Timeline einer FreundschaftDas wissen wir über Trumps Beziehung zu Epstein
Noemi Hüsser
14.11.2025
Es existieren mehrere Bilder von Jeffrey Epstein und Donald Trump. Im Juli 2025 hängten Aktivist*innen ein Poster in London auf.
Bild:Keystone/AP Photo/Thomas Krych
Über Jahrzehnte hinweg begegneten sich Donald Trump und Jeffrey Epstein immer wieder – bei Partys, in Privatjets. Fotos zeigen sie mit jungen Frauen. Eine chronologische Rekonstruktion ihrer Beziehung.
Immer mehr E-Mails, Fotos und Dokumente werden veröffentlicht, die Donald Trump in engem Verhältnis zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zeigen.
Die Materialien belegen eine jahrelange Verbindung der beiden, inklusive gemeinsamer Partys und mutmasslicher Kontakte zu jungen Frauen.
Trump bestreitet inzwischen eine enge Freundschaft mit Epstein; bereits 2019 erklärte er, er sei «nie ein Fan von ihm gewesen».
Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus haben am Mittwoch neue E-Mails veröffentlicht, die den US-Präsidenten Donald Trump enger mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in Verbindung bringen.
Doch wann hat Epstein diese Nachrichten genau verfasst – und wie sah Trumps Verhältnis zu ihm aus? Eine chronologische Einordnung.
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1980er-Jahre
Wann und wie sich Trump und Epstein kennenlernen, ist unklar. 2002 erzählt Trump dem «New York Magazine», dass er Epstein bereits 15 Jahre kenne.
Ihre Freundschaft beginnt demnach in den späten 1980er-Jahren. 1985 kauft Trump das Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Epstein erwirbt 1990 eine Villa ganz in der Nähe.
«Meiner Meinung nach war Epstein Trumps bester Freund», sagt ein früherer Mitarbeiter des Trumps Plaza and Casino Hotel im Sommer 2025 zu CNN.
Er behauptet zudem, Trump und Epstein hätten einmal zu junge Frauen illegal auf ins Casino in Atlantic City gebracht, wo sie häufig gemeinsam Zeit verbracht hätten.
1992
Erste öffentliche Aufnahmen der beiden stammen aus dem Jahr 1992. Videoaufnahmen von NBC zeigen Trump und Epstein an einer Party im Mar-a-Lago. Trump tanzt mit jungen Frauen, flüstert Epstein etwas ins Ohr und zeigt lachend in Richtung der Tänzerinnen.
Kurze Zeit später veranstaltet Trump in Mar-a-Lago eine Party, an der auch Epstein teilnimmt. So erzählt es die Geschäftsfrau Jill Harth später.
Laut ihrer Aussage belästigt Trump sie an der Party sexuell. 1997 reicht sie Klage ein, die später fallengelassen wird. Trump bestreitet die Vorwürfe.
1993
1993 ist Epstein Gast an Trumps Hochzeit mit dessen zweiter Ehefrau Marla Maples im Plaza Hotel in New York. Fotos davon werden 2025 veröffentlicht.
Das Model Stacey Williams erzählt 2024, Donald Trump habe sie 1993 sexuell belästigt, als Epstein sie in den Trump Tower mitbrachte. Trump weist die Anschuldigungen zurück.
Zwischen 1993 und 1997 fliegt Trump zudem mehrfach in Epsteins Privatjet zwischen Palm Beach und New York. Das zeigen Flugprotokolle, die 2021 im Prozess von Epsteins Partnerin Ghislaine Maxwell als Beweismittel geführt werden.
Maria Farmer erzählt 2025, dass Epstein sie 1995 spätabends in sein Büro bestellt habe, wo Trump sich «über sie gebeugt» und «auf ihre nackten Beine gestarrt» habe. Das Weisse Haus bestreitet, dass es diese Begegnung gegeben habe.
Späte 1990er
Zwischen 1997 und 2000 sind Trump und Epstein regelmässig auf denselben Events zu sehen. 1997 besuchen sie gemeinsam eine Victoria’s-Secret-Party in New York; ein Foto zeigt sie neben Model Ingrid Seynhaeve.
Thematic photo gallery from Getty: Donald Trump, Ingrid Seynhaeve and Jeffrey Epstein. pic.twitter.com/sFSpEvjkSE
Videomaterial von CNN zeigt Trump und Epstein 1999 lachend und plaudernd bei einer Victoria’s Secret Modeschau. Und aus dem Jahr 2000 existiert ein Bild von Trump und Epstein zusammen mit Melania Trump – damals Knauss – und Epsteins Partnerin Ghislaine Maxwell.
Die 16-jährige Virginia Giuffre arbeitet 2000 im Spa von Mar-a-Lago, als sie von Maxwell angesprochen wird. Maxwell bietet ihr einen Job als Masseurin an.
Giuffre wird später zu einem der bekanntesten Opfer Epsteins. Sie sagt aus, Maxwell und Epstein hätten sie gezwungen, mit mächtigen Männern Sex zu haben – darunter Andrew Mountbatten-Windsor, ein Prinz der britischen Königsfamilie. Er bestreitet die Vorwürfe, ein Zivilverfahren wird 2022 aussergerichtlich beigelegt.
