Trump droht mit MilitärDie ICE-Gestapo und 3 Fälle, die zeigen, wie gespalten die USA sind
Philipp Dahm
16.1.2026
ICE-Agenten zerren Frau aus ihrem Auto
Am 13. Januar 2026 ziehen Beamte der Einwanderungspolizei ICE eine Frau in Minneapolis, Minnesota, aus ihrem Wagen und verhaften sie.
15.01.2026
Nicht nur im Bundesstaat Minnesota geraten Teile des Volkes und ICE-Agenten aneinander, nachdem Renee Good in Minnepolis getötet wurde. Es brodelt im ganzen Land, zeigen ganz verschiedene Beispiele – von Joe Rogan über Trumps Militär-Drohung und stumpfe Gewalt bis zum Geld.
«Wollen wir wirklich die Gestapo sein?» Der rechte Podcast-Gigant Joe Rogan bezieht in der Diskussion um ICE-Einsätze Stellung.
Trump droht mit dem Einsatz des Militärs, wenn der Protest in Minnesota nicht endet. Der Bürgermeister von Minneapolis warnt, der Präsident setze darauf, dass die Lage eskaliert, um einzugreifen.
In Minneapolis schiesst ein ICE-Agent einem Venezolaner ins Bein, weil der die Beamten mit einer Schneeschaufel bedroht haben soll.
«Ich kann auch den Standpunkt derjenigen verstehen, die sagen: ‹Ja, aber du willst doch nicht, dass militarisierte Leute auf den Strassen herumlaufen und Leute festnehmen, von denen sich herausstellt, dass sie eigentlich US-Bürger sind, die nur keine Papiere dabei haben.› Wollen wir wirklich die Gestapo sein? ‹Wo sind deine Papiere?› Ist es das, was wir wollen?»
Das sagt nicht irgendeiner. Das sind die Worte von Joe Rogan, dessen Polit-Podcast nicht nur in den USA die Spotify-Charts anführt, sondern auch in Australien, Neuseeland und Kanada. In Grossbritannien belegt er Rang 2. In den USA thront «The Joe Rogan Experience» seit 2020 an der Spitze. Der 58-Jährige hat Meinungsmacht.
Rogan: "Its very ugly to watch someone shoot a U.S. citizen, especially a woman, in the face…It just looked horrific to me. When people say it's justifiable because the car hit it, it seemed like she was turning the car away."
Und die nutzt Rogan normalerweise, um bei seinem Millionen-Publikum für Donald Trump zu trommeln. Umso überraschender also seine Wortwahl dieses Mal. Was bewegt den Mann zu seinen Worten? «Es ist sehr hässlich zu sehen, wenn jemand einem US-Bürger, besonders einer Frau, ins Gesicht schiesst. [...] Es hat für mich einfach schrecklich ausgesehen. Wenn Leute sagen: ‹Es ist legitim, weil das Auto ihn getroffen hat› – es sah so aus, als habe sie das Auto weggesteuert.»
Joe Rogans Kritik ist nur ein Aspekt einer regelrechten Welle der Wut und des Widerstandes, die der Tod von Renee Nicole Good am 7. Januar in Minneapolis, Minnesota, entfacht hat. Hier sind drei weitere Facetten der aktuellen Lage, die zeigen, wie gespalten die USA sind.
Trump droht mit Militär-Einsatz
Donald Trump droht dem US-Bundesstaat Minnesota über seine Plattform Truth Social mit dem Insurrection Act: Dieses Aufstandsgesetz von 1807 erlaubt dem Präsidenten den Einsatz von Militär und Nationalgarde im Inneren.
🇺🇸⚡- Trump threatens anti-ICE protesters in Minnesota that if they don't stop 'attacking the patriots of ICE', he will invoke the Insurrection Act, which would allow the use of active-duty U.S. military forces to crack down against civilians pic.twitter.com/8sL09pW3EQ
Falls die «korrupten Politiker von Minnesota das Recht nicht befolgen und die professionellen Agitatoren und Aufständischen nicht davon abhalten, die Patrioten von ICE anzugreifen», werde er diese «Travestie» auf diesem Wege beenden, schreibt der Präsident.
