20'000 Seiten Diese Personen kommen in den bereits veröffentlichten Epstein-Dokumenten vor

Noemi Hüsser

18.11.2025

Die veröffentlichten E-Mails enthalten Konversationen zwischen Jeffery Epstein mit Ex-Botschafter Peter Mandelson, Pr-Beraterin Peggy Siegal und Unternehmer Peter Thiel (v.l.n.r).
Die veröffentlichten E-Mails enthalten Konversationen zwischen Jeffery Epstein mit Ex-Botschafter Peter Mandelson, Pr-Beraterin Peggy Siegal und Unternehmer Peter Thiel (v.l.n.r).
Keystone, Imago

Die Veröffentlichung Tausender E-Mails des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein bringt Prominente in Bedrängnis. Die Dokumente legen die Reichweite von Epsteins Netzwerk offen.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • 20'000 Seiten Dokumente zeigen, dass Jeffrey Epstein auch nach seiner Verurteilung weitreichende Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft pflegte.
  • Darunter sind unter anderem E-Mail-Korrespondenzen mit dem früheren Prinzen Andrew, Donald Trumps Partei-Strategen Steve Bannon und Ex-Finanzminister Lawrence Summers.
  • Die Enthüllungen erhöhen den Druck auf Trump, die Epstein-Akten zu veröffentlichen, auch wenn die Dokumente keine juristische Belastbarkeit für die Betroffenen enthalten.

Letzte Woche veröffentlichte der Kontrollausschuss im US-Repräsentantenhaus E-Mails des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, in denen US-Präsident Donald Trump erwähnt wird.

Die Veröffentlichung setzt Trump unter Druck, die sogenannten Epstein-Files zu veröffentlichen. Zeitgleich mit den E-Mails wurden 20'000 Seiten Dokumente veröffentlicht, die Nachrichten von Epstein aus der Zeit von 2009 bis 2019 mit Menschen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zeigen.

Die Dokumente sind für diese Personen nicht juristisch belastend. Es wird aber deutlich, dass Epstein auch als verurteilter Sexualstraftäter weiter über grossen Einfluss bis in die höchsten Kreise der Macht verfügte.

Eine Übersicht.

Andrew Mountbatten-Windsor

Andrew Mountbatten-Windsor verlor im Oktober wegen anhaltenden Vorwürfen zu seiner Verbindung zu Epstein seinen Prinzen-Titel.
Andrew Mountbatten-Windsor verlor im Oktober wegen anhaltenden Vorwürfen zu seiner Verbindung zu Epstein seinen Prinzen-Titel.
Steve Parsons/Pool PA/dpa

Die Dokumente enthalten E-Mails zwischen Jeffrey Epstein und dem ehemaligen britischen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor.  2011 schrieb Andrew als Reaktion auf die Vorwürfe, die Epstein-Opfer Virginia Giuffre gegen ihn hervorbrachte: «Ich kann das nicht mehr ertragen.»

In einer weiteren E-Mail scheint Epstein die Echtheit des Bildes zu bestätigen, das 2001 Andrew zusammen mit Virginia Giuffre zeigt. Epstein schreibt: «Ja, sie war in meinem Flugzeug und ja, sie hat sich mit Andrew fotografieren lassen, wie viele meiner Angestellten.»

Andrew Mountbatten-Windsor hat jegliche Vorwürfe stets bestritten und das Foto, das ihn zusammen mit Giuffre zeigt, als möglicherweise manipuliert bezeichnet.

Michael Wolff

Die E-Mails des Journalisten und Autors Michael Wolff mit Jeffrey Epstein werfen neue Fragen zu dessen Beziehung zu Donald Trump auf.
Die E-Mails des Journalisten und Autors Michael Wolff mit Jeffrey Epstein werfen neue Fragen zu dessen Beziehung zu Donald Trump auf.
Keystone

Es sind vor allem E-Mails zwischen Epstein und Michael Wolff, die Trump belasten. Michael Wolff ist Journalist und Autor, 2018 hat er das Buch «Fire and Fury» (deutsch: «Feuer und Zorn») veröffentlicht, das die erste Amtszeit von Donald Trump thematisiert. Wolff rät Epstein in den E-Mails, wie er mit Trump umgehen solle.

Wolff äussert sich in einem Instagram-Video zu den E-Mails. Er habe Epstein dazu bringen wollen, über seine Beziehung zu Trump zu sprechen. «Ich versuche schon seit sehr langer Zeit, über diese Geschichte zu sprechen», sagt er.

Lawrence Summers

Lawrence Summers war unter dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton Finanzminister.
Lawrence Summers war unter dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton Finanzminister.
picture alliance / dpa

Die Dokumente enthalten auch E-Mails zwischen Epstein und Lawrence «Larry» Summers, der während Bill Clintons Präsidentschaft Finanzminister war.

Summers und Epstein standen laut den E-Mails oft in Kontakt. So hat er unter anderem Rat bei Epstein gesucht, wie er eine Frau romantisch umwerben könnte. In einer anderen E-Mail an Epstein suggeriert er, dass Frauen tiefere IQs hätten als Männer.

