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Jetzt meldenIn letzter Minute versuchen Karin Keller-Sutter und Guy Parmelin in Washington den drohenden Zollhammer zu verhindern. Die Folgen für die Wirtschaft könnten dramatisch sein. Zwei Experten ordnen ein.
Kommt der Zollhammer oder kommt er nicht? Derzeit weilen Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin in Washington und versuchen zu retten, was noch zu retten ist.
Viel Zeit bleibt nicht: Am Donnerstag soll der von US-Präsident Donald Trump verhängte Zollsatz von 39 Prozent auf Schweizer Importe in die USA in Kraft treten. Ziel der Schweizer Delegation sei es nun, «den USA ein attraktiveres Angebot zu unterbreiten».
Gelingt dies nicht, wären die Folgen fatal: «Laut unseren Berechnungen wird die Schweizer Wirtschaft durch die US-Zölle um mindestens 0,3 Prozent schrumpfen», sagt Hans Gersbach, Wirtschaftsprofessor und Co-Direktor der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich.
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Der tatsächliche Schaden könne gar noch deutlich höher ausfallen. «Solch hohe Zölle belasten die Geschäftsbeziehungen zwischen Schweizer Firmen und US-Unternehmen massiv», sagt Gersbach. Viele Partnerschaften dürften darunter leiden oder müssen ganz beendet werden.
Gersbach warnt: «Wenn darüber hinaus wichtige Lieferketten wegbrechen, könnte das Bruttoinlandsprodukt sogar doppelt so stark zurückgehen – um 0,6 Prozent.» Das entspräche einem Wohlstandsverlust von fast 600 Franken pro Kopf.
Am stärksten betroffen von den Zöllen seien die Maschinenindustrie sowie Hersteller von Geräten, Elektronikgeräten und Präzisionsinstrumenten und die Uhrenindustrie. Der Zoll-Hammer könnte demnächst aber auch den grössten Schweizer Export-Sektor, die Pharmabranche, treffen. Donald Trump hat Strafzölle von bis zu 250 Prozent auf importierte Medikamente angekündigt.
Dabei würde laut Gersbach auch der bestehende Zollsatz grossen Schaden anrichten: «Sollten auch auf Medikamentenexporte Zölle von 39 Prozent erhoben werden, würde die Wirtschaft um mindestens weitere 0,7 Prozent schrumpfen.» Der Rückgang der Wirtschaftsleistung könne dann mehr als ein Prozent des BIP betragen. «Bei Zöllen auf Pharmaprodukte besteht zudem ein Risiko, dass die Schweiz in eine Rezession abrutscht.»
Zu Gegenmassnahmen vonseiten der Schweiz rät der Ökonom dennoch ab: «Das ist nicht sinnvoll, da die Schweiz völlig isoliert mit solchen Massnahmen operieren würde und angesichts der ökonomischen und technologischen Machtverhältnisse nur verlieren würde.»
Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Für Verhandlungsexperte Frédéric Mathier hat Karin Keller-Sutter bis anhin auf die falsche Strategie gesetzt: «Wer Trump mit Fakten überzeugen will, spielt Schach – während er längst am Pokertisch sitzt.» Trump wolle keine Belehrung, er wolle eine Bühne.

US-Präsident ist bekannt für seinen forschen Verhandlungsstil.
Keystone
«Gibst du ihm nicht das Gefühl, der Boss im Raum zu sein, geht bei ihm sofort der Rollladen runter», sagt Mathier. Deshalb brauche es weniger Paragrafen und mehr Psychologie. «Oder in anderen Worten: Weniger Bundesbern, mehr Beverly Hills.»
Zumal Trump nicht verhandle, sondern inszeniere. «Für ihn ist jedes Gespräch eine Bühne, jeder Deal ein Showdown», sagt Mathier. Der US-Präsident nutze Macht, Medien und Momentum wie ein Regisseur. Fakten? «Stören nur beim Drehbuch.»
Trumps Verhandlungsstrategie lässt sich laut dem Experten auf «Win oder Lose» reduzieren. Konkret: «Dominanz, Tempo, Druck – koste es, was es wolle.»
So arbeite Trump auch oft mit Deadlines und Drohungen. «Das ist sein klassisches Druckmittel», erläutert Mathier. Damit wolle er Angst erzeugen – «und Angst macht gefügig». Er teste damit die Schmerzgrenze seines Gegenübers: Wer einknickt, verliert. Wer cool bleibt und kontert, gewinnt Respekt.
Mit Trump könne man nur verhandeln, wenn man seine Spielregeln verstehe. Mathier: «Trump braucht einen Deal, bei dem er gewinnt.» Der Trick: «Gib ihm den medialen Triumph – aber sichere dir im Kleingedruckten, was du brauchst.» Wenn beides passe, sei der Deal perfekt.
Von der Delegation um die Bundesräte Keller-Sutter und Parmelin sei nun mehr emotionale Intelligenz und weniger Bürokratie gefordert. Inwiefern dies gelingt, bleibt abzuwarten. Das ganze Land und insbesondere die Wirtschaft erwartet das Resultat mit Besorgnis.