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Jetzt meldenDonald Trump will Kanada zum 51. Bundesstaat machen – dort stösst der Vorstoss auf wenig Gegenliebe. Seine Gelüste sind ein Bärendienst für die Konservativen, die vor der Wahl nun Federn lassen. Justin Trudeau gefällt das.
Anfang des Jahres stand quasi schon fest, dass der Liberalen Partei Kanadas ein phänomenaler Abstieg bevorsteht: Nachdem ihr Vorsitzender Justin Trudeau im November 2015 zum Premier bestimmt wird, erreicht seine Partei im September 2016 eine Zustimmung von satten 65 Prozent. Danach geht es jedoch nur noch abwärts.
Vor Donald Trump Amtsantritt sinkt der Wert auf magere 22 Prozent, staunt «Sky News». Es steht scheinbar fest, dass bei den Wahlen im Oktober des laufenden Jahres die Konservativen die Macht übernehmen werden. Die Lage ist derart prekär, dass Trudeau schon vom Parteivorsitz zurückgetreten ist: Er führt das Amt nur noch provisorisch.

Guten Freunden gibt man ein Küsschen: Beim G7-Gipfel in Biarritz im August 2019 begrüsst Justin Trudeau Melania Trump, die neben ihrem Gatten steht. Brigitte und Emmanuel Macron (r.) schauen zu.
Bild: Keystone
Doch nur einen Monat nach dem Bericht von «Sky News» schlägt der «Telegraph» Alarm: «Donald Trump könnte gerade Kanadas Konservative die Wahl kosten», warnt die konservative britische Zeitung. Grund sind die durchaus aggressiv geäusserten Gelüste des US-Präsidenten, das Nachbarland seinem Staat anzuschliessen.
Untermauert hat der New Yorker seine Forderung mit der Androhung hoher Zölle. Alleine schon dieser Vorgang hat in Kanada scharfe Reaktionen hervorgerufen. Zum einen haben diverse Detailhändler dort einen Boykott amerikanischer Waren ausgerufen. Zum anderen wird bei einem Basketballspiel gegen ein US-Team laut gebuht, als die US-Hymne vorgetragen wird. So kennt man den braven Kanadier eigentlich gar nicht.
Kanada hat seinen eigenen Charakter, hält der «Telegraph» fest: eine sozialdemokratische Tradition, einen Wohlfahrtsstaat, ein Recht auf Abtreibung und eine Aussenpolitik, die sich eher an Europa als an den USA orientiert. Der Kanadier fühle anders, als der Amerikaner: Eine Übernahme durch die USA sei daher ausgeschlossen.
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Und deshalb kämen die Konservativen nun in die Bredouille: «Bislang hat der Oppositionsführer die Umfragen dominiert», schreiben die Briten. Pierre Poilievre und seine Partei würden nach Trumps Attacke aber an Boden verlieren. Poilievres Problem sei, dass er vom rechten Flügel der Konservativen kommt, die Mühe habe, sich von den US-Rechten abzugrenzen.
Noch sei das Wahlrennen nicht gelaufen, schreibt der «Telegraph» vor knapp drei Wochen.: «[Aber] wie ironisch wäre es, wenn Donald Trumps völlig unnötige Tiraden und seine unüberlegte Wirtschaftspolitik der Partei des kanadischen Liberalismus eine weitere Amtszeit bescheren würden?»
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Und nun ist es so weit: Nachdem die Konservativen in Umfragen seit Jahren vor den Liberalen gelegen haben, hat sich der Trend dank Trump umgekehrt. Eine neue Befragung, die «Global News» in Auftrag gegeben hat, sieht Trudeau mit 38 Prozent zwei Punkte vor Poilievre.
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Das Überholmanöver gelang, weil die Liberalen 10 Prozent gewonnen und die Konservativen 5 Prozent verloren haben. «Die Führung der Liberalen wechselt«, erklärt Darrell Bricker, CEO des Umfrage-Instituts Ipsos Public Affairs. «Justin Trudeau hat die Partei verlassen und es wird einen neuen Vorsitzenden der Liberalen Partei geben. Ich glaube, die Leute sind gespannt, wer das sein wird.»
Hinzu komme der Trump-Effekt: «Die Bedrohung von südlich der Grenze hat dazu geführt, dass wir uns nicht mehr mit den Rechtsstreitigkeiten der Liberalen der letzten zehn Jahre befassen, sondern mit den Vereinigten Staaten.» Dabei sollte Donald Trump vorsichtig sein, was er sich wünscht.
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Kanada ist mit gut 41 Millionen ähnlich gross wie Kalifornien, das knapp 40 Millionen Menschen zählt. Und Kalifornien stellt mit 54 Wahlleuten die grösste Gruppe im Electoral College, das den Präsidenten wählt. Auf den Plätzen folgen mit deutlichem Abstand Texas und Florida – mit 40 und 30 Wahlleuten.
Würde Kanada nun tatsächlich der 51. Bundesstaat der USA, würden dort wohl ebenfalls mindestens 54 Wahlleute fällig werden. Kalifornien ist eine Hochburg der Demokraten: Käme mit Kanada ein weiterer blauer Block dazu, kämen die Demokraten in der nächsten Präsidentschaftswahl im November 2028 bereits auf 108 Wahlleute.
Das würde die Chancen auf eine Wiederwahl für die Republikaner deutlich senken. Ob Trump daran gedacht hat? Spätestens im Oktober wird der 78-Jährige das tun, falls die Liberalen tatsächlich in der Regierung bleiben sollten.