Beschuss statt Starlink-Zugang Russische Soldaten verkaufen eigenen Standort an ukrainische Hacker

Oliver Kohlmaier

13.2.2026

Das Starlink-System wurde von beiden Seiten für die Navigation von Drohnen genutzt – Russland ist nun ausgeschlossen.
Das Starlink-System wurde von beiden Seiten für die Navigation von Drohnen genutzt – Russland ist nun ausgeschlossen.
Bild: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa (Archivbild)

Der Starlink-Zugang wurde Anfang Februar für Russland gekappt. Dies sorgt bei Putins Streitkräften nun offenbar für massive Probleme – und wird von ukrainischen Hackern geschickt genutzt.

Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Ausschluss Russlands aus dem Satelliten-Internet Starlink sorgt bei Putins Streitkräften für grosse Kommunikationsrobleme.
  • Soldaten versuchten, die Massnahmen von SpaceX zu umgehen – und liefen in eine Falle von ukrainischen Hacktivisten.
  • Diese leiteten die Positionsdaten russischer Einheiten an die ukrainische Armee weiter.

Das Satelliten-Internet Starlink nutzten im Ukraine-Krieg beide Seiten intensiv – auch wenn Russland eigentlich nie eine Erlaubnis dafür hatte.

Seitdem Moskaus Zugang durch SpaceX Anfang Februar endgültig gekappt wurde, bekommen die russischen Streitkräfte zunehmend Probleme. Der Militärkorrespondent des russischen Staatsfernsehens Alexander Sladkow klagte bereits, dass die Kommunikation auf das Niveau des Kriegsbeginns zurückgeworfen worden sei.

Sabotage durch Hacktivisten

Nun versuchen Putins Einheiten mit allen Mitteln, den Starlink-Ausfall zu umgehen. Das wiederum machen sich ukrainische Hacker zunutze. Wie unter anderem Defence-Blog berichtet, haben ukrainische Hacktivisten um die Gruppen «256 Cyber Assault Division», «InformNapalm» und «MILITANT» russische Soldaten mehrfach in eine Falle gelockt, indem sie deren Umgehungsmassnahmen sabotierten.

Und das geht so: Russische Soldaten suchen nach sogenannten «Drops», also ukrainischen Staatsbürgern, die bereit sind, Empfangsterminals gegen Krypto-Bezahlung zu aktivieren. Die Hacker erstellten also ein Netzwerk aus Bots, die entsprechende Dienste anbieten, um an die Position russischer Einheiten zu gelangen. Durch diese Vorgehensweise konnten die Hacker laut eigenen Angaben über 2400 Datenpakete von Starlink-Terminals abfangen und somit deren exakte Position bestimmen. 

Damit schlugen die Hacker zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum Einen leiteten sie die Standortdaten der russischen Einheiten an die ukrainischen Streitkräfte weiter – statt Starlink-Zugang gab es also Artilleriebeschuss. Zum Anderen nahmen die Hacker dadurch mehrere Tausend US-Dollar an «Spenden» ein, wie sie die Zahlungen durch die russischen Soldaten selbst nannten.

Hinzu kommt: Mit der Aktion identifizieren die Hacker 31 ukrainische Staatsbürger, die bereit waren, als Strohmänner zu fungieren. Ihre persönlichen Daten gaben die Hacker an ukrainische Behörden weiter.

Russland setzt auf Glasfaser

Offiziell war die Nutzung von Starlink in Russland nie erlaubt. Es gab weder eine Zulassung für das System in Moskau, noch verkaufte Elon Musk seine Technologien an Russland. Dennoch tauchten ab 2023 die ersten Starlink-Terminals bei russischen Truppen auf. Diese wurden zumeist über Drittländer nach Russland geschmuggelt.

Auch wenn es für Moskau nun keine moderne Alternative zu Starlink gibt, heisst das nicht, dass Russland keinen Krieg mehr führen kann. Denn für den Drohnenkampf setzten Putins Truppen bereits zuvor auf Glasfasertechnik. Die Drohnen hängen an einer Spule mit Dutzenden Kilometern Glasfaserkabel – und können unbehelligt von Funkstörungen ins Ziel gelenkt werden.

Die Kampagne der ukrainischen Hacker währte indessen deutlich kürzer, als es ihnen lieb war. Einige von Ihnen sollen so viele Bots und Kanäle erstellt haben, dass die gesamte Kampagne aufflog.