Ausland. Laut Bloomberg ist die russische Benzinproduktion dadurch bereits deutlich gesunken.

Schwarzer Rauch über Moskau nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Raffinerie am 18. Juni 2026.
Bild: IMAGO/Anadolu Agency
Nach Angaben ukrainischer Militärvertreter schickt Kiew bei manchen Angriffen Hunderte sogenannte Decoy Drones (Täuschungsdrohnen) vor den eigentlichen Angriffsdrohnen los. Diese Drohnen sind teilweise unbewaffnet und dienen nur dazu, Radare auszulösen, Flugabwehrraketen zu verschwenden und Schwachstellen in der Verteidigung sichtbar zu machen.
Teilweise tragen auch die Täuschungsdrohnen kleine Sprengladungen und können Luftabwehrstellungen beschädigen, erklärt die «Kyiv Post». Einige strahlgetriebene Drohnen, können auf dem Radar sogar Marschflugkörper imitieren. Die eigentlichen Angriffsdrohnen folgen erst in einer weiteren Welle. Dann hat Russland aber schon grosse mengen teurer Abfangmunition verfeuert – und die Stellungen seiner Radar- und Abwehranlagen preisgegeben.
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Ukrainische Geheimdienstvertreter berichten von KI-gestützten Systemen, die grosse Drohnenschwärme koordinieren und Flugrouten dynamisch anpassen können. Ziel ist es, russische Radare zu umgehen, Angriffe zu synchronisieren und Lücken im Verteidigungsnetz auszunutzen. Dadurch wird es für die russische Luftabwehr schwieriger, den Überblick zu behalten.
Nicht unbedingt. Die russische Luftverteidigung schiesst weiterhin einen grossen Teil der Angreifer ab. Die jüngsten Erfolge der Ukraine zeigen aber, dass selbst stark geschützte Regionen nicht unangreifbar sind.
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Für Moskau ist das vor allem ein politisches Problem, weiss die französische «Le Monde»: Jeder Einschlag in Moskau, auf der Krim oder in wichtigen Industrieanlagen beschädigt das Bild einer allmächtigen Verteidigung und zwingt Russland, immer mehr Ressourcen für den Schutz des Hinterlands einzusetzen.