Falschaussagen und Statements Donald Trump hat der «New York Times» ein Interview gegeben – das ist dabei passiert

Lea Oetiker

9.1.2026

Donald Trump hat sich im Interview mit der «New York Times» ausführlich zu ganz vielen Themen geäussert.
Donald Trump hat sich im Interview mit der «New York Times» ausführlich zu ganz vielen Themen geäussert.
-/The White House via AP/dpa

Donald Trump hat der «New York Times» ein Interview gegeben. Die wichtigsten Aussagen in der Übersicht – und wie Trump mit seinen engsten Mitarbeitern umgeht.

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Im Interview mit der «New York Times» zeigte sich Donald Trump provokant und selbstsicher – so wie man ihn eben kennt.
  • Er kündigte an, die USA würden Venezuela «länger als ein Jahr führen», stellte den New-START-Abrüstungsvertrag mit Russland infrage und bezeichnete die Nato als «wertlos ohne die USA».
  • Mehrere seiner Aussagen waren falsch – etwa zu Obamacare, Paul Manafort und der Russland-Affäre.
  • Zudem fiel im Gespräch sein Umgang mit Mitarbeitenden und Beratern auf, diese nannte er «Kids».

Die «New York Times» hat ein zweistündiges Interview mit US-Präsident Donald Trump geführt. Laut der Zeitung präsentierte sich Trump darin so, wie man es inzwischen von ihm kennt – provokant, selbstsicher und immer wieder faktisch daneben. Diese Aussagen hat er gemacht – und diese sind falsch:

Die 4 wichtigsten Aussagen aus dem Interview

USA bleiben «länger als ein Jahr» in Venezuela

Kurz nach dem Militäreinsatz in Venezuela erklärte Donald Trump, die USA würden das südamerikanische Land nun «führen». Während mehrere Regierungsmitglieder bemüht waren, diese Aussage zu relativieren, legte Trump in einem Gespräch mit der «New York Times» (NYT) nach: Er werde Venezuela «deutlich länger als ein Jahr» führen, sagte er und betonte mehrfach, er sei «verantwortlich».

Umgeben von schwer bewaffneten Sicherheitskräften treffen der gefangen genommene venezolanische Präsident Nicolas Maduro (2.v.r) und seine Frau Cilia Flores (2.v.l) am Wall Street Heliport im New Yorker Stadtbezirk Manhattan ein.
Umgeben von schwer bewaffneten Sicherheitskräften treffen der gefangen genommene venezolanische Präsident Nicolas Maduro (2.v.r) und seine Frau Cilia Flores (2.v.l) am Wall Street Heliport im New Yorker Stadtbezirk Manhattan ein.
Kyle Mazza-Cnp/Zuma Press/dpa

Kritiker werten die US-Operation als Bruch des Völkerrechts. Trump jedoch wies diesen Vorwurf im Interview zurück: «Ich brauche kein internationales Recht.» Auf die Frage, ob es auf der Weltbühne Grenzen seiner Macht gebe, antwortete er: «Ja, eine – meine eigene Moral, mein eigener Verstand.»

Zudem erklärte er, er verstehe sich «sehr gut» mit der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez. Die USA würden Venezuelas Öl übernehmen und im Gegenzug Geld ins Land bringen, «das sie dringend brauchen», so Trump.

Atomwaffenvertrag mit Russland soll auslaufen

Trump deutete an, den letzten verbliebenen Abrüstungsvertrag mit Russland auslaufen zu lassen – den New-START-Vertrag von 2010, der im Februar endet.

Auf Putins Angebot, die bestehenden Begrenzungen beiderseits freiwillig einzuhalten, ging er nicht ein. «Wenn er ausläuft, läuft er aus. Wir schliessen einfach einen besseren Vertrag», sagte Trump.

Der Vertrag begrenzt die Zahl strategischer Sprengköpfe auf 1550 und die der Trägersysteme auf 700. Eine weitere Verlängerung ist laut Vereinbarung nicht vorgesehen – die letzte Verlängerung um fünf Jahre wurde bereits 2021 beschlossen. Laut Trump müsse auch China – dessen Atomarsenal stark wachse – beim nächsten Abkommen einbezogen werden.

Ist Grönland oder die Nato wichtiger?

Seit dem Angriff auf Venezuela treibt Donald Trump seine Forderung nach einer Übernahme Grönlands weiter voran – notfalls auch mit militärischer Gewalt. Zur Begründung verwies er auf Fragen der nationalen Sicherheit.

