Von der Ballettstange zur ersten Milliarde Das ist Luana Lopes Lara, jüngste Selfmade-Milliardärin der Welt

Noemi Hüsser

8.12.2025

Die 29-Jährige Luana Lopes Lara besuchte als Teenager eine Ballett-Schule, dann studierte sie am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Die 29-Jährige Luana Lopes Lara besuchte als Teenager eine Ballett-Schule, dann studierte sie am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Screenshot Instagram

Mit ihrer Prognoseplattform Kalshi wird Luana Lopes Lara zur neuen jüngsten Selfmade-Milliardärin. Wer sie ist, was sie macht – und warum ihr Geschäftsmodell in der Schweiz verboten ist.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Luana Lopes Lara, Mitgründerin der Prognoseplattform Kalshi, wird mit 29 Jahren laut «Forbes» zur jüngsten Selfmade-Milliardärin der Welt.
  • Kalshi sammelte kürzlich eine Milliarde US-Dollar an Kapital ein und wird mit 11 Milliarden bewertet; Lopes Lara und Co-Gründer Tarek Mansour halten je 12  Prozent am Unternehmen.
  • Die Plattform gilt als juristischer Vorreiter für Prognosemärkte in den USA und sagte die Präsidentschaftswahl 2024 korrekt voraus.

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Wer sich zutraut, solche Ereignisse zu erraten, kann damit sogar Geld verdienen. Prognosemärkte wie die Plattform Kalshi ermöglichen, auf die Zukunft zu wetten.

Doch hier geht es nicht in erster Linie um Kalshi – und erst recht ist das keine Einladung zum Glücksspiel – sondern um die Frau, die hinter der Plattform steckt. Luana Lopes Lara ist seit wenigen Tagen laut Wirtschaftsmagazin «Forbes» die jüngste Selfmade-Milliardärin.

Die 29-jährige Brasilianerin hat den Titel der 31-jährigen Techunternehmerin Lucy Guo abgeluchst, die ihn ihrerseits erst im April von Pop-Phänomen Taylor Swift übernahm.

Zusammen mit ihrem Mitgründer Tarek Mansour, ebenfalls 29, hat Luana Lopes Lara diese Woche eine Milliarde Dollar an frischem Kapital für Kalshi gesammelt. Kalshi wird nun mit 11 Milliarden bewertet, und das Vermögen von Lopes Lara und Mansour, die beide 12 Prozent des Unternehmens halten, stieg auf je 1,3 Milliarden Dollar.

Lopes Lara scheint einer jener Menschen zu sein, denen einfach alles gelingt. Noch bevor sie Kalshi gründete, war sie schon ganz jung ziemlich weit oben – nur in einer ganz anderen Branche: dem Ballett.

2011 besuchte sie in Brasilien eine der renommiertesten und strengsten Ballettschulen der Welt. Von 7 Uhr morgens bis mittags war die Teenagerin in der Schule, von 13 Uhr bis 21 Uhr ging sie in den Ballettunterricht. Noch heute sagt sie, das sei die intensivste Zeit ihres Lebens gewesen. Und erzählt davon, wie Lehrer ihr brennende Zigaretten unter den Oberschenkel hielten, um zu testen, wie lange sie das Bein in der Luft halten konnte, ohne sich zu verbrennen.

In den Vorlesungen in der ersten Reihe

Doch ihr grosser Traum war es nicht, für immer Ballett zu tanzen, sondern –inspiriert von ihrer Mutter, einer Mathematiklehrerin, und ihrem Vater, einem Elektroingenieur – der nächste Steve Jobs zu werden, so schreibt es «Forbes». Also bewarb sie sich 2014, da war sie 17 Jahre alt, am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sie wurde angenommen und begann, Informatik und Mathematik zu studieren. Während der Vorlesungen sass sie immer in der ersten Reihe, erzählt Mitstudent und späterer Mitgründer Mansour.

Die beiden befreundeten sich und absolvierten 2018 zusammen ein Praktikum bei einem Finanzunternehmen. Da kam ihnen die Idee für Kalshi. Geldmärkte würden sowieso auf externen Ereignissen wie Wahlergebnissen oder Naturkatastrophen basieren, wieso also nicht direkt darauf spekulieren, statt den Umweg über die traditionelle Börse zu machen?

Auf Kalshi lassen sich auf konkrete Ereignisse aus Kultur, Politik oder Wirtschaft Wetten abschliessen.
Auf Kalshi lassen sich auf konkrete Ereignisse aus Kultur, Politik oder Wirtschaft Wetten abschliessen.
Screenshot kalshi.com

Doch um dorthin zu kommen, musste das Unternehmen mehrere Hürden meistern. Die Legalität solcher Prognosemärkte war in den USA lange nicht klar definiert, und Kalshi benötigte eine Genehmigung der Aufsichtsbehörde. In der Schweiz sind solche Märkte übrigens verboten, weil sie als reines Glücksspiel gelten.

Die US-Genehmigung erhielt Kalshi 2020. Im Juli 2021 gingen die Plattform live. Damit hatten sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihrem grössten Konkurrenten Polymarket, das schon 2020 gestartet war und 2022 eine Geldstrafe von 1,4 Millionen Dollar zahlen musste, weil sie nicht registriert waren.

Prognosemärkte sind oft zutreffender als Umfragen

Doch auch für Kalshi ging die Auseinandersetzung mit den Behörden weiter. 2023 verweigerte die Aufsichtsbehörde dem Unternehmen, Wetten auf die Präsidentschaftswahlen 2024 anzubieten, da sie diese als reines Glücksspiel einstufte. Lopes Lara und Mansour klagten dagegen – und bekamen vor Gericht recht. Während des Wahlkampfs setzten Kalshi-Nutzer*innen daraufhin 500 Millionen Dollar auf Donald Trump oder Kamala Harris. Am Ende sagten sie richtig voraus, dass Trump die Wahl gewinnen würde.

So waren die Daten von Kalshi – und auch Polymarket – teils zutreffender als viele Umfragen. Ihr Vorteil: Prognosemärkte bewegen sich in Echtzeit und bündeln das Wissen vieler Menschen gleichzeitig.

Doch genau daraus entsteht auch eine Schwäche: Einzelne grosse Investor*innen können die Prognose des Marktes verzerren – und damit das eigentlich kollektive Urteil trüben. Kritiker*innen werfen Prognosemärkten zudem vor, ethisch verwerflich zu handeln und aus politischen oder gesellschaftlichen Krisen Kapital zu schlagen.

Prognosemärkte mögen umstritten sein – als Geschäftsmodell jedenfalls funktionieren sie. Zumindest für Luana Lopes Lara hat sich der Blick in die Zukunft längst ausgezahlt.


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