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Milliardär und Strippenzieher – das ist Alfred Gantner
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Von Baar ins Oval Office

Milliardär und Strippenzieher – das ist Alfred Gantner

Unternehmer Alfred Gantner kämpft gegen das EU-Rahmenabkommen.

Unternehmer Alfred Gantner kämpft gegen das EU-Rahmenabkommen.

Bild: Keystone

Unternehmer Alfred Gantner kämpft gleichzeitig gegen US-Zölle und eine engere Anbindung an die EU. Wer ist der Mann mit doppelter Agenda?

Dominik Müller

Dominik Müller

26.08.2025, 04:30•01.12.2025, 15:48

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Alfred Gantner, Mitgründer der Parnters Group, war Teil von Team Switzerland, das mit US-Präsident Trump den Zolldeal verhandelte.
  • Der Milliardär tritt auch anderweitig politisch in Erscheinung: als führender Kopf im Kampf gegen das EU-Rahmenabkommen.
  • Gantner und seine Mitstreiter engagieren sich innenpolitisch mit der Kompass-Initiative.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Derzeit vergeht kaum ein Tag, ohne dass Alfred Gantner Schlagzeilen generiert. Der Milliardär und Mitgründer der Parnters Group war Teil von Team Switzerland, jenen Konzernchefs, die im Oval Office US-Präsident Donald Trump jüngst dazu bewogen, die Strafzölle von 39 auf 15 Prozent zu senken.

Kritisiert wurden insbesondere die Geschenke – eine Rolex und ein Goldbarren –, die Trump beim Treffen überreicht worden seien. Mittlerweile sind bei der Bundesanwaltschaft in diesem Zusammenhang drei Strafanzeigen eingegangen. Die Grünen und die Juso sehen einen Artikel des Strafgesetzbuchs verletzt, der die «Bestechung fremder Amtsträger» betreffe.

Bereits im August weilte Team Switzerland zusammen mit Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin in Washington. An vorderster Front auch damals: die Partners-Group-Mitgründer Marcel Erni und Alfred Gantner.

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Feindbild EU-Rahmenabkommen

Die Partners Group ist ein Private-Equity-Gigant und seit September 2020 im Swiss-Market-Index (SMI) enthalten. Damit zählt sie zu den 20 wertvollsten Schweizer Firmen, deren Aktien an der Börse gehandelt werden. Die «Bilanz» schätzt das kumulierte Vermögen von Gantner, Erni und dem dritten Mitgründer Urs Wietlisbach auf 8 bis 9 Milliarden Franken.

Mit ihrer Firma verwaltet das Trio weltweit über 170 Milliarden Dollar. Spätestens seit letztem Jahr sind die drei Wirtschaftsführer auch in Bundesbern bekannt: Im November lancierten sie mit viel Aufwand und Lametta die Initiative «Kompass/Europa».

Das Volksbegehren verlangt unter anderem, dass bei völkerrechtlichen Verträgen zusätzlich zum Volks- auch das Ständemehr gilt. Ein direkter Angriff auf das Rahmenabkommen mit der EU: Wird dieses dem obligatorischen Referendum unterstellt, und muss also sowohl das Volks- als auch das Ständemehr erreichen, würde es höchstwahrscheinlich an den konservativen Kleinkantonen scheitern.

Getragen wird die Initiative von Vertreterinnen und Vertretern von Schweizer Unternehmen. Auch Parlamentsmitglieder aus FDP und SVP sowie prominente Persönlichkeiten wie Ski-Legende Bernhard Russi und Ex-SRF-Moderator Kurt Aeschbacher sind mit dabei.

Der schillernde Anführer

An der Medienkonferenz Ende April sitzt vom Partners-Group-Trio nur einer – zusammen mit weiteren Mitgliedern des Initiativkomitees – vor den Medien: Alfred Gantner, zumeist Fredy genannt.

Fredy Gantner (Zweiter von links) informiert am 29. April in Bern zusammen mit Mitgliedern des Initiativkomitees über den Zwischenstand der Kompass-Initiative.

Fredy Gantner (Zweiter von links) informiert am 29. April in Bern zusammen mit Mitgliedern des Initiativkomitees über den Zwischenstand der Kompass-Initiative.

Bild: Keystone

Das dürfte kaum Zufall sein: Fredy Gantner ist von den drei Gründern die schillerndste Figur.

Der 57-Jährige warnt immer wieder vor einer «schleichenden Anpassung» an die EU und kritisiert, dass man sonst in eine Dynamik geraten würde, bei der die Schweiz permanent neue Rechtsakte aus Brüssel übernehmen müsste.

Er tritt damit praktisch in die Fussstapfen von SVP-Doyen Christoph Blocher – ebenfalls Milliardär –, der in den letzten Jahrzehnten den Kampf gegen eine Schweizer EU-Annäherung geprägt hat.

Auch seine Konfession wird in Medienberichten regelmässig erwähnt: Mit 23 trat Gantner der Kirche «Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage» bei, die sich auf die Bibel und das Buch Mormon beruft. Als Mormone will Gantner allerdings nicht genannt werden: «Wenn du mich Mormone nennst, ist das diskriminierend», sagte Gantner vor vier Jahren der «Republik». «Wir sind Christen und Mitglieder der Kirche Jesu Christi.»

Und als Gantner in Meggen LU seine Villa direkt an Vierwaldstättersee bauen liess, berichteten die Medien bereitwillig. 160 Millionen Franken soll der Bau auf dem 35'000-Quadratmeter-Anwesen inklusive Landkauf gekostet haben.

Der Schweizer Elon Musk?

Die Kompass-Initiative rüttelt Bundesbern kräftig durch – zu gross sind die finanziellen Möglichkeiten, über die die Köpfe hinter dem Vorhaben verfügen. Nicht ohne Grund verwendete der letztjährige Nationalratspräsident Eric Nussbaumer (SP), erklärter Pro-Europäer, seine Abschiedsrede dafür, vor der Initiative zu warnen.

Und nicht ohne Grund nannte der Politologe Michael Hermann die Namen der drei Partners Group Gründer, als er Ende 2024 in einer Kolumne der «NZZ am Sonntag» nach dem Schweizer Elon Musk suchte.

Fredy Gantner verfügt über die Mittel und die Beziehungen, um auch auf politischer Ebene viel zu bewirken. Zusammen mit seinen beiden Geschäftspartnern will er vom 21'000 Quadratmeter grossen Firmensitz in Baar ZG aus die Schweizer Europapolitik aufmischen.

Zumindest in den Beziehungen zu einem anderen wichtigen Partner der Schweiz, den USA, hat Alfred Gantner seinen Einfluss bereits unter Beweis gestellt.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien bereits am 26.08.2025 auf blue News und wurde nun aus aktuellem Anlass aktualisiert.


Video aus dem Ressort

03:48

Video zum Zoll-Fiasko: The Art of the Deal – or No Deal

Man kann Karin Keller-Sutter nicht vorwerfen, dass sie alleine Schuld an Donald Trumps Zoll-Hammer ist. Doch im Nachhinein sind ihre Aussagen zu den Verhandlungen mit Washington wirklich nicht gut gealtert.

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