Bröckelt Trumps Macht? Die Maga-Bewegung des US-Präsidenten zeigt Erosionen

Philipp Fischer

18.11.2025

Nach Jahren des Personenkults um Donald Trumps fallen erste Anhänger der Maga-Bewegung dem Zorn des US-Präsidenten zum Opfer. Seine politischen Gegner nutzen Trumps Parolen derweil für ironische Anspielungen.
Nach Jahren des Personenkults um Donald Trumps fallen erste Anhänger der Maga-Bewegung dem Zorn des US-Präsidenten zum Opfer. Seine politischen Gegner nutzen Trumps Parolen derweil für ironische Anspielungen.
Symbolbild: IMAGO/NurPhoto

Lange konnte sich Donald Trump auf die Maga-Bewegung blind verlassen. Doch jetzt scheint sich eine Kluft aufzutun zwischen dem US-Präsidenten und seinen Anhängern: An einem turbulenten Wochenende brach Trump mit seiner Verbündeten, der Abgeordneten Marjorie Taylor Greene, und vollzog eine Kehrtwende in der Epstein-Affäre.

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Agence France-Presse, Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der öffentliche Streit des US-Präsidenten mit Marjorie Taylor Greene zeigt seine sich verschlechternde Beziehung zur America-First-Bewegung.
  • Auch im Streit um die Veröffentlichung der Epstein-Akten ging Trump lange auf Konfrontationskurs mit seiner Anhängerschaft.
  • Inzwischen wütet die Maga-Basis angesichts der schwindenden Kaufkraft auch gegen seinen Wirtschaftskurs.

Maga steht für «Make America Great Again» (Macht Amerika wieder grossartig), und Greene folgte lange Trumps Schlachtruf. Noch im März zeigte sich die Abgeordnete des Repräsentantenhauses mit einer roten Kappe mit der Aufschrift «Trump hatte in allem Recht», während der Präsident vor dem Kongress sprach. Bis vor Kurzem war die ultrarechte Greene aus Georgia eine der treuesten Unterstützerinnen Trumps. Doch nun wütet der Präsident in seinem Netzwerk Truth Social gegen seine einstige Mitstreiterin und beschimpft sie als «Marjorie Traitor Greene» (Marjorie Verräterin Greene).

Trump liess Greene fallen, nachdem sie sich in einer Reihe von Fragen von ihm distanziert hatte. Wie viele in der Maga-Bewegung ist sie unzufrieden mit den steigenden Lebenshaltungskosten, seiner Haltung zu Israel und Trumps Fokus auf die Aussenpolitik. Vor allem aber stört sie sich an seinem Umgang mit dem Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.

«Ich weiss besser als jeder andere, was die Maga-Bewegung will», erklärte der US-Präsident vergangene Woche trotzig in einem Interview mit dem Sender Fox News. Maga sei schliesslich seine Idee gewesen.

Misstrauen gegen Trump

Im Fall Epstein will ein grosser Teil des Maga-Lagers jedoch etwas anderes als Trump. Viele fordern, alle Akten zum Epstein-Skandal offenzulegen. Trump hatte im Wahlkampf selbst eine Veröffentlichung aller Ermittlungsakten und Enthüllungen in Aussicht gestellt, liess jedoch seit seinem Amtsantritt im Januar nur einige wenig aussagekräftige Dokumente freigeben.

Kritiker werfen Trump vor, er wolle damit eine mögliche eigene Verstrickung in die Affäre vertuschen, denn jüngst veröffentlichte Dokumente legen eine enge Beziehung zwischen dem heutigen Präsidenten und dem Sexualstraftäter nahe. Den Ermittlungen zufolge missbrauchte Epstein über Jahre minderjährige Mädchen und junge Frauen und vermittelte sie an Prominente. 2019 wurde Epstein tot in seiner Gefängniszelle in New York gefunden. Laut Behörden beging er Suizid.

Bringen die Epstein-Akten Trump zu Fall?

Lange versuchte Trump eine parteiübergreifende Initiative im Repräsentantenhaus zu verhindern, mit der die Regierung zur Freigabe der Akten gezwungen werden soll. Nachdem sich immer mehr Abgeordnete seiner Republikaner dem Vorstoss anschlossen, gab Trump am Sonntag seinen Widerstand gegen die Veröffentlichung auf. «Die Republikaner im Repräsentantenhaus sollten dafür stimmen, die Epstein-Akten freizugeben, denn wir haben nichts zu verbergen», schrieb er auf Truth Social. Noch am Dienstag wollten die Abgeordneten abstimmen, es wurde eine breite Zustimmung erwartet.

Trumps Kehrtwende zeugt jedoch keineswegs von einem Sinneswandel. Sie scheint vielmehr ein Versuch zu sein, die bislang grösste politische Niederlage seiner zweiten Amtszeit in einen Sieg umzumünzen.

Wut in der Maga-Basis

Der Druck aus den eigenen Reihen dürfte jedoch so schnell nicht nachlassen. Denn auch bei anderen Themen brodelt die Wut in der Maga-Basis. Besonders gross ist die Unzufriedenheit angesichts der schwindenden Kaufkraft. Mit dem Thema «bezahlbares Leben» triumphierte die Demokratische Partei Anfang November bei der Bürgermeisterwahl in New York und den Gouverneurswahlen in den Bundesstaaten New Jersey und Virginia.

Trump reagierte mit Reden zur Wirtschaft und wenig realistisch scheinenden Vorschlägen wie einer jährlichen Dividende für alle US-Bürger in Höhe von 2000 Dollar (1600 Franken) aus Zolleinnahmen. Sogar Trumps Finanzminister Scott Bessent reagierte skeptisch.

Tiefe Gräben unter den Anhängern

Viele seiner Anhänger sind Trump zwar nach wie vor in bedingungsloser Loyalität ergeben, doch die Spaltung der Maga-Bewegung dürfte sich vertiefen, je länger seine zweite Amtszeit dauert. Zum Ende hin wird sich alles auf die Präsidentschaftswahl 2028 konzentrieren und die Frage, wer Trumps politisches Erbe antritt.

Vizepräsident JD Vance scheint der Favorit für die Nachfolge, doch ihm wird mangelndes Engagement für Maga vorgeworfen. Könnte das eine Chance für Greene sein? Bislang bestreitet sie, selbst ins Weisse Haus einziehen zu wollen.

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