Auf die Nachfrage, warum er nicht einfach alte Verträge nutzen und frühere US-Stützpunkte wieder eröffnen wolle, erklärte Trump, es gehe ihm um tatsächlichen «Besitz». Nur Eigentum vermittle die psychologische Grundlage für Erfolg.

Die Grönländerinnen und Grönländer haben eine klare Meinung zu Trump – und das er Grönland übernehmen möchte. (Archivbild)
Die Grönländerinnen und Grönländer haben eine klare Meinung zu Trump – und das er Grönland übernehmen möchte. (Archivbild)
Christian Klindt Soelbeck/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

Ob ihm Grönland oder die Nato wichtiger sei, liess der US-Präsident offen, räumte jedoch ein, es könne «eine Entscheidung zwischen beidem» werden. Grönland steht aussenpolitisch weiterhin unter der Verantwortung Dänemarks, beide Länder sind Mitglieder der Nato. Doch Trump bezeichnete das Bündnis als «wertlos ohne die USA».

In Bezug auf Europa erklärte er: «Mit Europa werden wir uns immer irgendwie verstehen, aber sie müssen sich zusammenreissen. Russland interessiert sich nicht für irgendein anderes Land – nur für uns.»

Taiwan wird nicht angegriffen, «solange ich im Amt bin»

Die NYT fragte Trump, ob seine Aktion in Venezuela als Vorbild für China dienen könnte, um Taiwan anzugreifen. Laut dem US-Präsidenten seien die Situationen nicht vergleichbar. Venezuela sei eine «echte Bedrohung», Taiwan nicht.

Sowohl in China als auch in Europa wird derzeit spekuliert, Trumps Vorgehen könne Peking zu einem aggressiveren Kurs ermutigen. Dieser zeigte sich darüber unbesorgt. Was China mit Taiwan mache, sei Sache von Präsident Xi Jinping. Trump sagte jedoch, er wäre «sehr unglücklich», sollte Peking den Status quo verändern. Xi werde während seiner Amtszeit nicht militärisch in Taiwan eingreifen, glaubt Trump. «Vielleicht macht er es, wenn wir einen anderen Präsidenten haben – aber nicht, solange ich im Amt bin», sagte er.

Die 4 wichtigsten Falschaussagen aus dem Interview

Äusserung von Senatorin wurde falsch dargestellt

Donald Trump behauptete, die ehemalige kalifornische Senatorin Dianne Feinstein habe im Fernsehen erklärt, es habe keine Absprachen zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 gegeben. Tatsächlich sagte Feinstein jedoch, sie habe bislang keine Beweise für solche Absprachen gesehen – nicht, dass entsprechende Beweise eine Absprache ausschliessen würden.

Die ehemalige kalifornische Senatorin Dianne Feinstein.
Die ehemalige kalifornische Senatorin Dianne Feinstein.
J. Scott Applewhite/AP/dpa

Zur Erinnerung: Die Russland-Affäre im US-Wahlkampf 2016 bezeichnet die von US-Geheimdiensten nachgewiesene russische Einflussnahme durch Cyberangriffe, Desinformation in sozialen Medien und Kontakte zum Trump-Wahlkampfteam, um die Wahl zugunsten von Donald Trump und gegen Hillary Clinton zu manipulieren.

In einem Interview mit dem Sender CBS im Oktober erklärte sie: «Es ist eine offene Frage, da es bisher keine Beweise dafür gibt, dass es passiert ist. Ich gehe davon aus, dass diese Beweise im Laufe der Ermittlungen von Sonderermittler Mueller ans Licht kommen werden.»

Demokraten sollen Russland-Affäre erfunden haben

Mit der Russland-Affäre geht es gleich weiter. Im Interview bezeichnete Trump diese als demokratischen «Erzählungstrick, als Hoax, als Ausrede für die Wahlniederlage». Doch bereits vor seiner Wahl hatten US-Behörden Alarm geschlagen. Die Obama-Regierung warf Russland im Oktober 2016 öffentlich vor, die Wahl zu beeinflussen, und Obama forderte Putin privat beim G20-Gipfel im September in China auf, damit aufzuhören. Auch CIA-Direktor John Brennan warnte seinen russischen Amtskollegen im August telefonisch eindringlich.

