PolitikDiplomatisches Ringen und Drohungen im Iran-Krieg dauern an
SDA
24.4.2026 - 15:22
ARCHIV – Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi spricht zu Journalisten während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem türkischen Amtskollegen Fidan. Foto: Khalil Hamra/AP/dpa
Keystone
Im Iran-Krieg dauern die diplomatischen Bemühungen an, um eine friedliche Lösung des Konflikts am Verhandlungstisch zu erreichen. Irans Aussenminister Abbas Araghtschi wird am Freitagabend zu Gesprächen in Pakistan erwartet.
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24.04.2026, 15:22
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Dort soll er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna mit Vertretern Pakistans, die im Konflikt zwischen den USA und dem Iran vermitteln, sprechen.
Zuvor hatte Araghtschi bereits mit Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, und Aussenminister Ishaq Dar telefoniert. Es seien «regionale Entwicklungen und Themen in Verbindung mit der Waffenruhe» besprochen worden, hiess es in einem Bericht von Irna.
Ausserdem berieten die EU-Staaten bei einem informellen Gipfeltreffen in Zypern über Schritte zur Beruhigung der Lage. Die Bundesregierung hatte mitgeteilt, sie sei bereit, mit ihren Partnern schrittweise Sanktionen gegen den Iran zu lockern, wenn es zu einer umfassenden Übereinkunft zur Wiederfreigabe der Strasse von Hormus kommen sollte. Die Blockade der für den Ölhandel wichtigen Meerenge hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und setzt die Weltwirtschaft unter Druck.
US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag einseitig die Waffenruhe mit dem Iran ohne klares Ende verlängert. Die Waffen sollen demnach schweigen, bis Teheran mit einem geeinten Vorschlag an den Verhandlungstisch kommt. Kurz zuvor hatte der Iran einer Teilnahme an weiteren Verhandlungen in Pakistan eine Absage erteilt. Verhandler der Konfliktparteien hatten sich in Islamabad für eine erste Gesprächsrunde getroffen. Diese war ohne Ergebnis geendet.
USA verlegen dritten Flugzeugträger Richtung Nahost
Beide Seiten drohten, sie seien bereit, die Kämpfe wieder aufzunehmen. Die USA stocken vor diesem Hintergrund ihre Militärpräsenz in der Region mit einem dritten Flugzeugträger weiter auf. Die «USS George H.W. Bush» befinde sich jetzt im Indischen Ozean, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf X mit.
Trump hatte eine Öffnung der von Teheran weitgehend blockierten Strasse von Hormus zur Bedingung für die Waffenruhe gemacht, während er zugleich an der eigenen Blockade iranischer Häfen festhält. Trump wies die Marine seines Landes nun an, alle Schiffe zu beschiessen und zu versenken, die Minen in der für den globalen Ölhandel wichtigen Meerenge ausbringen würden.
Minensuchboote würden die Strasse von Hormus zugleich noch intensiver von Sprengkörpern säubern, schrieb Trump auf Truth Social. Das US-Nachrichtenportal «Axios» zitierte einen US-Beamten und eine weitere Quelle, wonach die Marine der iranischen Revolutionsgarden diese Woche dort weitere Minen verlegt habe.
Israel zur Wiederaufnahme des Iran-Krieges bereit
Unterdessen ist Tel Aviv laut Verteidigungsminister Israel Katz «bereit, den Krieg gegen den Iran wieder aufzunehmen». Sein Land warte auf grünes Licht aus den USA, sagte er nach Angaben seines Büros vom Donnerstagabend bei einer Lagebeurteilung. Die Ziele seien bereits festgelegt. Es gehe unter anderem darum, die Familien-"Dynastie» des neuen obersten Führers Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, endgültig zu zerschlagen.
Weiteres Ziel sei die Zerstörung der wirtschaftlichen Infrastruktur, einschliesslich Energie- und Stromanlagen. Katz sprach davon, den Iran «in die Steinzeit» zurückzuversetzen. Trump hatte sich vor Wochen ähnlich ausgedrückt.
