Geopolitik und Profitgier Dieser Milliardär setzte Trump den Grönland-Floh ins Ohr

Gabriela Beck

15.1.2026

Der Milliardär Ronald Lauder soll grosses Interesse an einer Annexion Grönlands haben. 
Der Milliardär Ronald Lauder soll grosses Interesse an einer Annexion Grönlands haben. 
EPA/LESZEK SZYMANSKI POLAND OUT/KEYSTONE (Archivbild)

Ein Milliardär steckt Präsident Trump eine Idee – und investiert kurz darauf selbst. Der Fall Ronald Lauder zeigt, wie aus geopolitischen Visionen profitable Geschäfte werden und wo die Grenzen zwischen Freundschaft, Einfluss und Eigennutz verschwimmen.

Redaktion blue News

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  • Der Milliardär Ronald Lauder brachte Donald Trump auf die Idee, Grönland zu kaufen – und investierte später selbst dort.
  • Parallel engagiert sich Lauder in Rohstoffprojekten, etwa in der Ukraine, während die US-Politik genau diese Ressourcen ins Visier nimmt.
  • Der Fall illustriert, wie persönliche Netzwerke der Wirtschaftselite aussenpolitische Entscheidungen beeinflussen können.

Manchmal entstehen geopolitische Projekte nicht in Thinktanks, sondern im Freundeskreis. So schildert es John Bolton dem «Guardian», einst nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump: Es sei ein «prominenter Geschäftsmann» gewesen, der dem Präsidenten als erster vorgeschlagen habe, die USA sollten Grönland kaufen. Das war während der ersten Amtszeit von Trump und der Mann war Ronald Lauder – Erbe eines Kosmetik-Imperiums, Milliardär – und befreundet mit Donald Trump.

Lauder und Trump kennen sich seit den 1960er-Jahren, als beide dieselbe renommierte Wirtschaftshochschule besuchten. Nach dessen erstem Wahlsieg 2016 unterstützte er den Präsidenten finanziell und verteidigte ihn öffentlich, als 2018 Trumps geistige Gesundheit infrage gestellt wurde. Politisch beriet Lauder den Präsidenten nach eigenen Angaben bei «komplexen diplomatischen Herausforderungen». Grönland gehört offenbar dazu.

Was als private Eingebung begann, wurde im Weissen Haus rasch zur ernsthaften Option. Nach Lauders Intervention wurden Möglichkeiten geprüft, den amerikanischen Einfluss in dem dänischen Territorium auszubauen. Im vergangenen Februar, kurz nach Trumps Rückkehr ins Weisse Haus, verteidigte Lauder ihn vehement, als der Präsident öffentlich eine militärische Übernahme der grössten Insel der Welt erwog. «Trumps Grönland-Konzept war nie absurd – es war strategisch», schrieb Lauder in der «New York Post».

Trumps Fixierung auf Grönland passe indes zu seinem Führungsstil, so Bolton: Ideen aus dem Freundeskreis werden zur Staatsräson.

Grönland-Politik mit Renditepotenzial

Auffällig ist, wie eng Lauders politische Anregungen mit seinen eigenen geschäftlichen Interessen verknüpft sind. Während Trump öffentlich über Kauf, Einflussnahme oder gar Annexion Grönlands nachdachte, baute Lauder Beteiligungen auf der Insel auf. Dänische Unternehmensregister zeigen Investitionen eines New Yorker Unternehmens mit anonymen Eigentümern – eines der Projekte: der Export von «Luxus»-Quellwasser aus der Arktis.

Als eine dänische Zeitung im Dezember berichtete, dass Lauder zu den Investoren gehöre, zitierte sie einen grönländischen Geschäftsmann, der an dem Vorhaben beteiligt ist: «Lauder und seine Partner in der Investorengruppe haben ein sehr gutes Verständnis des Luxusmarktes und Zugang zu ihm», sagte dieser.

Jene Investorengruppe plane ausserdem, aus Grönlands grösstem See Wasserkraft für eine Aluminiumhütte zu gewinnen. Lauder selbst erklärte offen, er arbeite seit Jahren mit Wirtschafts- und Regierungsvertretern Grönlands an «strategischen Investitionen». Dass diese Strategie Teil amerikanischer Aussenpolitik wird, ist zumindest bemerkenswert.

Rohstoffdeal in der Ukraine

Das Muster wiederholt sich andernorts. In einem im November 2023 durchgesickerten Brief, den der Chef des Bergbauunternehmens TechMet an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj schickte, wurde Lauder als Teil eines Konsortiums genannt, das ein Lithiumvorkommen in dem vom Krieg zerrütteten Land ausbeuten wolle. Zeitgleich forderte Trump öffentlich Zugriff auf Bodenschätze des vom Krieg gezeichneten Landes. Ein entsprechendes Abkommen zwischen Washington und Kiew ebnete schliesslich den Weg für Ausschreibungen.

Lauder erklärte damals, er habe die ukrainischen Bodenschätze nicht mit Trump persönlich besprochen, sondern das Thema «seit vielen Jahren mit verschiedenen Akteuren in den USA und der Ukraine» erörtert.

Das erste Lithiumprojekt ging Berichten zufolge an eben jenes Konsortium. Weder Lauder noch das Weisse Haus wollten sich dazu äussern.

Lauders offensichtliche Beteiligung an der Gestaltung der US-Politik verstärkt die Zweifel an möglichen Interessenkonflikten während Trumps zweiter Amtszeit und der offensichtlichen Bereicherung von Personen aus seinem Umfeld. Kritiker sehen darin ein Lehrstück darüber, wie Macht und Kapital im engsten Zirkel verschmelzen – und wie Aussenpolitik zur Gelegenheit für private Geschäfte wird.

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