Trump soll die Kohleindustrie «gerettet» haben

Während des Interviews mit der NYT behauptete Trump, die Kohlenindustrie «gerettet» zu haben. Die Aussage stimmt aber nicht ganz mit den Zahlen der Regierung überein. Die Zahl der Beschäftigten im Kohlebergbau sank von rund 90’000 im Januar 2012 auf etwa 48’600 im September 2016. Unter Präsident Trump erholte sich die Branche zunächst leicht und erreichte im September rund 51’700 Arbeitsplätze – seither ist die Beschäftigung jedoch wieder zurückgegangen.

Auch die Kohleförderung legte im ersten Quartal 2017 zunächst zu, fiel im zweiten Quartal jedoch erneut. Die US-Energieinformationsbehörde (EIA) prognostizierte in ihrem jüngsten Branchenbericht für 2018 «geringere Exporte und kein Wachstum beim heimischen Kohleverbrauch».

Trump soll Obamacare «im Wesentlichen abgeschafft» haben

Trump behauptet im Interview, er habe das von Barack Obama eingführte Krankenversicherungsgesetz Obamacare gebodigt. Tatsächlich hoben die Republikaner im Rahmen der Steuerreform lediglich die sogenannte Versicherungspflicht des Affordable Care Act auf – jene Bestimmung, die die meisten Bürger verpflichtete, eine Krankenversicherung abzuschliessen. Das entspricht jedoch keiner vollständigen Abschaffung des bestehenden Gesundheitsgesetzes.

Zwar war die Versicherungspflicht ein zentraler Bestandteil von Obamacare, doch andere wesentliche Elemente des Gesetzes bestehen weiterhin: die Ausweitung der Anspruchsberechtigung für Medicaid, die Vorgaben zu grundlegenden Leistungen, die jede Versicherungspolice abdecken muss, sowie neue Steuern zur Finanzierung subventionierter Versicherungen.

Das hat Trump sonst noch gesagt und getan

«Ich brauche kein internationales Recht»

Der US-Präsident hat im Interview ebenfalls deutlich gemacht, dass er sich von internationalen Normen oder rechtlichen Grenzen kaum einschränken lässt. Auf die Frage, ob es Grenzen für die Ausübung seiner globalen Macht gebe, sagte er: «Ja, da gibt es eine Sache. Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.»

Von internationalem Recht hält Trump nach eigenen Worten wenig. «Ich brauche internationales Recht nicht», gab er zu Protokoll. Zwar räumte er ein, dass seine Regierung diesem grundsätzlich folgen müsse, fügte aber hinzu: «Es hängt davon ab, was Sie als internationales Recht definieren.» Im Unrecht sieht sich der Präsident offenbar nicht: «Ich möchte niemandem wehtun», sagte er beschwichtigend.

J.D. Vane und Marco Rubio nennt er «Kids»

Laut den vier anwesenden NYT-Reportern war beim Interview auch zu beobachten, wie Trump mit seinen engsten Vertrauten umgeht. Mehrfach sprach er Berater und Mitarbeitende mit «Kids» – also «Kinder» – an, darunter seinen Vizepräsidenten J. D. Vance und Aussenminister Marco Rubio.

US-Vizepräsident J.D. Vance. 
US-Vizepräsident J.D. Vance. 
Sven Hoppe/dpa

Vance und Rubio erklärten zudem, sie hätten vom Präsidenten jeweils vier Paar Schuhe geschenkt bekommen. Vance hob sein Bein in die Luft, um dem Präsidenten das Paar zu zeigen, das er trug, so die Zeitung.

Trump nennt seine Mitarbeiterin «A.I.»

Während des Gesprächs reichte ihm seine Mitarbeiterin Natalie Harp ein Dokument mit dem Titel «Trump auf Tiktok», das Statistiken zur Popularität des Präsidenten auf der Plattform enthielt. Trump nennt Harp «A. I.», kurz für «Artificial Intelligence», weil sie für ihn Recherchen durchführt und Unterlagen bringt.

«Sie hat sich schrecklich verhalten»

Auch zur tödlichen Schiesserei eines ICE-Agenten im US-Bundesstaat Minnesota äusserte sich Trump und wiederholte dabei, was er über die Sozialen Medien schon kundgetan hat. Das Opfer, Renee Nicole Good, habe «versucht, den Agenten zu überfahren». «Sie hat sich schrecklich verhalten», sagte der Präsident. «Und dann hat sie ihn überfahren. Sie hat nicht versucht, ihn zu überfahren. Sie hat ihn überfahren.» Auf keiner der zahlreichen Videoaufnahmen, die die tödlichen Schüsse zeigen, ist zu sehen, dass die Frau versucht, jemanden zu überfahren geschweige denn, dass sie einen Menschen überfahren hat.