Im Iran droht Versorgungskrise
Inzwischen droht im Iran nach den Angriffen der USA und Israels laut Experten eine schwere Krise in der medizinischen Versorgung. Zwar gebe es eine Waffenruhe, aber die Folgen der wochenlangen Bombardierung beeinträchtigten wohl noch auf Monate oder Jahre die Versorgung der Bevölkerung, sagte Cristhian Cortez Cardoza in Genf. Er ist stellvertretender Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika bei der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC).
«Ein Waffenstillstand bedeutet nicht, dass der Konflikt vorbei ist», sagte Cardoza. Hunderte Kliniken und Gesundheitseinrichtungen sowie Lernstätten und Geschäfte seien zerstört worden, sagte er. Es wachse die Sorge, dass nicht mehr genügend medizinische Geräte wie Dialysemaschinen oder Prothesen zur Verfügung stehen.
Waffenruhe im Libanon verlängert
Unterdessen wurde auch die Waffenruhe zwischen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon und Israel nach Angaben von US-Präsident Trump um drei Wochen verlängert. Die derzeit geltende, zehntägige Waffenruhe wäre ohne eine Verlängerung am späten Sonntagabend ausgelaufen. Auch nach der Verlängerung kam es aber zu Angriffen. Die israelische Armee tötete in der Nacht im Südlibanon zwei Mitglieder der Hisbollah-Miliz. Beide seien bei einem Angriff auf ein Haus in dem Ort Tulin ums Leben gekommen, hiess es aus libanesischen Sicherheitskreisen. Israels Militär teilte am Vormittag mit, der Angriff sei als Reaktion auf Raketenbeschuss der vom Iran unterstützten Hisbollah erfolgt.
Die libanesische Regierung ist keine aktive Kriegspartei in dem aktuellen Konflikt. Sie will den Einfluss der Hisbollah im Land eindämmen. Die Hisbollah ist gegen die Verhandlungen mit Israel. Im Libanon reagierten die Menschen Augenzeugen zufolge mit einer vorsichtigen Erleichterung auf die Ankündigung der Waffenruhe-Verlängerung. Viele fürchten demnach, dass sich beide Seiten nicht an das Abkommen halten könnten.
Trump und Xi in China: Treffen beginnt mit Warnung wegen Taiwan
Chinas Staatschef warnt Trump vor Konflikt um Taiwan. Zum Auftakt des Besuchs von US-Präsident Donald Trump macht der chinesische Staatschef Xi klar, dass die Taiwan-Frage die Beziehung zwischen seinem Land und den USA in eine «äusserst gefährliche Lage bringen» könnte. Ob und was Trump auf Xis Äusserungen entgegnet hat, ist nicht bekannt. Die USA spielen in Bezug auf Taiwan eine wichtige Rolle – unter anderem, weil sie trotz grosser Kritik Pekings Taiwan mit Waffen beliefern.
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Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
Berlin, 27.04.2026: Krisendiplomatie in New York: Aussenminister Johann Wadephul fordert mehr Einsatz vom UN-Sicherheitsrat im Iran-Konflikt.
O-Ton Johann Wadephul, Aussenminister
«Die UN müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, insbesondere der Sicherheitsrat. Kriege und Konflikte schwelen, und wir sehen zum Teil die Unfähigkeit von Staaten, effektive Konfliktlösungsmechanismen in Kraft zu setzen. Insbesondere der Konflikt um den Iran und die blockierte Strasse von Hummus wird ein Thema sein, zu dem ich auch das Wort ergreifen werde im Sicherheitsrat.»
Wadephul fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse handlungsfähiger werden: Blockaden, auch durch China und Russland, dürften Lösungen nicht länger verhindern.
Deutschland hofft zudem auf ein UN-Mandat für eine mögliche Mission in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Route für die weltweite Energieversorgung.
In New York plant Wadephul Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres sowie weiteren ranghohen UN-Vertretern und Amtskollegen. Dabei soll es auch um die Zukunft der Vereinten Nationen gehen.
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Das deutsche Minenjagdboot «Fulda» soll schon bald aufbrechen – Verteidigungsminister Boris Pistorius will, dass es schnell geht, sollte demnächst ein Einsatz zur Sicherung der Strasse von Hormus anstehen. Pistorius betont, Voraussetzung für einen Einsatz sei zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnert er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich sei.
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