Gestern sagte Summers gegenüber «Politico», dass er sich für sein Handeln schäme und Verantwortung übernehme über die «fehlgeleitete Entscheidung, weiterhin mit Epstein im Kontakt zu bleiben.»

Steve Bannon

Steve Bannon war Chefstratege von Donald Trump. Heute ist er vor allem als Podcaster bekannt.
Steve Bannon war Chefstratege von Donald Trump. Heute ist er vor allem als Podcaster bekannt.
Steven Hirsch/Pool New York Post/AP/dpa

In mehreren Mails aus dem Jahr 2018 liess sich Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon von Epstein bezüglich einer Reise nach Europa beraten. Einmal schrieb Epstein, er habe gerade mit «einem der Staatschefs, über die wir diskutiert haben», gesprochen.

Mehrere Monate später riet Epstein: «Wenn du hier mitspielen willst, musst du Zeit investieren, Europa aus der Ferne funktioniert nicht.» Es sei aber «machbar», er könne mit vielen Anführern europäischer Staaten «Einzelgespräche» organisieren.

Zu den E-Mails hat sich Bannon bisher nicht geäussert.

Peter Mandelson

Peter Mandelson, ehemaliger britischer Botschafter in Washington, stand in regelmässigem Kontakt mit Epstein.
Peter Mandelson, ehemaliger britischer Botschafter in Washington, stand in regelmässigem Kontakt mit Epstein.
Keystone

Auch E-Mails zwischen Epstein und Peter Mandelson, dem ehemaligen Botschafter von Grossbritannien in Washington, wurden durch die Veröffentlichung der Dokumente publik.

Nachdem bereits im September eine Verbindung von Mandelson und Epstein bekannt wurde, hat Mandelson seinen Job als Botschafter verloren. Demnach soll Mandelson Epstein im Jahr 2003 zu seinem Geburtstag gratuliert und ihn als besten Freund («best pal») bezeichnet haben.

Mandelson sagte im September, dass er es bereue, Epstein jemals kennengelernt zu haben. Die neuen E-Mails zwischen Mandelson und Epstein zeigen nun aber, dass die beiden bis im Jahr 2016 miteinander in Kontakt standen. In den E-Mails sprechen sie über Donald Trumps Einzug ins Weisse Haus und Mandelsons Ehe.

Kathryn Ruemmler

Kathryn Ruemmler war unter Barack Obama Beraterin im Weissen Haus.
Kathryn Ruemmler war unter Barack Obama Beraterin im Weissen Haus.
imago

Die ehemalige Beraterin von Barack Obama, Kathryn Ruemmler, tauschte sich mit Epstein über Donald Trump aus. In einer E-Mail bezeichnete Ruemmler Trump als «widerlich».

In seiner Antwort schrieb Epstein, Trump sei «in Wirklichkeit und aus nächster Nähe noch schlimmer». In anderen Mails an Ruemmler nannte Epstein etliche Namen von bekannten Personen, mit denen er sich kurz davor getroffen zu haben scheint. Sie sei «bei ihnen allen ein willkommener Gast», schrieb er.

Ruemmler hat sich bisher nicht zu den E-Mails geäussert.

Peter Thiel

Peter Thiel ist deutsch-amerikanischer Tech-Investor.
Peter Thiel ist deutsch-amerikanischer Tech-Investor.
sda

Laut den Dokumenten hat Epstein den libertären Milliardär und Unternehmer Peter Thiel im November 2018 auf seine karibische Insel eingeladen.

Gegenüber «Politico» hat Thiel abgestritten, die Insel jemals besucht zu haben. 

Noam Chomsky

Auch der Linguist Noam Chomsky stand in persönlichem Kontakt mit Epstein.
Auch der Linguist Noam Chomsky stand in persönlichem Kontakt mit Epstein.
sda

Auch mit dem Linguisten und Sozialwissenschaftler Noam Chomsky stand Epstein im Kontakt. Epstein schrieb im August 2015, Chomsky solle nur nach Griechenland fliegen, wenn er sich gut fühle.

Er habe schon einmal ein Flugzeug nach einem «linken Freund» schicken müssen, um ihn zu einem Arzt in New York zu bringen. Im selben Mail-Austausch bot der Milliardär dem Forscher an, seine Wohnung in der US-Metropole oder «erneut» seine Residenz im US-Bundesstaat New Mexico zu nutzen.

Chomsky hat sich bisher zu den E-Mails nicht geäussert.

Peggy Siegal

Peggy Siegal ist eine prominente PR-Beraterin.
Peggy Siegal ist eine prominente PR-Beraterin.
IMAGO/Depositphotos

Im Jahr 2011 bat Epstein die PR-Beraterin Peggy Siegal, bei Arianna Huffington, der Co-Gründerin der «Huffington Post», Unterstützung zu suchen, um seinen Ruf zu retten – unter anderem durch kritische Berichterstattung über Virginia Giuffre.

«Es war eine idiotische Bitte», sagte Siegal gegenüber «Politico» zu den E-Mails. Sie habe sich darauf nicht eingelassen. Auch Huffington erklärte, sie sei nie kontaktiert worden.


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