Im April 2025 nimmt sich Giuffre das Leben. Im Oktober 2025 verliert Andrew Mountbatten-Windsor seine royalen Titel.
Einen «tollen Kerl» nennt Trump Epstein 2002 im «New York Magazine». «Es macht viel Spass, mit ihm zusammen zu sein. Man sagt sogar, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind eher jünger.»
2003
2003 feiert Epstein seinen 50. Geburtstag. Seine Partnerin Maxwell stellt ein Album mit Briefen, Fotos und Zeichnungen seiner Freunde zusammen. Im September 2025 wird dessen gesamter Inhalt veröffentlicht.
Eine Notiz, die offenbar von Trump stammt, zeigt eine Zeichnung einer nackten weiblichen Figur und einen imaginären Dialog zwischen Trump und Epstein. Unter der Skizze steht Trumps Unterschrift. Dieser bestreitet, den Brief und die Skizze verfasst zu haben.
Die Geburtstags-Nachricht von Trump an Epstein zu dessen 50. Geburtstag.
ZVG
2004
Im Jahr 2004 gibt es einen Bruch in der Beziehung von Epstein und Trump. Berichten zufolge, weil beide dasselbe Anwesen in Palm Beach kaufen wollen. Trump überbietet Epstein – und verkauft die Immobilie vier Jahre später weiter.
Von hier an gibt es keine bekannten gemeinsamen Auftritte der beiden mehr.
2007
2007 berichten Medien, Epstein sei aus dem Privatclub Mar-a-Lago ausgeschlossen worden, weil er die Tochter eines Clubmitglieds belästigt habe.
Im Juli 2025 erzählt Trump die Geschichte anders: Epstein habe Mitarbeiterinnen aus dem Club abgeworben. «Ich sagte: ‹Tu das nie wieder.› Und er hat es wieder getan. Da habe ich ihn rausgeworfen», sagt er vor Medien.
Trump: For years I wouldn't talk to Jeffrey Epstein. He did something that was inappropriate. He hired help and I said don't ever do that again. He stole people that worked for me pic.twitter.com/9pbcpx2rxH
Eine 2025 veröffentlichte E-Mail stammt aus dem Jahr 2011. Epstein sagt seiner Partnerin Maxwell darin, Trump habe «Stunden in meinem Haus verbracht» und bezeichnet Trump als «Hund, der nicht gebellt hat».
2015
Epsteins «Little Black Book» wird veröffentlicht – ein Adressbuch, das 1571 persönliche Kontakte von Jeffrey Epstein enthält. Auch der Name Donald Trump befindet sich darin.
Im selben Jahr informiert der Autor Michael Wolff Epstein per E-Mail, CNN werde Trump nach ihrer Beziehung fragen.
2018
Epstein wendet sich an den Europarats-Vorsitzenden Thorbjørn Jagland, um ihn um Kontakt zur russischen Führung zu bitten. Angeblich will er dem Kreml Informationen über Trump zukommen lassen. Auch mit Russlands UN-Botschafter, Vitaly Churkin, will Epstein über Trump gesprochen haben.
NEW: Jeffrey Epstein said in emails that he had been advising the Russian government on how to deal with Donald Trump, one of several cases in which he wielded his connections to try to influence the course of foreign affairs. w @nahaltoosi
www.politico.com/news/2025/11...
Im Juli 2019 wird Epstein verhaftet. In einer zuvor gesendeten E-Mail erwähnt er Mar-a-Lago und ein anonymisiertes Opfer – und schreibt: «Natürlich wusste Trump von den Mädchen.» Einen Monat später nimmt sich Epstein in seiner Zelle das Leben.
2020
Epsteins Partnerin Ghislaine Maxwell wird verhaftet. «Ich habe sie im Laufe der Jahre mehrfach getroffen. Ich wünsche ihr alles Gute, was auch immer es sein mag», sagt Trump an einer Pressekonferenz.
Eineinhalb Jahre später wird Maxwell wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung schuldig gesprochen. Sie hat über Jahre systematisch Minderjährige für Epstein rekrutiert, die von diesem dann sexuell missbraucht wurden.
Seit 2019 steht Trump unter Druck, seine frühere Beziehung zu Epstein zu erklären. «Ich war kein Fan von ihm», sagte er damals. Die veröffentlichten Fotos, Unterlagen und E-Mails zeichnen jedoch ein anderes Bild ihrer gemeinsamen Zeit.
Juristisch hat das bisher keine Konsequenzen: Trump taucht in keiner Anklage auf und bestreitet jeden Zusammenhang mit Epsteins Verbrechen. Auch das Weisse Haus hält an dieser Darstellung fest. Sprecherin Karoline Leavitt nennt die veröffentlichten E-Mails einen «konstruierten Schwindel der Demokratischen Partei».
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Memoiren von Epstein-Anklägerin Giuffre posthum veröffentlicht
Die Memoiren von Virginia Giuffre sind posthum veröffentlicht worden. Die US-Amerikanerin, die im April Suizid begangen hatte, war eine der bekanntesten Anklägerinnen des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, der 2019 im Gefängnis tot aufgefunden worden war. Auch gegen Prinz Andrew setzte sich Giuffre juristisch zur Wehr.