Der Bürgermeister von Minneapolis befürchtet, dass die Regierung auf eine Eskalation der Lage setzt: «Wir dürfen den Köder nicht schlucken», warnt Jacob Frey seine Mitbürger. «Die überwältigende Mehrheit der Leute hat friedlich demonstriert.»
Wenn es Streithähne gegeben habe, seien andere Demonstrierende eingeschritten: «Wisst Ihr was? Das ist genau das, was Trump will. Er will, dass wir den Köder schlucken. Er will, dass diese Unruhestifter die Menge beeinflussen, damit diese andere verletzt oder Eigentum beschädigt.»
ICE-Schüsse erneut in Minneapolis und in Kalifornien
«Es ist aggressiv hier geworden», berichtet «Fox News»-Reporterin aus Minneapolis: Schon wieder hat ein ICE-Agent in der Stadt auf eine Person an dessen Wohnort geschossen. Der Mann aus Venezuela habe die Beamten mit einer Schaufel bedroht, einer habe sich bedroht gefühlt und der habe den Angreifer mit einem Schuss ins Bein niedergestreckt.
«Es scheint würde die Dinger dort echt schnell ausser Kontrolle geraten», leitet Sean Hannity, Moderator bei dem konservativen Sender, den Beitrag ein. «Die Proteste arten weiter in Wut aus», bestätigt später Kollegin McAdams. «ICE-Agenten sagen, sie werden geoutet, verfolgt und ins Visier genommen.» Das Weisse Haus beobachte die Lage, heisst es weiter.
Frey: "Imagine if your city or town was invaded by thousands of federal agents that do not share the values that you hold dear."
Während der Venezolaner in Minneapolis sich von seiner Verletzung erholen dürfte, ist Kaden Rummler nach seiner Begegnung in Santa Ana, Kalifornien, nicht mehr der gleiche. Der 21-Jährige wird am 9. Januar sechs Stunden lang operiert, nachdem ein Beamter ihm aus nächster Nähe ins Gesicht schiesst.
Ice is terrorizing Minnesota and California and and and and
Kaden Rummler will einem Freund zu Hilfe kommen, der abgeführt wird. Nach dem Schuss ist auf Videos zu sehen, wie der ICE-Agent den jungen Mann am Pullover wegschleift, der sichtbar um Atem ringt. Das Opfer wird nach der folgenden Notoperation nur noch auf einem Auge sehen können.
Der ICE-Agent schleift Kaden Rummler weg, nachdem er dem 21-Jährigen aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen hat. Der Fall ist dokumentiert, doch weil die Videos nur schwer erträglich sind, werden sie hier nicht verlinkt.
X
Viel Schrapnell verbleibt vorerst in seinem Gesicht, weil es noch zu gefährlich ist, die Stücke zu entfernen, berichtet seine Tante Jeri Rees der «Los Angeles Times». «Das hätte ihn das Leben kosten können», klagt sie. «Jetzt darf er die nächsten sechs Wochen nicht niesen oder husten, weil das viel Schaden anrichten könnte.»
Crowdfunding für das Opfer wie für den Schützen
Für das Opfer Renee Good ist eine Spendenaktion ins Leben gerufen worden, die schon wieder vorbei ist. Der Grund: Das Spendenziel von 1,5 Millionen Dollar als Unterstützung für ihre Familie ist erreicht worden. Die grösste Einzelspende betrug 50'000 Dollar von einem Anonymus. Aber auch für den Schützen wird gesammelt.
Bovino on the officer who killed Renee Good: "Hats off to that ICE agent"
Der Initiant schreibt auf GoFundMe: «Nachdem ich die ganze Medien-Sch**** über das Crowdfunding für eine Inlandsterroristin gesehen habe, denke ich, dass der Agent, der zu 1000 Prozent berechtigt war, zu schiessen, ein Crowdfunding verdient.»
I am big believer in our legal principal that one is innocent until proven guilty.
To that end, I supported the @gofundme for Jonathan Ross and intended to similarly support the gofundme for Renee Good’s family (her gofundme was closed by the time I attempted to provide…
Das Ziel von 800'000 Dollar ist so gut wie erreicht. Eine der beiden grössten Spenden von jeweils 10'000 Dollar kam kommt vom Millardär und Hedgefond-Manager Bill Ackman, der seine Spende auf X rechtfertigte. Er habe auch für Good Geld geben wollen, doch die Aktion sei da bereits beendet gewesen.